Liebe Freund:innen der Resonanz,

Es ist verlockend: Lieblingspulli und Zahnbürste in den Koffer, Schuhe an – und los. Wohin? Zweitrangig. Sonne und gute Drinks? Gerne! Wichtigstes Tool im Gepäck: Ein Sich-Einlassen auf das, was noch nicht feststeht.

Genau dort wird es lebendig. Im Prozess, im Austausch, im Moment selbst. Wenn der Umweg zum Kern wird, fühlen wir uns richtig: In unserem resonanzraum auf St. Pauli, der Elbphilharmonie, weit über Hamburg hinaus.

In dieser Saison feiern wir mit der Elphi ihren 10. Geburtstag – und zugleich unsere zehnjährige Residenz an diesem besonderen Ort. Längst ist sie mehr als ein Reiseziel. Sie ist ein zweites Zuhause. Die Schuhe behalten wir noch an, pudelwohl fühlen wir uns trotzdem. Hier entstehen mit unserem Publikum und unseren musikalischen Partner:innen Augenblicke, die bleiben.

Und besondere Anlässe feiert man nicht allein: Wir holen uns Langzeitkomplizen Charly Hübner dazu und schlagen mit Patricia Kopatchinskaja ein neues Kapitel auf: »Prometheus« verschränkt Musik, Licht und Raum – entstanden für Hamburg, gedacht für mehr, mit uns unterwegs durch Europa.

Und dann ist da unser eigenes Wohnzimmer: der resonanzraum. Ein Ort, an dem wir die Schuhe auch mal ausziehen, nur Lieblingspullis tragen. Wo es inniger wird, leiser, wilder – und immer persönlich bleibt. Hier probieren wir aus, biegen ab, lassen Musik entstehen, bevor sie feststeht.

Neue Werke wachsen im Austausch – mit Komponist:innen, Musiker:innen, Stimmen. Ohne starre Form, ohne festes Ziel. Oft kennen wir bei Reisebeginn keine einzige Note. Genau deshalb planen wir Routen selten allein. Diese Saison mit Enno Poppe und seinem neuen Werk für uns und Anna Prohaska. Mit Rebecca Saunders, deren neue Komposition wir auf Europatournee mitnehmen. Mit Ann Cleare zwischen Donaueschingen und Elphi-Jubiläum. Und mit Judith Weir, die den Tristan-Mythos für uns und den RIAS Kammerchor Berlin neu erzählt.

Auch Vertrautes wollen wir neu hören: Riccardo Minasi lädt mit uns Beethovens fünfte Sinfonie neu auf, Pablo Ferrández wirbelt Schumanns Cellokonzert in ungewohnte Sphären. Mit Momi Maiga und Giorgi Gigashvili verschieben sich Koordinaten – musikalische Sprachen aus dem Senegal, Spanien, Georgien und anderen Ecken der Welt ordnen sich neu. Unerwartet und unmittelbar.

Auch abseits unserer Wohnzimmer docken wir in Hamburg an: auf Kampnagel, in der JazzHall, in Stadtteilzentren, Seniorenresidenzen und Schulen. Für die ganz Kleinen, die ihre ersten Schritte machen, und für alle, die Musik gemeinsam entdecken. Den ersten Schritt machen. In Bewegung bleiben. Vielleicht erst unterwegs verstehen, wohin es geht. Und dann sieht man plötzlich: Da wächst ein Krokus. Einfach so. Und alles ist da.

Wir freuen uns auf Sie,

Ihre Marie-Sünje Schade