geist: auge

geist: auge

Patrick Hahn über die Saison »geist«

Ein Gespenst geht um, es ist das Gespenst des … Nein. Pardon. Da ist der falsche Geist aus der Flasche gekommen. Aber so ist es nun einmal: die Geister, die man ruft, wird man schwer wieder los. »Geist« steht auf dem Programm. Geistreich verspricht sie zu werden, die neue Saison. Alles wie immer also, geistlich auch gelegentlich, und besonders »wirklich« kündigt sie sich auch an zu sein. »Allein das Wirkliche« verspricht das Ensemble Resonanz in seinen Konzerten zu umkreisen. Was das sei und wie man zur Erkenntnis dieser Wirklichkeit gelangen könne, darüber streiten die Philosophen so lange es sie gibt. Dem Konzertbesucher des Jahres 2019 allerdings mag schon alleine das Faktum merkwürdig anmuten, dass hier jemand wagt, vom Wirklichen in der Einzahl zu sprechen. Haben wir uns nicht längst daran gewöhnt, vom Wirklichen nicht anders als in der Mehrzahl zu reden? Hatte nicht Kant uns einst gelernt, dass man an »das Wirkliche«, an das echte »Ding an sich« niemals ran kommen wird, egal wie sehr man seine Gehirnwindungen biegt? Ja, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, nichts anderes ist als eine Konstruktion, die unser »Geist« vornimmt? Haben sich die wilden Streicher von der Feldstraße verborgen hinter den Mauern ihres Bunkers in Metaphysiker verwandelt, die noch einmal den Versuch wagen, »das Wirkliche« mit einer großen Erzählung zu beglaubigen? Kaum vorstellbar. Also wirklich?