Texte »mercy seat – winterreise«

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Mercy Seat

Sie kamen in mein Haus
Und nahmen mich mit
Und brachten mich in den Todestrakt.

Mich, der ich doch unschuldig bin!
Schuldfrei!
Schuldlos!
Frei von Schuld!

Ich wiederhole – ich bin schuldfrei!
Ich bin schuldfrei!
Ich bin fast völlig schuldfrei!

Und ich habe keine Angst zu sterben!

Versteh die Zeichen und entspanne dich!

Die Wände stinken
Wie fauler Boden
Ein kranker Atem, der um mich schleicht
Ein kranker Atem, der nach mir greift
Ein feuchter kranker Hauch,
Der nach meiner Seele greift!
Versteh die Zeichen und entspanne dich!
Die Dinge, die ich fasse,
Eine zerfetzte Tasse,
Eine verdrehte Puppe,
Das Gesicht von Jesus in meiner Suppe
Ein schwarzer Zahn,
Ein roter Frosch
Ein krummer Knochen,
Der aus dem Fressen kroch.

Aber ich bin doch völlig frei von Schuld,
Und habe keine Angst zu sterben.

And the mercy seat is waiting
And I think my head is burning
And in a way I’m yearning
To be done with all this measuring of proof
An eye for an eye
And a tooth for a tooth
And anyway I told the truth

And I’m not afraid to die.

Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh‘ ich wieder aus.
Der Mai war mir gewogen
Mit manchem Blumenstrauß.
Das Mädchen sprach von Liebe,
Die Mutter gar von Eh‘, –
Nun ist die Welt so trübe,
Der Weg gehüllt in Schnee.

Ich kann zu meiner Reisen
Nicht wählen mit der Zeit,
Muß selbst den Weg mir weisen
In dieser Dunkelheit.
Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
Und auf den weißen Matten
Such‘ ich des Wildes Tritt.

Was soll ich länger weilen,
Daß man mich trieb hinaus?
Laß irre Hunde heulen
Vor ihres Herren Haus;
Die Liebe liebt das Wandern –
Gott hat sie so gemacht –
Von einem zu dem andern.
Fein Liebchen, gute Nacht!

Will dich im Traum nicht stören,
Wär schad‘ um deine Ruh‘.
Sollst meinen Tritt nicht hören –
Sacht, sacht die Türe zu!
Schreib im Vorübergehen
Ans Tor dir: Gute Nacht,
Damit du mögest sehen,
An dich hab‘ ich gedacht.

Die Wetterfahne

Der Wind spielt mit der Wetterfahne
Auf meines schönen Liebchens Haus.
Da dacht‘ ich schon in meinem Wahne,
Sie pfiff den armen Flüchtling aus.
Er hätt‘ es eher bemerken sollen,
Des Hauses aufgestecktes Schild,
So hätt‘ er nimmer suchen wollen
Im Haus ein treues Frauenbild.
Der Wind spielt drinnen mit den Herzen
Wie auf dem Dach, nur nicht so laut.
Was fragen sie nach meinen Schmerzen?
Ihr Kind ist eine reiche Braut.

Im Dorfe

Es bellen die Hunde, es rasseln die Ketten;
Es schlafen die Menschen in ihren Betten,
Träumen sich manches, was sie nicht haben,
Tun sich im Guten und Argen erlaben;
Und morgen früh ist alles zerflossen.
Je nun, sie haben ihr Teil genossen
Und hoffen, was sie noch übrig ließen,
Doch wieder zu finden auf ihren Kissen.
Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,
Laßt mich nicht ruh’n in der Schlummerstunde!
Ich bin zu Ende mit allen Träumen.
Was will ich unter den Schläfern säumen?

Linneboom

An Brunnen vor dem Dore
Do steit een Linneboom
Ik drömt in sin Schatten
So manch en söten Drom
Ik snit in sine Rinne
So manch en levet Wort
Es träkt in Früd un Leed Tu em mi immer hen

Gefror’ne Tränen

Gefrorne Tropfen fallen
Von meinen Wangen ab:
Ob es mir denn entgangen,
Daß ich geweinet hab‘?

Ei Tränen, meine Tränen,
Und seid ihr gar so lau,
Daß ihr erstarrt zu Eise
Wie kühler Morgentau?

Und dringt doch aus der Quelle
Der Brust so glühend heiß,
Als wolltet ihr zerschmelzen
Des ganzen Winters Eis!

Erstarrung

Ich such‘ im Schnee vergebens
Nach ihrer Tritte Spur,
Wo sie an meinem Arme
Durchstrich die grüne Flur.

Ich will den Boden küssen,
Durchdringen Eis und Schnee
Mit meinen heißen Tränen,
Bis ich die Erde seh‘.

Wo find‘ ich eine Blüte,
Wo find‘ ich grünes Gras?
Die Blumen sind erstorben,
Der Rasen sieht so blaß.

Soll denn kein Angedenken
Ich nehmen mit von hier?
Wenn meine Schmerzen schweigen,
Wer sagt mir dann von ihr?

Mein Herz ist wie erstorben,
Kalt starrt ihr Bild darin;
Schmilzt je das Herz mir wieder,
Fließt auch ihr Bild dahin!

Auf dem Fluße

Der du so lustig rauschtest,
Du heller, wilder Fluß,
Wie still bist du geworden,
Gibst keinen Scheidegruß.

Mit harter, starrer Rinde
Hast du dich überdeckt,
Liegst kalt und unbeweglich
Im Sande ausgestreckt.

In deine Decke grab‘ ich
Mit einem spitzen Stein
Den Namen meiner Liebsten
Und Stund‘ und Tag hinein:

Den Tag des ersten Grußes,
Den Tag, an dem ich ging;
Um Nam‘ und Zahlen windet
Sich ein zerbroch’ner Ring.

Mein Herz, in diesem Bache
Erkennst du nun dein Bild?
Ob’s unter seiner Rinde
Wohl auch so reißend schwillt?

Rückblick

Es brennt mir unter beiden Sohlen,
Tret‘ ich auch schon auf Eis und Schnee,
Ich möcht‘ nicht wieder Atem holen,
Bis ich nicht mehr die Türme seh‘.

Hab‘ mich an jedem Stein gestoßen,
So eilt‘ ich zu der Stadt hinaus;
Die Krähen warfen Bäll‘ und Schloßen
Auf meinen Hut von jedem Haus.

Wie anders hast du mich empfangen,
Du Stadt der Unbeständigkeit!
An deinen blanken Fenstern sangen
Die Lerch‘ und Nachtigall im Streit.

Die runden Lindenbäume blühten,
Die klaren Rinnen rauschten hell,
Und ach, zwei Mädchenaugen glühten. –
Da war’s gescheh’n um dich, Gesell!

Kommt mir der Tag in die Gedanken,
Möcht‘ ich noch einmal rückwärts seh’n.
Möcht‘ ich zurücke wieder wanken,
Vor ihrem Hause stille steh’n.

Sweetheart Come

Come over here, babe
It ain’t that bad
I don’t claim to understand
The troubles that you’ve had
But the dogs you say they fed you too
Lay their muzzles in your lap
And the lions that they led you too
Lie down and take a nap
Are the ones you fear are wind and air?
And I love you without measure
Seems we can be happy now
Be it better late than never
Sweetheart come, sweetheart come
Sweetheart come, sweetheart come
Sweetheart come, sweetheart come to me.

Irrlicht

In die tiefsten Felsengründe
Lockte mich ein Irrlicht hin;
Wie ich einen Ausgang finde,
Liegt nicht schwer mir in dem Sinn.

Bin gewohnt das Irregehen,
’s führt ja jeder Weg zum Ziel;
Uns’re Freuden, uns’re Wehen,
Alles eines Irrlichts Spiel!

Durch des Bergstroms trockne Rinnen
Wind‘ ich ruhig mich hinab,
Jeder Strom wird’s Meer gewinnen,
Jedes Leiden auch sein Grab.

Einsamkeit

Wie eine trübe Wolke
Durch heit’re Lüfte geht,
Wenn in der Tanne Wipfel
Ein mattes Lüftchen weht:

So zieh ich meine Straße
Dahin mit trägem Fuß,
Durch helles, frohes Leben
Einsam und ohne Gruß.

Ach, daß die Luft so ruhig!
Ach, daß die Welt so licht!
Als noch die Stürme tobten,
War ich so elend nicht.

Wild Roses

They call her The Wild Rose
But her name was Elisa Day
Why they call her so 
I do not know
For her name was Elisa Day

From the first day I saw her I knew she was the one
As she stared in my eyes and smiled
For her lips were the colour of the roses
They grew down the river, all bloody and wild

On the second day I brought her a flower
She was more beautiful than any woman I’d seen
I said, ‚Do you know where the wild roses grow
So sweet and scarlet and free?‘

They call her The Wild Rose
But her name was Elisa Day
Why they call her so
I do not know
For her name was Elisa Day

On the last day I took her to the river
I showed her the roses and we kissed
And the last thing she heard was a muttered word
As I knelt above her with a rock in my fist

On the last day I took her where the wild roses grow
And she lay on the bank, the wind light as a thief
As I kissed her goodbye, I said, ‚All beauty must die‘
And lent down and planted a rose between her teeth

Die Krähe

Eine Krähe war mit mir
Aus der Stadt gezogen,
Ist bis heute für und für
Um mein Haupt geflogen.

Krähe, wunderliches Tier,
Willst mich nicht verlassen?
Meinst wohl, bald als Beute hier
Meinen Leib zu fassen ?

Nun, es wird nicht weit mehr geh’n
An dem Wanderstabe.
Krähe, laß mich endlich seh’n
Treue bis zum Grabe!

Wirtshaus

Auf einen Totenacker
Hat mich mein Weg gebracht;
Allhier will ich einkehren,
Hab ich bei mir gedacht.

Ihr grünen Totenkränze
Könnt wohl die Zeichen sein,
Die müde Wand’rer laden
Ins kühle Wirtshaus ein.

Sind denn in diesem Hause
Die Kammern all‘ besetzt?
Bin matt zum Niedersinken,
Bin tödlich schwer verletzt.

O unbarmherz’ge Schenke,
Doch weisest du mich ab?
Nun weiter denn, nur weiter,
Mein treuer Wanderstab !

Wegweiser

Was vermeid‘ ich denn die Wege,
Wo die ander’n Wand’rer geh’n,
Suche mir versteckte Stege,
Durch verschneite Felsenhöh’n?

Habe ja doch nichts begangen,
Daß ich Menschen sollte scheu’n, –
Welch ein törichtes Verlangen
Treibt mich in die Wüstenei’n?

Weiser stehen auf den Straßen,
Weisen auf die Städte zu.
Und ich wandre sonder Maßen
Ohne Ruh‘ und suche Ruh‘.

Einen Weiser seh‘ ich stehen
Unverrückt vor meinem Blick;
Eine Straße muß ich gehen,
Die noch keiner ging zurück.

Die Nebensonnen

Drei Sonnen sah ich am Himmel steh’n,
Hab‘ lang und fest sie angeseh’n;
Und sie auch standen da so stier,
Als wollten sie nicht weg von mir.

Ach, meine Sonnen seid ihr nicht!
Schaut ander’n doch ins Angesicht!
Ja, neulich hatt‘ ich auch wohl drei;
Nun sind hinab die besten zwei.

Ging nur die dritt‘ erst hinterdrein!
Im Dunkel wird mir wohler sein.