Waldgespräche

Waldgespräche

Textfassung des Konzertes »Waldgespräche«

1

Waldfinsternis, Waldeinsamkeit, Waldumrauscht….

»Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte. Ich wollte nicht das leben, was nicht Leben war; das Leben ist so kostbar. Auch wollte ich keine Entsagung üben, außer es wurde unumgänglich notwendig. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen, so hart und spartanisch leben, dass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.« (1854)

In the forests and mountains animals don’t leave trash.
People do. Please behave like animals.

2

Waldspaziergänge schützen auch unser Herz-Kreislauf-System. Sind wir im Grünen, schüttet unser Körper vermehrt das Hormon DHEA aus. Es wird in der Nebennierenrinde gebildet und stärkt unser Herz und unsere Gefäße. Bei Stress und mit zunehmendem Alter lässt die DHEA-Produktion im Körper nach, deshalb ist Zeit unter Bäumen neben Seelenbalsam in gewisser Weise auch Jungbrunnen. (2019)

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Im Salon solle man französisch und im Walde deutsch sprechen. (1852)

Bei den Olympischen Spielen 1936 wurden den Gewinnern Ableger deutscher Eichen (Symbole der Standhaftigkeit) überreicht.

»Was schert sich eine alte deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr scheuert?«

1983 wurde das Wort WALDSTERBEN zum ersten Mal in den Duden aufgenommen. Eine Welle existenzieller Angst schwappte über das Land.

Rhythmus löst Erstarrung und lässt Gesellschaft zur Gemeinschaft werden. Es kommt alles darauf an, das Leben und die Dinge in Schwingung zu versetzen. (1921/23)

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Ihr habt die Natur verachtet, also alle tiefen und heiligen Empfindungen vor dem Naturschauspiel. Die Französische Revolution machte Ställe aus den Kathedralen, ihr macht Rennstrecken aus den Domen der Erde. Euer einziges Vergnügen ist es, mit Eisenbahnwagen durch die Kirchenschiffe zu fahren und die Altäre zu verschlingen. Ihr habt eine Eisenbahnbrücke über den Rheinfall von Schaffhausen gespannt, das Steilufer von Luzern bei der Tellskapelle untertunnelt und den Strand von Clarens am Genfer See zerstört. Kein stilles Tal in England, das ihr nicht mit brüllendem Feuer erfüllt, kein Fleckchen englischer Erde, in das ihr nicht Kohlenasche getrampelt hättet. (1870-1880)

Und seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu (Frühes 19. Jahrhundert)

Alles ist vergiftet (2007)

Mein Freund der Baum ist tot. (1968)

Und die Welt hebt an zu singen,

triffst du nur das Zauberwort. (1835)

»Sie nennen die Natur was in ihrem Gesichtskreis oder vielmehr in ihr Gesichtsviereck fällt, denn sie begreifen nur viereckige Sachen, alles andere ist widernatürlich und Schwärmerei…« (1811)

Der Mensch hat während seiner gesamten Geschichte Schönes und gleichzeitig immer auch unerhört Hässliches produziert. Das Beste und das Schlimmste sind offenkundig geprägt durch unser Dasein in der Welt, so wie wir sie errichtet haben, und diese Welt kann gerettet werden, weil das Schönste in uns steckt: Mitleid, Teilung, Mäßigung, Gleichheit, Großzügigkeit, Achtung vor dem Leben in all seinen Formen. Allein diese Schönheit kann unsere Welt retten. Denn sie speist sich aus dem geheimnisvollen Fluidum einer konstruktiven Macht, der nichts gleichkommt und die sich Liebe nennt. (2018)

Texte von Gebrüder Grimm, Henry Thoreau, Unbekannt, Berthold Auerbach, Altes Deutsches Sprichwort, Franz Jung, John Ruskin, Wilhelm Müller, Jan Delay, Joseph Freiherr von Eichendorff, Clemens Brentano und Pierre Rhabi. Textfassung für das resonanzraum Festival 2019 von David-Maria Gramse und Elisa Erkelenz.