Altes Holz, neues Holz

Altes Holz, neues Holz

Juditha Haeberlin und Benjamin Spillner sprechen über ihre Instrumente

Juditha Haeberlin: Ich liebe meine Geige sehr. Es war sozusagen »Liebe auf den ersten Blick« – nun ja es war natürlich eher »Liebe auf den ersten Ton« – obwohl, das Äußerliche schon auch eine Rolle spielt; wäre sie jetzt fuchsorange gewesen, hätte sie mich vermutlich nicht besonders angesprochen. Es ist eine dunkle, eher kleinere Geige – ich bin ja auch eher ein kleinerer Mensch – aber eigentlich war es der Ton, der Klang der Geige, der mich auf Anhieb berührt hat. Wir passen einfach sehr gut zusammen. […]

Für mich ist so eine Geige, auch wenn sie sehr alt ist, in gewisser Weise einfach nur ein »Arbeitsinstrument«, es ist jetzt nichts, was ich so … sucht nach Worten…es gibt Menschen, die suchen ihr Leben lang noch mehr Geigen und haben da so eine unglaubliche Faszination für Instrumente. Ich habe meine gefunden und bin damit zufrieden und es ist mein Arbeitsinstrument.

Benjamin Spiller: Lacht Im Gegensatz zu mir. Ich bin sehr instrumentenaffin, was sich darin äußert, dass ich immer auf der Suche bin, was man noch optimieren könnte, ob ich beispielsweise andere Saiten benutzen könnte, um den Klang zu verbessern. Oder ob ich vielleicht doch grundsätzlich ein ganz anderes Instrument brauche… diese Frage schwingt eigentlich ständig mit.

Juditha Haeberlin: Meine Geige hat einen warmen Klang, einen weichen Klang, der durchaus eine Tiefe hat. Wenn man mit anderen spielt, kann sich dieser Klang schon auch durchsetzen, er hat Kraft, Brillanz. An meiner Geige mag ich, dass der Klang von der Tiefe bis in die Höhe sehr homogen ist, dass sie in der Höhe brillant ist, aber auch in der Tiefe. Ich kann einfach sehr viel mit dieser Geige machen. Sie reagiert so, wie ich mir das vorstelle. Und das war von Anfang an so.


Benjamin Spiller: Ich bin ehrlich gesagt heute noch am Hadern. Das ist so eine Hass-Liebe. Es gibt Momente, da geht mir das Herz auf und ich denke »Ah ja, genau das habe ich an [meiner Geige], und dafür nehme ich auch anderes in Kauf«. Und an anderen Tagen, da würde ich sie am liebsten in die Ecke feuern, weil sie einfach nicht so tut, wie ich es möchte. Das mag vielleicht am Spieler liegen… lacht.

Mein Instrument war ganz klar kein altes Instrument, das war nicht plötzlich wie ein »alter Italiener«, aber es hatte von Anfang an eine Persönlichkeit, die anfangs etwas widerspenstig war. Darauf musste ich mich einlassen …dann gibt [das Instrument] einem etwas wieder. Es hat gewisse Eigenheiten, die nicht jedes Instrument mitbringt. Das hat mich gereizt, so einen Gegenpart zu haben, mit dem ich direkt irgendwie kommunizieren kann – und nicht komplett ein unbeschriebenes Blatt…