resolab »epiphany«

Unser Blog zum Konzert

 

Diese Plattform bietet euch die Möglichkeit, sich vorab und im Nachhinein mit dem Resonanzen-Konzert »epiphany« auseinanderzusetzen und tiefer in das Konzertthema einzusteigen. Die neue Resonanzen-Saison des Ensemble Resonanz ist eine Reise »Into the Unknown«. Das vollständige Konzertprogramm eröffnet sich erst im Konzert selbst. Jeder Abend erzählt eine Geschichte über unsere Begegnung mit dem Fremden und Unvertrauten. Vom Weltall und vom Glauben, von unendlichem Fortschritt und unerklärlicher Anziehung. Taucht ein in das Unbekannte und begleitet uns auf unserer Reise.

eine Besucherin

 

»Gerade komme ich von EPIPHANY nach Hause. Es war großartig. Ich verstehe nicht viel von Musik, aber die Kompositionen, die wunderschönen Stimmen und die fantastischen Musiker haben mich tief berührt und beseelt, verstört und verzaubert, zumal die Dramaturgie sie so fantastisch ineinander fließen, stoppen, emporschwellen und auf tausende weitere Arten überraschen ließ.«

Jann Wilken
Jann Wilken
Jann Wilken
Jann Wilken
Jann Wilken
Jann Wilken

Musik plus Metaebene - typisch Ensemble Resonanz!

 

Daniel Kaiser war bei unserem Konzert in der Laeiszhalle dabei und ihr könnt seinen Bericht bei NDR 90,3 hier nachhören.

into the unknown

von Oya Erdoğan

 

Das Geheimnis offenbare sich dem Suchenden, so heißt es in der Lehre der Xenophilie, der Liebe zum Nicht-Gekannten, Fremden, Unvertrauten. Solches Prinzip wohne der Schöpfung inne, dem kosmischen Freund, der fremde Welten erschafft, um sie zu erkunden. Und wie das erste Schöpfungsprinzip der Urklang, so ist der erste der Sinne der Hörsinn und Zuhören der Schlüssel zu Erkenntnis und tieferem Verstehen. Während der Klang seinen Gang vollendet, schenkt sich das Eigene dem Fremden, und das Fremde erinnert, was von je her das Eigene war. Eine Einladung in die Klangräume des Unbekannten: den alten und neuen Erzählungen des Seins. 

epiphany

 

Tausend irdische Sternbilder blinken nachts zu himmlischen hinauf. Und doch träumen wir von der Zeit, als ein Leuchten am Himmel die Menschen erschreckte. Von einer Stimme, die befahl, ruhig zu bleiben und sich nicht zu fürchten. Ob Musik zu solcher Offenbarung fähig ist? 

Programmheft

 

Das Programmheft als PDF zum

 

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Franz Schubert: Messe in G-Dur D 167

von Hartmut Welscher

 

Schubert, der heitere Ministrant reinen Gemüts, der gemütliche Biedermeier in der Gartenlaube, Kosename »Schwammerl«, ein Leben wie ein Poesiealbumspruch. Zu schüchtern, um die Frauen zu erobern, dafür aber von der Muse geküsst, »Gott hatte ihn lieb«... halt, falscher Film, nochmal von vorne. Schubert, der Byronsche Melancholiker, der Werthersche Sucher, dunkel und todesnah. Ein Mann des Volkes, aufbegehrend gegen das Herrschaftssystem. Der müde, depressive Wanderer, unterdrückt von der Zeit, gepeinigt von der Syphillis. Wenige Komponisten haben innerhalb eines Jahrhunderts eine ähnlich krasse Rezeptionsmetamorphose durchlaufen wie Schubert. Je unbekannter die historische Person, viele Zeugnisse liegen nur in Bruchstücken oder fragwürdigen Anekdoten vor, desto mehr schießt die Spekulation ins Kraut und die Projektion übernimmt das Kommando. Auf der einen Seite ist da zum Beispiel Rudolf Hans Bartschs Kitsch-Roman Schwammerl (1912), 250.000mal verkauft, und der darauf basierende Operettenhit Das Dreimädlerhaus (1916) von Heinrich Berté, der 1958 mit Karlheinz Böhm als Schubert verfilmt wurde. Auf der anderen Seite die TV-Trilogie Mit meinen heißen Tränen (1986) von Fritz Lehner, der einige Stationen aus Schuberts letzten fünf Lebensjahren verfilmt. Schubert, gespielt von Udo Samel, krank geworden von der Syphillis und dem morbiden biedermeierlichen Idyll um ihn herum, schweigsam, voller Selbstekel, isoliert und unverstanden von seiner Umgebung. »Wer nie sein Brot mit Tränen aß«.

Ein Leben am Rande.

 

Heute gibt es wenige Komponisten, die gleichermaßen verehrt werden von Hörern, Interpreten und Komponistenkollegen. Beethoven ist der dämonische Titan, Mozart der geniale Charmeur, Wagner der Überwältiger, Mahler der Exhibitionist. Bach steht auf dem heiligen Sockel. Schubert aber ist ganz nah dran an uns. »Er ist derjenige, den du hören willst, wenn du stirbst.« sagt die Pianistin Mitsuko Uchida. Und der Bariton Matthias Goerne meint: »Mit Schubert können Sie den ganzen Menschen erklären, in all seinen Facetten, Sehnsüchten, Ängsten und Fehlern.« Auch unter zeitgenössischen Komponisten gibt es wenige, die sich nicht zu seinem Anwalt machen und gegen die Musikgeschichte in Schutz nehmen wollen. Franz Schubert, dem im Leben niemand mehr helfen konnte. Diese Verehrung hat viel mit dem Lied zu tun, dieser intimen und privaten Kunstform, in der Schubert seine Sprache fand, mithilfe derer er der Existenz mit offenem Visier in den Schlund schaut. Ob in der tiefen Versenkung in den Mond oder beim Angesicht eines Leiermanns, das Schubertsche Lied schaut von dort irgendwann auch zurück in uns. Das ist dann bedrohlich oder befreiend, je nachdem. Schubert ist gerade 18, als er seine Messe in G-Dur komponiert, laut Autographeninschrift innerhalb einer Woche, vom 2. bis 7. März 1815. Er wohnt zu dieser Zeit wieder bei seinen Eltern in Himmelpfortengrund, wo er als Schulgehilfe seines Vaters arbeitet. Gerade war er in den Linzer Bildungskreis aufgenommen worden, eine Art Lesezirkel junger Künstler verschiedener Provenienz, darunter einige seiner engsten Freunde. Man traf sich, um in Lesungen und ästhetischen Debatten dem Goetheschen Ideal der Selbstvervollkommnung in der Bildung nachzueifern. Im Oktober 2013 hat er seine 1. Sinfonie vollendet, vor sechs Monaten ist mit seiner Messe in F-Dur das erste Mal eines seiner Werke öffentlich aufgeführt worden. Es bekräftigt seinen Entschluss, eine Komponistenexistenz zu führen. Vor allem aber hat er mit einem seiner Lieder gerade so etwas wie seinen kompositorischen Durchbruch geschafft. Das Lied Gretchen am Spinnrade schreibt er 1814 für seine Jugendfreundin Therese Grob, drei Tage nachdem diese das Sopransolo in seiner ersten Messe gesungen hat. Es vertont eine Szene aus Goethes Faust. Gretchen sitzt am Spinnrad und sinnt mit nervöser Hingabe über ihre Leidenschaft für Faust nach, die nur im ersehnten Tod enden kann. Ein Jahr später folgt dann der Erlkönig. In beiden lotet Schubert psychologische Grenzerfahrungen aus: den sexuellen Sog im Gretchen, die ödipale Verwicklung im Erlkönig (der Komponist Georg Friedrich Haas erkennt darin eine Vergewaltigungstat). Schubert findet dafür eine musikalische Sprache, »die so kraftvoll ist, dass sie die Gedichte ganz durchdringt, sie sich anverwandt und sie in einer Weise umfängt, die, einmal gehört, schwer wieder wegzudenken sind«, wie der englische Tenor Ian Bostridge in seinem großartigen Buch zur Winterreise schreibt. Musik und Dichtung verschmelzen zu einem höheren Dritten, man liest das Gedicht wieder, ohne die Musik, und fühlt sich beraubt.

 

Auf den ersten Blick hat die G-Dur Messe wenig gemeinsam mit dem Schubert der Lieder, von denen er alleine im Jahr 1815, das oft als sein annus mirabilis bezeichnet wird, über 140 schrieb. Eine schlichte, konventionell gehaltene Missa Brevis, gedacht für die sonntägliche Messe, weitgehend einstimmig, ohne repetitiven Text. Vielleicht war es ein Auftragswerk, angepasst an die Aufführungskapazitäten seiner Lichtentaler Kirchengemeinde, wo vermutlich die Uraufführung stattfand. Geistliche Musik durfte damals nicht außerhalb der Kirche aufgeführt werden. Die Gemeinde als Hörerschaft und der lateinische Messetext schränken die Möglichkeiten eines allzu individualistischen Selbstausdrucks zusätzlich ein. Das zentrale lautmalerische Element seiner Lieder, die Leier des Leiermanns, das Bellen der Hunde, das Murmeln des Brunnens, das Rauschen des Lindenbaums, die durch das Mühlrad polternden Steinen, fallen aus. Trotzdem bildet der liedhafte Charakter eine Verbindungslinie zwischen den Kompositionen Schuberts zu der Zeit. In der Melodie findet Schubert die Unmittelbarkeit, die er für das Komponieren braucht, sie läuft der Polyphonie (noch) den Rang ab. Die kurzen Kontrapunkte im Osanna der G-Dur Messe sind vielleicht die konventionellsten und am wenigsten originellen Teile. Das Agnus Dei hingegen klingt in seiner melodischen Entwicklung wie ein typisch Schubertscher Liedsatz. Nur dass es hier nicht um emotionale Grenzerfahrung geht, sondern um die Affirmation einer optimistischen, lyrischen Religiösität, das Hervorrufen einer andächtigen Stimmung.

 

Es ist viel darüber gestritten worden, warum Schubert hier wie auch in anderen lateinischen Messen zentrale theologische Aussagen des liturgischen Textes wegließ: Die Auferstehung der Toten, die Allmacht Gottes, die Jungfrauengeburt, den Alleinvertretungsanspruch der katholischen Kirche. Einige Musikwissenschaftler erklärten es mit einem bloßen Versehen oder fehlender Textkenntnis. Allerdings wuchs Schubert in einem streng katholischen Elternhaus auf und sang schon als Achtjähriger im Chor der Lichtentaler Pfarrkirche und später bei den Wiener Hofsängerknaben viele geistliche Werke. Plausibler scheint, dass er zwar in seinen Werken alle Felder religiöser Empfindsamkeit, vom Pantheismus bis zur gottgleichen Erhöhung der Liebe, erkundete, ihm das Dogmatische der katholischen Kirche, das nur mehr Repräsentierte, die verstellte Präsenz im Glauben ein Graus war. 1818 zieht Schubert aus dem Elternhaus aus und mit seinem Freund, dem Dichter Johann Mayrhofer zusammen in eine Wohngemeinschaft. Die Reihe der frühen kirchenmusikalischen Werke reißt damit abrupt ab. Es folgt ein Bruch mit der Amtskirche. Am 29. Oktober 1818 schreibt er an seinen Bruder Ignaz: »Der unversöhnliche Hass gegen das Bonzengeschlecht macht Dir Ehre. Doch hast Du keinen Begriff von den hiesigen Pfaffen, bigottisch wie ein altes Mistvieh, dumm wie ein Erzesel, u. roh wie ein Büffel.« 

Mosaik Touri

Frank Martin: Cantate pour le temps de Noël

von Hartmut Welscher

 

Es ist 2007, das alljährliche Weihnachtskonzert des Rundfunkchores im Berliner Dom, Samstag, der 22. Dezember. Auf dem Programm stehen Arvo Pärts Sieben Magnificat-Antiphonen und Frank Martins Cantate pour le temps de Noël, die ich bis dahin noch nie gehört hatte. Der Weg zum Dom könnte am Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz vorbeigeführt haben, dessen Attraktionen das »Partyhaus vom Nikolaus« und Europas größte Erzgebirgspyramide sind. Sehr wahrscheinlich musste ich mich durch Menschenmengen drängen, die zwei Tage vor Weihnachten letzte Geschenkekäufe tätigten. Vermutlich habe ich dabei festgestellt, selbst geschenkemäßig noch nicht richtig vorbereitet, geschweige denn »in Weihnachtsstimmung« zu sein. Vielleicht war die Anreise zum Konzertort ein musikalischer Spießrutenlauf, Jingle Bells im Bossa Nova, Last Christmas und frierende Posaunenchöre, die Vom Himmel Hoch spielen. Ein Soundtrack, der an jenem vorweihnachtlichen Samstag schon seit zwei Monaten in den Ohren festhängt, vorausgesetzt man hat am öffentlichen Leben teilgenommen und sich nicht Ende Oktober zu Hause eingeschlossen, das Radio abgeschaltet und die Fenster doppelt verstärkt. Vielleicht haben Sie ja heute Abend eine ähnliche Fahrt hinter sich.

 

So gestimmt saß ich in der Kirchenbank des Doms und hörte das erste Mal Frank Martins Weihnachtskantate. Ich erinnere mich sehr genau an das Bild, das sich damals beim Hören einstellte: Es schien, als leerte sich nach und nach der Kirchenraum. Die Standbilder verschwanden lautlos, die Reliefs zogen sich glatt, die vorgeschobenen Pilaster verschmolzen. Alle eitle Pracht fand sich auf einmal selbst lächerlich und zog unverdrossen ab. Zurück blieb eine Essenz des Raumes, der nicht leer war, sondern ganz bei sich. Bald klarte sich auch mein vorweihnachtlich vollgesogenes Inneres auf. Die eigene Gestimmtheit und die Resonanz des Ortes bestimmen die Musikerfahrung. Aber wenn ich die Cantate pour le temps de Noël jetzt 9 Jahre danach wieder höre (es gibt von der Kantate nur eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 2006), dann merke ich, dass die Erfahrung von damals eine Entsprechung in der Architektur der Musik findet, die losgelöst ist von Raum, Zeit und Kontext. Da ist die schlichte Kraft der Kirchentonarten, der weisen Mystik des gregorianischen Psalmengesanges, derer Martin sein melodisches Material entleiht. Diatonisch moll, pentatonisch, die »starken Intervalle«, die gut zu singen sind: große Sekunde, kleine Terz, die Quarte aufwärts. Da ist der fortschreitende harmonische Fluss, den Martin später »gleitende Modalität« nennt. Schnelle Passagen in den Stimmen verlaufen nach dem traditionellen kontrapunktischen Muster: Sie haben eine Richtung, gehen aber langsam dahin. Die Teile enden oft in einer anderen Tonart, in der sie angefangen haben. Ein Bewusstseinsstrom, ein 24 teiliges liturgisches Ritual, zusammengehalten von Orgelpunkten oder Ostinato-Elementen. Da ist die »alte« Instrumentierung: Orgel, Cembalo, geteilte Streicher ergänzt durch zwei Viole da Gamba. Hinein setzt er Leittöne in den Chören oder Rezitativen des Engels (ein Knabensopran), die als chromatische Abwechslung zu den Kirchentonarten wirken. Dissonanzen werden auf starke Schläge gesetzt, was man zu Zeiten Palästrinas nie gemacht hätte. Er baut kurze Kontrapunkte auf, zum Beispiel eine Passacaglia im 17. Satz, lässt sie dann aber enden, bevor die komplette Form durchlaufen ist. Es klingt wie eine Renaissancemesse, die durch die Jahrhunderte weht und dabei zeitlos geworden ist. Wer hat sie in die Welt gesetzt? 

Mosaik
die Mosaike in Ravenna

 

Frank Martin wird 1890 in Genf geboren, als zehntes und letztes Kind hugenottischer Franzosen. Sein Vater ist ein kalvinistischer Pfarrer und Präsident des Blauen Kreuzes. Am Wochenende werden Genfer Psalmen gesungen, der jüngste Sohn begleitet vom Harmonium. Seine Eltern schätzen Musik zur spirituellen Erbauung, eine taugliche berufliche Perspektive biete sie ihm aber nicht. Sie drängen ihn zu einem naturwissenschaftlichen Studium an der Genfer Universität, das er nach zwei Jahren abbricht. Parallel nimmt er Kompositionsunterricht, lebt nach dem Ersten Weltkrieg 1918 bis 1926 in Zürich, Rom und Paris, wo er das Musikleben aufsaugt, ohne je zu einer der dortigen Komponistenzirkel dazuzugehören. Martin schreibt die Weihnachtskantate in den Jahren 1929/30. Einige Jahre zuvor hatte ihn auf einer Italienreise die byzantinische Kunst in Ravenna beeindruckt. »Es war wie eine Offenbarung für mich, ein tiefgehendes Erlebnis. Darauf begann ich die Komposition eines großen, mehrteiligen Werkes über die Geburt Christi. Inspiriert durch die italienischen Altäre, plante ich es als eine Art Polyptychon anzulegen.« sagt er in einem Interview. 

 

Die Weihnachtskantate bleibt zunächst unvollendet, titellos und unveröffentlicht. Seine Frau Maria Martin führt im Vorwort zum Erstdruck der Partitur einen Grund an: der mit Martin befreundete Schweizer Dirigent Ernest Ansermet habe ihm nach Durchsicht der Entwürfe 1930 gesagt: »Etwas derartiges brauchen wir im Moment nicht.« Dazu kommt Martins eigenes Unbehagen mit seiner frühen Sakralmusik. Sie sei eine »Sa- che zwischen Gott und mir« gewesen, erklärt er später. Diese intime Zwiesprache unter seinem Namen aufgeführt zu sehen, habe ihm unwillkürlich ein Schamgefühl bereitet. Wenn überhaupt solle sie anonym aufgeführt werden, als Teil der Liturgie. Martin bewahrt das Manuskript der Weihnachtskantate zunächst in der Schublade auf, wie auch seine 1922 geschriebene Messe für 2 vierstimmige Chöre. 1944 verwendet er den Eingangschor (Consolez, consolez mon peuple) für den zweiten Teil seines Oratoriums In terra pax. Im Frühjahr 1993 bittet der Dirigent Alois Koch, damals Direktor der Luzerner Musikakademie, bei Maria Martin um Einsicht in das Manuskript. Sie finden 38 Minuten fertig orchestrierte Musik vor, wenn auch ohne Angabe von Tempi oder Dynamik. Der erste Teil ist mit einer Dauer von 25 Minuten komplett, der Zweite, der ungefähr gleich lang werden sollte, nur etwa zur Hälfte fertig. Das Fragment endet mit einem Rezitativ des kleinen Frauenchores. Um das Stück in sich stimmig aufzuführen, entscheidet sich Maria Martin, den in der Mitte des ersten Teils stehenden Psalm 113 (Louez l’Eternel, louez-le!) als Schlusschor zu verwenden. Zwanzig Jahre nach Martins Tod, wird die Cantate pour le temps de Noël, wie Maria Martin sie betitelt, am 4. Dezember 1994 in der Jesuitenkirche Luzern unter der Leitung von Alois Koch uraufgeführt.

 

Anfang der 1930er wird Martins Musik reicher. Er wendet sich vom streng modalen Komponieren ab und Schönberg zu, experimentiert mit Zwölftonreihen. Martin findet dort eine Erweiterung des eigenen melodischen und harmonischen Materials, aber die tonale Basis seiner Musik bleibt bestehen. Die dogmatische Fixierung auf eine Zwölftonreihe empfindet er als Fehlentwicklung, da sie die Hierarchie zwischen Tönen ruiniere. Frank Martin fällt damit zunächst aus der Zeit. Seine Lebensspanne, er stirbt 1974, ist voller musikalischer Eruptionen. Die Emanzipation der Dissonanz, Serialität, die Entwicklung der elektronischen Musik, neue Spielweisen und Instrumente, grafische Notation. Eine Zeit, in der die Avantgarde Schönheit und Tonalität dem Verdacht der Rückschrittlichkeit aussetzt. Martin lebt meistens weit ab von deren Hot Spots (und einmal ganz nah dran: an der Kölner Musikhochschule, wo er von 1950 bis 1957 unterrichtet, gehört Karlheinz Stockhausen für kurze Zeit zu seinen Schülern). »Ein Außenseiter der neuen Musik« heißt der Titel einer ersten Biographie (1970) über ihn. In einem Aufsatz Nécessité d’une musique contemporaine (1942, dt. Die Notwendigkeit einer zeitgenössischen Musik) fragt er sich, warum zeitgenössische Komponisten so sehr auf dem Charakter von Wildheit und Grimmigkeit bestünden, wo dies doch so oft auf Kosten der Schönheit gehe. Die meisten Komponisten gerieten in eine der beiden Fallen: entweder Originalität um jeden Preis, oder ein lähmender Kult der Banalität. Die Haltung eines Komponisten müsse aber sein, entsprechend seines wahren Geschmacks zu komponieren, das, was man aufrichtig liebe. »Wenige tun dies, und anders als man vielleicht annehmen würde, ist dies in Wahrheit die schwierigste Sache der Welt. Es erfordert Mut, weil ein Trend eine mächtige und verführerische Geliebte sein kann. Viele, die sich als unabhängig bezeichnen würden, dienen ihr trotzdem.«

 

Der Aufsatz liest sich 75 Jahre später fast wie ein programmatischer Text des 21. Jahrhunderts. Heute, wo die Neugierde oft über die ideologische Verklemmtheit siegt und viele Grabenkämpfe sich weitgehend in einem stilistischen Pluralismus aufgelöst haben, ist Martin kein musikhistorischer Problemfall mehr, sondern gehört zur klassischen Moderne – und zu den großen religiösen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine unverwechselbare Musiksprache hat die letzten zwanzig Jahre eine Renaissance erlebt, seine Hauptwerke, die Oratorien Le Vin herbé, Martins Version von Tristan und Isolde, Golgatha, eine Tonsetzung der Matthäus-Passion und Le Mystère de la Nativité, sein Weihnachtsoratorium, werden an großen Häusern aufgeführt. Es müsse doch möglich sein, die Gegensätze von Schönheit und heiterer Klarheit auf der einen, und grimmiger Originalität auf der anderen Seite zu überwinden und damit die Hörer zu erreichen, schreibt er in obigem Aufsatz. Es scheint als habe Martin nicht nur in der Musik, sondern auch im Leben einen glücklichmachenden mittleren Weg gefunden. Auf der Website der Frank- Martin-Stiftung findet man Fotos: Das reetgedeckte Landhaus im holländischen Naarden, wo er von 1956 bis zu seinem Tod 1974 lebte, der Komponist beim Gärtnern, beim Bemalen von Ostereiern und beim Buddeln im Sandstrand mit seinen Kindern. Ein selbstgebauter Lenkdrachen und das Modell einer romanischen Kirche für seine Kinder, der Komponist im Gespräch mit seinem Collie Duke. Ein großgewachsener, asketisch wirkender Herr, der so klar und still und freundlich blickt wie dies auch seine Musik vermag. Eine Musik, die die Sinne schärft statt sie zu betäuben. Nicht das schlechteste für die Vorweihnachtszeit. 

 

Werktext:

 

Franz Schubert

Messe in G, D 167

 

Kyrie

Kyrie eleison.

Christe eleison.

Kyrie eleison.

 

Gloria

Gloria in excelsis Deo.


Et in terra pax hominibus

bonae voluntatis.


Laudamus te, benedicimus te,

Adoramus te,

glorificamus te, adoramus te.

Gratias agimus tibi


propter magnam gloriam tuam.

Domine Deus, Rex coelestis,

Deus, Pater omnipotens.

Domine Fili unigenite,

Jesu Christe.


Domine Deus, Agnus Dei,

Filius Patris.


Qui tollis pecata mundi,

 

Miserere nobis.


Suscipe deprecationem nostram,

Miserere nobis.


Quoniam tu solus sanctus,

quoniam tu solus Altissimus,

quoniam tu solus Dominus.

Cum Sancto Spiritu

in gloria Dei Patris,

Amen. 

 

Credo

Credo in unum Deum,

Patrem omnipotentem,

factorem coeli et terrae,

visibilium omnibum,

et invisibilium,


In unum Dominum Jesum Christum, Filium Dei unigenitum,


ex Patre natum. Ante omnia saecula. Deum de Deo, lumen de lumine,

Deum verum de Deo vero. Genitum, non factum:

Consubstantialem Patri:


Per quem imnia facta sunt.

Qui propter nos homines,

et nostram salutem

descendit de coelis.

Et incarnatus est

de Spiritu Sancto

ex Maria Virgine:

Et homo factus est.

 

Crucifixus etiam pro nobis:

sub Pontio Pilato

passus et sepultus est.

Et resurexit

tertia die,

secundum Scripturas.


Et ascendit in coelum:

Sedet ad dexteram Patris.

Et iterum venturus est

cum gloria,


judicare vivos et mortuos:

cujus regni nun erit finis.

 

Credo in Spiritum Sanctum,

Dominum, et vivificantem

qui ex Patre et Filio

procedit.

Qui cum Patre et Filio,

simul adoratur,

conglorificatur:

qui locutus est

per Prophetas.

Confiteor unumbaptisma

in reminissionem peccatorum,

mortuorum.


Et vitam venturi saeculi.

Amen.

 

Sanctus

Sanctus Dominus Deus Sabaoth.

Pleni sunt coeli et terra

gloria tua.

Osanna in excelsis.

 

Benedictus

Benedictus qui venit

in nomine Domini.

Osanna in excelsis.

 

Agnus Dei

Agnus Dei,


qui tollis peccata mundi:

miserere nobis.

Agnus Dei,

qui tollis peccata mundi:

dona nobis pacem.

 

 

 

 

 

Deutsche Übersetzung:


Kyrie

Herr, erbarme dich.

Christus, erbarme dich.

Herr, erbarme dich.

 

Gloria

Ehre sei Gott in der Höhe.


Und Friede auf Erden den Menschen,

die guten Willens sind.


Wir loben dich, wir preisen dich,

Wir beten dich an,

wir verherrlichen dich.


Wir sagen dir Dank

ob deiner großen Herrlichkeit.


Herr und Gott, König des Himmels,

Gott, allmächtiger Vater.

Eingeborener Sohn,

Herr Jesus Christus.


Herr und Gott, Lamm Gottes,

Sohn des Vaters.


Der du die Sünden der Welt

hinwegnimmst,

erbarme dich unser.


Nimm unser Flehen gnädig auf,

erbarme dich unser.


Denn du allein bist der Heilige,

du allein bist der Höchste,

du allein bist der Herr.

Mit dem Heiligen Geiste

in der Herrlichkeit,

Amen.

 

Credo

Ich glaube an den einen Gott,

den allmächtigen Vater,

Schöpfer des Himmels und der Erde, Aller sichtbaren

und unsichtbaren Dinge,


An den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn,


Aus dem Vater geboren. Vor aller Zeit. Gott von Gott, Licht vom Lichte,

wahrer Gott vom wahren Gott. Gezeugt, nicht geschaffen:


Eines Wesen mit dem Vater:

durch den alles geschaffen ist.

Er ist für uns Menschen,


und um unseres Heiles Willen v   om Himmel herabgestiegen.

Und er hat Fleisch angenommen

durch den Heiligen Geist


aus der Jungfrau Maria:

Und er ist Mensch geworden.

 

Gekreuzigt wurde er sogar für uns:

unter Pontius Pilatus ist er gestorben und begraben worden.

Und er ist auferstanden

am dritten Tage,

gemäß der Schrift.


Er ist aufgefahren in den Himmel:

Er sitzt zur Rechten Gottes.


Er wird wiederkommen

mit Herrlichkeit,


zu richten die Lebenden und die Toten: und sein Reich wird kein Ende haben.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

den Herrn und Lebensspender,

der vom Vater und vom Sohne ausgeht.

Der mit dem Vater und dem Sohne, zugleich angebetet und

verherrlicht wird,

der gesprochen hat

durch die Propheten.

Ich bekenne eine Taufe

zur Vergebung der Sünden,

der Toten.


Und das Leben der zukünftigen Welt.

Amen.

 

Sanctus

Heilig, Herr, Gott der Heerscharen. Himmel und Erde sind erfüllt von

deiner Herrlichkeit.

Hosanna in der Höhe.

 

Benedictus

Gelobt sei der da kommt

im Namen des Herrn.

Hosanna in der Höhe.

 

Agnus Dei

Lamm Gottes,


der du trägst die Sünden der Welt:

Erbarme dich unser.

Lamm Gottes,

der du trägst die Sünden der Welt: Gib uns Frieden.

 

 

MUTTERTASK, MYTHEN, EINE ART TANK

von Uljana Wolf

Gedicht echt NEU

Zusatz

von Jane Flow

 

Das Gedicht erforscht eine der alltäglichsten und zugleich fremdartigsten Erscheinungen unseres Lebens, eine Ankunft, die ersten Wochen im Leben eines Babys, Säuglings, infants bzw. einer infantin. Jedem Beobachter wird klar, dass sie, obwohl wir schon unser Bild in ihnen suchen, noch nicht von dieser Welt sind, noch nicht gelandet – ihre Bewegungen sind noch wie im Wasser, ihr Blick schweift an uns vorbei durch die Luft, der Volksmund sagt, sie reden noch mit den Engeln. Das Gedicht sucht tastend und murmelnd (engl: to mutter) eine Sprache für diese winzigen Epiphanien und zugleich für sein eigenes Versunkensein: versunken sowohl in die Betrachtung als auch in den desorientierenden neuen Zustand des permanenten parentalen Wachseins. Die Nacht wird ein Aquarium, eine art tank, gefüllt mit Stillmilch, Fragen, Staunen. An den Zeilen, die selbst wie Kämme auf der weißen Seite stehen, bleiben konkrete Bilder hängen: Haarsträhnen der Mutter, Lichter am Nachthimmel, die überraschend scharfen, rasend schnell wachsenden Fingernägel von Säuglingen.

Werktext:

 

Frank Martin (1890–1974)

Kantate für die Weihnachtszeit

Erster Teil: Advent I Das Versprechen

 

1. Chor

Spendet Trost, spendet Trost dem Volke, spricht euer Gott.


Freude schenket Jerusalem.


Und kündet allen laut,
 dass die Zeit der Kriege ist erfüllt, dass all’ ihre Untat ist vergeben, denn sie erhielt aus der Hand des Herrn


die zwiefache Strafe ihrer Schuld.

Ein Ruf erschallt:


Unserem Gott in der Wüste bereitet einen Weg, in der Wildnis ebnet die Straße
 für die Ankunft unseres Herrn!

Erhebet die Senken aller Täler,

erniedrigt die Gipfel der hohen Berge, ebnet die Hügel gleich einer Straße und durch enge Schluchten führt einen Weg.

Als dann wird überall die Macht des Ewigen sich kundtun und allem Volk wird offenbar zu der Zeit. Denn wir hörten alsdann sein göttliches Wort.

Sagt eine Stimme: Rufe!


Er aber fragt: Was soll ich rufen?

Denn alles Fleisch ist wie das Gras. Und alle Schönheit welkt wie Blumen auf dem Feld.

Halme brechen, Blumen welken,

wenn die Stürme des Ewigen

über sie wehen.
 Wahrlich das Volk ist wie die Blume. Doch in Ewigkeit währet Gottes

mächtiges Wort!

 

2. Rezitativ

Zur Zeit Herodes,


des König der Juden,

war da ein Priester im Tempel des Herrn, genannt Zacharias, und seine Frau nannte sich Elisabeth.

Und sie waren beide gerecht

vor Gott. Doch hatten sie kein Kind,
 weil Elisabeth unfruchtbar war
 und beide waren hoch betagt.
 Derzeit versah Zacharias die Riten des Amtes vor Gott.


Und das Los fiel auf ihn,
 dass er den Tempel betrete,
 um da zu opfern mit Räucherwerk.

Und eine große Menge des Volkes wartete betend da,


auf das heilige Werk.


Und ein Engel vom Himmel

erschien ihm,
 mächtig erhoben zur Rechten des Rauchaltars.

Zacharias erschrak sehr und es ergriff ihn die Furcht.

Der Engel aber sprach:

 

3. Arie (Engel)

Zacharias, hab’ keine Furcht:

Dein Gebet ist erhört.

Elisabeth, deine Frau

wird dir einen Sohn gebären

mit Namen Johannes.

Er wird sein deine Freude und

dein Glück. Und gar viele freuen sich über sein Erscheinen.

Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Und niemals wird er Wein trinken, niemals berauschende Getränke.
 Und von Geburt an wird er sein erfüllt vom Heiligen Geist. Er wird heimführen

zu Gott dem Herrn

die Kinder Israel.
 Und er wird vorausgeh’n vor Gott im Geist


und in der Kraft des Elias.


Und er wird werden zu den Kindern das Herz der Väter,


und er wird bekehren Verstockte

zur Weisheit des Rechts.

Und er wird seinem Gott bereiten ein Volk mit offenem Herz.

 

4. Rezitativ

Zacharias sprach zu dem Engel:

„Woran soll ich sehen die Wahrheit dessen,
 wovon du sprichst? Denn ich bin alt und meine Frau ist betagt wie ich.“

Der Engel sprach zu ihm:

 

5. Arie (Engel)

Ich bin Gabriel.


Ich stehe vor Gott.

Ich bin ausgesandt zu dir zu sprechen und dir zu kündigen

die gute Nachricht. Doch du sollst werden stumm bis zu dem Tag,


an dem dies geschehen wird,

denn du hast nicht geglaubt, was ich zu dir gesagt und was sich bald erfüllt zu seiner Zeit.

 

6. Chor: Psalm 113

Gelobt sei der Herr, lobet ihn!


Ihr Diener all’ des Ewigen,


lobsingt dem Namen unseres Herrn. Gelobt sei der Name unseres Herrn von nun an bis in Ewigkeit. Von der Sonne Aufgang

bis zu ihrem Untergang,
 sei gelobt der Name des Ewigen.

Denn Gott der Herr ist hoch erhaben über alle Nationen.


Wer ist vergleichbar unserem Gott, der da thronet in der Höh?


Und er richtet seinen Blick auf den Himmel und auf die Erde.


Er tröstet die Betrübten und verleihet Fruchtbarkeit der Frau, die unfruchtbar.

Gelobet sei der Herr,

sein Ruhm ist über dem Himmel, gelobt sei der Herr!

7. Rezitativ

Und im sechsten Monat sandte Gott den Engel Gabriel in eine Stadt in Galilea, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Mann aus dem Hause David, genannt


Joseph, und ihr Name war Maria.

Und als er eintrat zu ihr in die Kammer,
 sprach der Engel:


Sei gegrüßet, die du erfahren hast so viel Gnade,
 der Herr ist mit dir.
 Du bist benedeit unter den Frauen. Bei des Engels Anblick und bei seinem Wort erschrak sie sehr. Und sie dachte nach,

sie sann bei sich, was wohl bedeuten soll dieser himmlische Gruß.

Doch der Engel sprach zu ihr:

 

8. Arie (Engel)

Maria, fürchte dich nicht,

denn du hast gefunden Gnade

vor dem Herrn.
 Und du wirst schwanger werden, und du wirst gebären einen Sohn, wirst ihm

als Namen geben: Jesus.

Und er wird groß sein!


Er wird heißen:

Sohn des Allerhöchsten.

Und Gott der Herr wird ihm den Thron Davids geben.
 Und er wird herrschen ewiglich
 über das Haus Jakob. Und sein Reich wird ohne Ende sein.

 

9. Rezitativ

Maria sprach zu dem Engel:

„Doch wie soll dies geschehen,

da ich erkenne keinen Mann?“

Aber der Engel sprach:

 

10. Arie ( Engel )

Der Heilige Geist wird kommen

über dich, und deine Kraft des Allerhöchsten, wird dich überschatten.
 Denn das heilige Kind, das aus dir geborn’,


wird Gottes Sohn geheißen sein.

Denn sieh’ auch Elisabeth,

deine Verwandte
 hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter,


und sie, die man für unfruchtbar hielt, ist schwanger nun in ihrem

sechsten Monat,
 denn nichts ist,


das unmöglich ist bei Gott.

 

11. Rezitativ

Maria antwortete ihm:


„Ich bin die Magd des Herrn,

es soll geschehen nach seinem Wort.“ Und der Engel schied vor ihr.

 

12. Chor

Und sieh die Jungfrau

wird schwanger sein

und gebären einen Sohn

dem wird gegeben

der Name Emanuel.

 

II Die Heimsuchung Maria

 

13. Rezitativ

Maria aber machte sich eilends auf und ging hinauf in das gebirgige Land,
 in eine kleine Stadt des Namens Juda. Und da sie eintrat in das Haus des Zacharias,
 begrüßte sie Elisabeth.


Und als Elisabeth vernahm den Gruß und das Wort Marias, da hüpfte das Kind in ihr und sie wurde erfüllt vom heil’gen Geist.


Und sie erhob ihre Stimme laut

und sie begann zu rufen:

 

14.Arie (Elisabeth)

Du bist benedeit unter den Frauen und die Frucht, welche du trägst, ist benedeit.


Wie geschieht es mir,

dass die Mutter meines Herrn

mich kommt zu besuchen?


Deine Stimme hat noch kaum erreicht mein Ohr,
 als schon mein Kind in meinem Schoss vor Freude hüpfte. Selig, die du geglaubt,
 denn was dir geoffenbart und gesagt

wurde von deinem Herrn,

wird seine Erfüllung finden.

 

15. Arie (Marie) und Chor

Maria aber sprach:


Hoch preiset meine Seele den Herrn. Und auch mein Geist erfreuet sich in Gott dem Heiland.

Denn er hat angesehen die

Niedrigkeit seiner Magd.

Von nun an bis in Ewigkeit


preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der mächt’ge Gott hat an mir getan
 große Dinge. Sein Name ist groß!

Seine Gerechtigkeit gilt für immer allen denen,
 die ihn fürchten.


Er hat entfaltet die Stärke seines Arms! Er hat zerstreuet die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
 Er stößt Gewaltigen vom Throne. Und er hat erhoben die da waren in Niedrigkeit.


Er hat erfüllet mit Gütern,


die da waren vom Hunger geplagt!

Und er hat verstoßen,


die waren im Überfluss.


Denn er gedenket seiner Barmherzigkeit.


Und so hilft er seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat

zu unserem Vater Abraham und zu seinem Samen ewiglich.

 

Zweiter Teil: Weihnachten I Die Geburt

 

16. Rezitativ

In jener Zeit erging ein Gebot

des Kaisers Augustus, das befahl zu sichten und zu zählen die Bewohner aus allen Landen.

Und alle ließen sich einschreiben,

jeder in seiner Stadt.
 Auch Joseph, da er geboren war vom

Stamme Davids, brach auf von

Nazareth aus Galiläa und kam

in die Stadt in dem Lande Davids, die heißt Bethlehem,
 um sich einschreiben zu lassen mit Maria,

seiner Frau, die gesegneten Leibes war.


Und als sie da selbst waren kam die Stunde heran, wo sie gebären sollte. Und sie brachte zur Welt

ihren erstgeborenen Sohn,


hüllte ihn in Windeln und legte ihn

in eine Krippe,
 weil es keinen andern Platz für sie an dem Ort und in der Herberge gab.

 

17. Chor

Du bist würdig zu nehmen das Buch und aufzutun die Siegel,

weil du geopfert warst, und uns hast freigekauft durch dein Blut,

aus allen Geschlechtern und allen Sprachen, allen Völkern aus aller Nation, um Gott zu gehören.

Du hast uns gemacht
 zu Königen und Priestern unseres Gottes,


und wir werden herrschen auf der Erde.

 

II Der Schäfer

 

18. Rezitativ

Und in der Gegend da waren Hirten im Feld bei ihren Herden,


und diese Hirten hüteten die Herde in der Nacht.

Und siehe da: ein Engel des Himmels kam herbei,

und der Glanz
 des Herrn umstrahlte sie und die Gegend mit seinem Licht. Und sie wurden erfüllt von großer Furcht.

Der Engel aber sprach:

 

19. Arie (Engel)

So fürchtet euch nicht,


denn siehe ich verkünde frohe

Botschaft,
 die für euch und alle Völker große Freude bringen wird: Denn euch ist heute geboren in der Stadt Davids


der Retter der Welt,


Er ist Christus, der Herr.


Und dies soll euch zum Zeichen sein: ihr werdet finden ein kleines Kind in Windeln gewickelt


und in einer Krippe liegend.

 

20. Rezitativ

Und also bald


war bei dem Engel

die ganze Schar


der Himmlischen Heere,

die lobten Gott und sprachen:

 

21. Chor und Kinderchor

Ehre sei Gott in der Höhe.


Friede auf Erden
 den Menschen, die guten Willens sind.

So fürchtet euch nicht,


denn siehe ich verkünde frohe

Botschaft,
 die für euch und alle Völker große Freude bringen wird: Denn euch ist heute geboren in der Stadt Davids


der Retter der Welt,


Er ist Christus, der Herr!


Und dies soll euch zum Zeichen sein: ihr werdet finden ein kleines Kind in Windeln gewickelt


und in einer Krippe liegend.

 

22. Rezitativ und Männerchor

Und als dann die Engel wieder    heimgekehrt in den Himmel,

sagte die Hirten zu einander:


So gehen wir nach Bethlehem!


Da lasset uns sehen, was geschehen ist und was uns der Herr nun hat kundgetan.

 

23. Rezitativ

Sie gingen also hin


und fanden dort Maria und Joseph und das Kind,

das in einer Krippe lag.

Und als sie sahen das Kind,

da berichteten sie alles,

was der Engel gesagt hat.

Und alle die es hörten erzählt,

waren erstaunt
 über all das, was die Hirten gesagt.

Und Maria bewahrte all’ diese

Geschehnisse und bedachte sie in ihrem Herzen.


Und da die Hirten kehrten heim,

rühmten und lobten sie den Herrn

für alles was sie gehört und dafür, was sie gesehen
 und was der Engel gesagt hat.

 

24. Chor: Psalm 113

Gelobt sei der Herr, lobet ihn!


Ihr Diener all’ des Ewigen,


lobsingt dem Namen unseres Herrn.

Gelobt sei der Name unseres Herrn von nun an bis in Ewigkeit.

Von der Sonne Aufgang


bis zu ihrem Untergang,

sei gelobt der Name des Ewigen,            

denn Gott der Herr ist hoch erhaben über alle Nationen.


Wer ist vergleichbar unsrem Gott,

der da thronet in der Höh?

Und er richtet seinen Blick auf den Himmel und auf die Erde.


Er tröstet die Betrübten

und er verleihet Fruchtbarkeit

der Frau, die unfruchtbar.


Gelobet sei der Herr, sein Ruhm ist über dem Himmel,

gelobet sei der Herr!

Konzertprogramm

 

Franz Schubert (1797-1828)

Messe in G-Dur D 167

 

I. Kyrie
II. Gloria
III. Credo
IV. Sanctus
V. Benedictus

VI. Agnus Dei

 

   -   Pause   -

 

Frank Martin (1890-1974)

Cantate pour le temps de Noël

 

Première Partie: (L’Avent)

I. Chœur

II. Récit
III. Ariose (l’Ange)
IV. Récit
V. Arioso (l’Ange)
VI. Chœur: Psaume 113

VII. Récit
VIII. Arioso (l’Ange)
IX. Récit
X. Arioso: l’ Ange
XI. Récit
XII. Chœur 

 

La Visitation

XIII. Récit
XIV. Arioso (Elisabeth)
XV. Arioso (Marie) – Chœur

 

Deuxième Partie: Noël

La Nativité
XVI. Récit

XVII. Chœur

 

Les Bergers

XVIII. Récit
XIX. Arioso (l’Ange)
XX. Récit
XXI. Chœur et Chœur de garçons

XXII. Récit et Chœur d’hommes

XXIII. Récit
XXIV. Chœur: Psaume 113 

Erleuchtung

von Hartmut Welscher

 

Mit der Erleuchtung verhält es sich in etwa wie mit dem Wind und dem Wasser. Je genauer man hinschaut, um ihr Wesen zu ergründen, desto mehr entzieht sie sich. Man kann sie nicht geschehen machen, sie geschieht einem. Der Buddhismus, der sich mit den Wegen zur Erleuchtung so ausführlich beschäftigt hat wie keine andere Religion, dessen philosophische Theorien auf der spirituellen Erfahrung fußen und nicht umgekehrt, hat beschrieben, warum das so ist: Worte und analytisches Denken können anfänglich helfen, falsche Vorstellungen zu widerlegen. Letztlich verstellen sie aber den Blick, weil sie an den Dingen und Konventionen festhalten statt sie loszulassen. Erleuchtung entsteht aber aus dem Verzicht auf den allzu menschlichen Wunsch, die Welt unter Kontrolle zu bringen, und aus der Erfahrung, dass dies weder möglich noch notwendig ist. Vielleicht liegt hierin die innere Verbindung zur Musik: Wenn wir uns auf sie einlassen, gehen wir ins Risiko, verlassen wir die Kontroll- und Komfortzone. Gleichzeitig gründet Musik aber in einem tröstenden Vertrauen, in die Schöpfung, die Überwindung des Materiellen, oder ganz einfach die Kraft der Musik selbst. Musik hilft uns, die falschen Anhaftungen zu kappen, lässt uns aber nicht alleine, wenn wir ein neues Land betreten. 

Ankerangebote

 

Zur Einstimmung auf die Resonanzen-Konzert lädt das Ensemble zu verschiedenen Einführungsangeboten, den Ankerangeboten. Neu gestartet ist die Gesprächsreihe Bunkersalon, bekannt und beliebt sind die Werkstatt, die Hörstunde und das Hör-Experiment Offbeat. Alle Termine und Informationen findet ihr auf ensembleresonanz.com/anker

Foto: Jann Wilken
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Soundwalk

 

Tom Zimmermann leitet den Soundwalk zu Phil Klines Unsilent Night über den Hamburger Dom und anschließend gibt Florian Helgath im resonanzraum Informationen zum Konzertprogramm in unserem offbeat: epiphany. 

Foto: Jann Wilken
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Salongespräch

 

Jann Wilken war bei unserem Bunkersalon dabei und ihr findet die besten Bilder des Abends hier zusammengestellt. Björn Bicker las Auszüge aus seinem neuen Buch Was glaubt ihr denn? - urban prayers, moderiert von Christoph Twickel. Sebastian Reier alias Booty Carrell erzählte von seinen Erfahrungen mit verschiedenen Glaubens- und Musikrichtungen.

Bunkersalon

 

Gespräche über das Hören und das Fremde. Die neue Gesprächsreihe des Ensemble Resonanz und des VAN Magazins: Björn Bicker liest aus seinem gefeierten Werk Was glaubt ihr denn? Urban Prayers. Tief hat der Künstler und Autor für dieses Werk im religiösen Sud der Megacities gegraben und mit seinem Text einen poetischen und politischen Resonanzraum der Spiritualität geschaffen. Aber wie ist das mit dem Hören: Brauchen wir heute noch den Glauben für die Musik? Und Musik für den Glauben? Musiker verschiedener Religionen melden sich zu Wort.

 

Mit Björn Bicker (Autor), Tim-Erik Winzer und Sebastian Reier alias Booty Carrell. Moderiert von Christoph Twickel.

 

Eintritt: 5 Euro

Einlass: 18:30 Uhr

 

Zu jedem Bunkersalon gibt es auf der Plattform Henry einen Podcast zum Thema.

Kuratiert von Elisa Erkelenz (Ensemble Resonanz) und Hartmut Welscher (VAN Magazin).

Podcast

 

Einen Rückblick auf den letzten Bunkersalon findet ihr jetzt auf Henry. Der erste Podcast zu »galaxy« ist dort bereits verfügbar, es folgt eine weitere Folge zum Thema.

 

»Zur Musik, die Henry diese Woche präsentiert, wurden im Rahmen der Gesprächsreihe "bunkersalon" des Ensemble Resonanz und des VAN Magazins vielfältige Perspektiven diskutiert. Zu Gast dort war unter anderem der Weltraumfetischist, Komponist und Künstler Felix Kubin. Er spricht – im räumlich, zeitlich und kausal getrennten – Dialog mit Tobias Ruderer über Stockhausen, Sun Ra – Musiker, die  sich wie Bach und Lentz von der schieren Weite und Unbekanntheit der Galaxien eher inspirieren als einschüchtern lassen.«

 

 

reinhören

VAN-Magazin

 

Björn Bicker im Interview mit Elisa Erkelenz.

 

Was fasziniert dich am Glauben?

Ich habe mich in den letzten Jahren sehr intensiv mit Migration befasst, noch bevor das Thema nun explodiert ist und auf einmal überall diskutiert wird. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Religion in all ihren Facetten immer mehr in den Vordergrund gerückt ist. 2010 habe ich mit den Recherchen für das Theaterstück Urban Prayers begonnen und bin auf so viele spannende Themen, aber auch politische Schieflagen gestoßen, dass mich das nicht mehr losgelassen hat. Mein Interesse am Glauben ist aber auch ganz persönlicher Natur. Religiöse haben mich immer fasziniert, ich beneide die wahnsinnig. Um vieles.

 

zum interview

Offbeat

 

Bei einem musikalischen Spaziergang mit Phil Klines UNSILENT NIGHT wird der Winterdom und Planten un Blomen in einen neuen Klang getaucht - den das Publikum von den eigenen Handys abspielt. Zurück im resonanzraum geht es mit Florian Helgath um andere Weihnachtsklänge und -inspirationen. Und um Glühwein. 

 

Eintritt: 10 Euro, Tickets nur im VVK erhältlich auf ensembleresonanz.tickets.de

 

Mit Tom Zimmermann (Moderation) und Florian Helgath (ChorWerk Ruhr).

 

Treffpunkt am Bunkereingang, Feldstraße 66

Unsilent Night

 

Phil Kline erklärt seine Idee hinter dem Soundwalk zu Unsilent Night. 

 

video

 

ChorWerk Ruhr

 

Das 1999 gegründete ChorWerk Ruhr ist ein professionelles und flexibel agierendes Vokalensemble. Sein Repertoire reicht von der abendländischen Ein- und Mehrstimmigkeit bis zu großen oratorischen Werken. Der mehrfach ausgezeichnete Dirigent Florian Helgath ist seit November 2011 in der Nachfolge von Frieder Bernius und Rupert Huber Künstlerischer Leiter von ChorWerk Ruhr. Er sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit darin, neue Chormusik in Bezug auf traditionelle Musikformen zu beleuchten und somit für den Zuhörer vor dem Hintergrund der reichen Musikgeschichte neu wirken zu lassen. Mit dem erstklassigen Ensemble aus jungen und flexiblen Stimmen setzt er Chormusik auf höchstem Niveau um.

 

ChorWerk Ruhr hat sich als Spitzenchor des Landes NRW etabliert. Seit der Gründung fanden Konzerte mit Musik aus allen Epochen bis zur Gegenwart statt in Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten wie Sylvain Cambreling, Reinhard Goebel, Robin Gritton, Susanna Mälkki, Kent Nagano, Peter Neumann, Emilio Pomàrico, Peter Rundel, Marcus Stenz, Bruno Weil und Hans Zender.

 

In Konzerten mit renommierten Orchestern wie der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, Concerto Köln, Ensemble Resonanz, l’arte dell mondo, dem Ensemble Musikfabrik, dem Schönberg Ensemble Amsterdam, dem Ensemble Modern, der Jungen Deutschen Philharmonie, den Bochumer Symphonikern, dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks begeistert ChorWerk Ruhr immer wieder sein Publikum und erntet herausragende Kritiken. Häufige Aufnahmen durch WDR und DLF und die Teilnahme an nationalen sowie internationalen Musikfestivals spiegeln die Beliebtheit des exzellenten Ensembles wider. Alljährlich kooperiert ChorWerk Ruhr in besonderer Form mit der Ruhrtriennale.

 

Florian Helgath

 

Seit 2011 ist Florian Helgath Künstlerischer Leiter von ChorWerk Ruhr. Mit diesem erfolgreichen Ensemble erarbeitet er auf höchstem Niveau Chormusik aller Epochen, sowohl mit A cappella Musik als auch im chorsinfonischen Bereich.

Von 2009 bis 2014 leitete er den Dänischen Rundfunkchor als Chorus Master und war von 2008 bis 2016 Dirigent des Via Nova Chor München. Mit diesem Ensemble hat er zahlreiche Uraufführungen dirigiert und wurde mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Ab der Saison 2017/18 übernimmt er die Künstlerische Leitung der Zürcher Sing-Akademie.

Heute ist er regelmäßig zu Gast beim SWR Vokalensemble, beim RIAS Kammerchor, beim Chor des Bayerischen Rundfunks, dem MDR Rundfunkchor, dem Choeur de Radio France und arbeitet mit Orchestern wie den Bochumer Symphonikern, dem Münchener Rundfunkorchester, dem Danish Chamber Orchestra, den Münchner Symphonikern, der Akademie für Alte Musik Berlin, Concerto Köln sowie dem Ensemble Resonanz aus Hamburg zusammen. Einstudierungen und Assistenzen übernahm er unter anderem für Herbert Blomstedt, Kent Nagano, Rafael Frühbeck de Burgos und Christian Thielemann.

Erste musikalische Erfahrungen sammelte Florian Helgath in seiner Heimatstadt bei den Regensburger Domspatzen und später an der Hochschule für Musik und Theater in München. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählen Michael Gläser, Stefan Parkman und Dan Olof Stenlund, die ihn in seiner dirigentischen Entwicklung entscheidend prägten. Internationale Erfolge erzielte er als Finalist und Preisträger bei Wettbewerben wie dem Eric Ericson Award 2006 in Schweden sowie bei der Competition For Young Choral Conductors 2007 in Budapest.

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Redaktion: Anna Gundelach & Sönke Behrens
Texte aus dem Programmheft: Hartmut Welscher