urban string »weather«

 
»weather« mit Luisa Neubauer x Ensemble Resonanz
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urban string »weather«

Naturgewalten und auskomponierte Warnsignale bilden in Michael Gordons Oper Weather eine dichte Klanglandschaft, die den resonanzraum und die Welt zum Beben bringt. Luisa Neubauer und das Ensemble Resonanz setzen sich in diesem Kontext mit den drängenden Fragen unserer Zeit auseinander. Sie verweben Klimaschutz und Beethoven, gesellschaftliches Engagement und Poesie – zu einem eindringlichen Appell: »Handle. Als ob es um alles geht!«

Programm

Michael Gordon (*1956)
Weather, part III & I

Luisa Neubauer (*1996) »Rede in Es-Dur« & Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Streichquartett Nr. 13 »Cavatina«

Mitwirkende

Luisa Neubauer, Sprecherin
Blackdata, Videodesign
Basswald, DJ
Ensemble Resonanz

Wir wollten anders anfangen

Viele Kunst- und Kulturinstitutionen beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, wie sie ihre Arbeit ökologisch nachhaltiger gestalten können. Neben der inhaltlichen künstlerischen Auseinandersetzung mit der Klimakrise wächst der Bedarf an konkreten Instrumenten und Strukturen, um Produktionsweisen, Mobilität, Materialeinsatz und Organisationsformen nachvollziehbar an ökologischen Zielen auszurichten. Zentrale Fragen dabei sind:

Wo stehen wir? Welche Schritte sind wirksam? Und wo liegen die Hebel für eine schnelle Veränderung?

Das Konzert urban string »weather« wurde – zusammen mit sechs weiteren Programmen der Reihe »urban string« – im Rahmen des Förderprogramms Fonds Zero der Kulturstiftung des Bundes realisiert. Das Programm unterstützt Kulturinstitutionen dabei, nachhaltige Arbeitsweisen zu entwickeln, zu erproben und Wissen innerhalb des Kulturbereichs weiterzugeben.

Ohne Ausrede

Das Konzert wurde klimaneutral durchgeführt: Alle unvermeidbaren CO₂-Emissionen werden im Rahmen des Fonds Zero-Projekts kompensiert. Dank der Unterstützung der Kulturstiftung konnte urban string »weather« mit einem möglichst geringen ökologischen Fußabdruck realisiert werden.

Unter Begleitung von Klimaexpert:innen und in enger Zusammenarbeit mit Künstler:innen sowie dem Publikum sammelte das Ensemble Resonanz wertvolle Erfahrungen beim klimaneutralen Veranstalten. Derzeit laufen Auswertung und Klimabilanzierung; die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend in den täglichen Betrieb übernommen werden.

Michael Gordon: Weather

»Inspiriert von chaotischen Wetterbedingungen, fragte ich mich, wie sich diese in Musik übersetzen ließen – als ob Jahrhunderte musikalischer Gedanken durch die Luft wirbelten und ich nur die Hand nach dem, was mir gefällt, ausstrecken und darauf aufbauen müsste.« (Michael Gordon)

Michael Gordon: Weather (1997) ist ein Werk für 16-köpfiges Streicherensemble, das Klangereignisse wie Sirenen, Donner und andere Umweltgeräusche in eine dichte, rhythmisch und harmonisch spannungsreiche Musiksprache übersetzt. Ursprünglich als Video-Oper konzipiert, verbindet das Stück akustische und elektronische Elemente und bewegt sich bewusst zwischen zeitgenössischer Musik und Pop-Ästhetiken. In seiner Verbindung von Minimalismus, Dissonanz und pulsierenden Strukturen entwirft Weather ein musikalisches Bild von Unruhe, Verdichtung und atmosphärischer Intensität. Die Uraufführung fand 1997 auf Kampnagel in Hamburg mit dem Ensemble Resonanz statt.

»Ich stellte mir Geschichte weniger als Zeitleiste vor, sondern eher wie einen Aufzug, in dem ich auf jeder beliebigen Etage aussteigen konnte und alles gleichzeitig geschah. Der Aufzug fuhr bis zur achten Etage, wo ich Vivaldi fand, der ein gewaltiges Streicherstück geschrieben hatte, das in etwa auf dem gleichen Thema basierte. Dann fuhr ich hinunter in die vierte Etage, wo ich Jimi Hendrix fand, zurück in die neunte Etage für etwas Londoner Clubmusik aus den 1990er Jahren und dann in die fünfte für den Lärm von Kriegsschiffssirenen.« (Michael Gordon)

Wohin haben uns die in der Aufklärung proklamierten Verheißungen des Fortschritts geführt?

Luisa Neubauer »Rede in Es-Dur« & Ludwig van Beethoven »Cavatina«

1977 entwarf die NASA die »Golden Record« für die Raumsonde Voyager: eine Zeitkapsel, die künftigen Raumfahrenden ein Abbild der Erde vermitteln sollte – mit Bildern, Grußworten in 55 Sprachen und Musik verschiedenster Genres, darunter Beethovens Streichquartett-Satz »Cavatina«. Aktivistin und Autorin Luisa Neubauer und das Ensemble Resonanz greifen dieses Projekt auf, um über das Selbstverständnis des Menschen zu reflektieren.

Und jetzt? Wo die Welt umfassend eingenommen ist? Jetzt nehmen wir die Zukunft ein, verschulden uns immer weiter in die Jahrhunderte hinein, verursachen Müll und Verseuchung und Klimakatastrophen für Generationen nach Generationen.

Luisa Neubauer

Sie legt sich mit politischen Entscheidungsträgern an, ist auf Klimastreiks in der ersten Reihe, publiziert Kommentare und Bücher: Die 1996 geborene Hamburgerin Luisa Neubauer, eine der Hauptvertreterinnen von »Fridays for Future« in Deutschland, ist mittlerweile weit über Hamburg hinaus bekannt und eine Größe in der international vernetzten Klimaschutz-Bewegung, die vor allem von den Jungen getragen wird. Differenziert und unermüdlich analysiert sie den oft frustrierenden Klimadiskurs, betont dabei aber immer, dass es noch nicht zu spät sein muss. »Handle, als ob es um alles geht!« schreibt sie in ihrem Buch »Gegen die Ohnmacht«. Dieser absolute Anspruch, gepaart mit einem nicht enden wollenden Optimismus hinsichtlich des Potenzials einer intelligenten Protestbewegung, mobilisiert Menschen über Generationsgrenzen hinweg.

Denn gerade, weil es den Zufall nicht gibt, weil nichts im Universum einfach nur ist, steht die Aufklärung heute wie die große Verräterin im Raum.

Wir wollten das Universum beeindrucken, mit alldem, was wir schon wissen. und dabei liegt die Macht dort, wo wir es eben nicht wissen.

Wir sind alles, was wir haben, und so sind wir auch alles, was wir brauchen.