resolab »der verführung«

Unser Blog zum Konzert

 

Auch in dieser Saison begleiten wir jedes Resonanzen-Konzert mit unserem ResoLab. Hier findet Ihr Texte aus dem Programmheft, Videos, Bilder, Gedichte und weitere Informationen zu den Themen und Hintergründen der Konzerte. Schreibt mit und taucht mit uns ein in die Welt »der verführung«!

 

#47 - 5. Oktober 2015

Ein kleiner Zeitsprung zurück ins Konzert. Unser Fotograf Jann Wilken hat die schönsten Momente der verführung festgehalten. Durch Klicken auf das Foto öffnet sich das Fotoalbum.

 

#46 - 5. Oktober 2015

Das Hamburger Abendblatt und die Welt waren begeistert von unserem Konzert. Beide Konzertberichte sind hier verlinkt.

 

»Unterhaltender, ja beschwingter konnte das Ensemble Resonanz seine Konzertsaison kaum beginnen..«

 

Auch Hartmut Welscher vom VAN-Magazin aus Berlin hat sich lange mit Kit Armstrong unterhalten. Sein Interview auf dem Bunkerdach in der Feldstraße gibt es hier zum Nachlesen:

#45 - 05. Oktober 2015

Kit Armstrong war während seiner Zeit in Hamburg auch bei ByteFM Klassik zu Gast, einer Sendung in Kooperation des Ensemble Resonanz und dem Internetradio ByteFM. Man kann die Sendung als Freund von Byte online nachhören. Moderatorin Juliane Reil im Gespräch mit Kit Armstrong.

 

hier anhören

 

#44 - 29. September 2015

Die Musiker des Ensembles warten auf die große Besetzung für das Klavierkonzert von Chopin in der Hörstunde.

#43 - 29. September 2015

Was machte Mauricio Kagel vor einem Konzert, das er selbst dirigierte? Wie fühlte er sich direkt nach dem Konzert? 2002 besuchten Schülerinnen und Schüler eine Aufführung von Mauricio Kagels »Die Stücke einer Windrose« im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen und konnten ihn, die Musiker und das Publikum interviewen. Entstanden ist ein Konzert-Report mit O-Tönen des Dirigenten, der den Schülerinnen und Schülern seine Musik näherbringt.

 

hier anhören (7.99 MBytes)

 

Als weiteres Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem WDR und der Sendung »Papageno« eine Reportage zu der Frage »Wie beühmt ist ein berühmter Komponist?«. Mauricio Kagel erzählt von seiner Katze, seiner Wohnung in Grünen und seinen Hobbies.

 

»Wenn du liest, dann ist es nie langweilig. Es passiert so viel in deinem Gehirn. Man muss lesen, damit man die Gewöhnung nicht verliert. Wenn du nicht liest, dann wirst du immer weniger lesen. Dann am Ende liest du nur Bild-Zeitung.«

 

Mauricio Kagel im Interview (7.73 MBytes)

 

Vielen Dank an das Büro für Konzertpädagogik, das uns diese Aufnahmen zur Verfügung gestellt hat. ->Weitere Informationen zu dem Projekt. 

Büro für Konzertpädagogik in Zusammenarbeit mit WDR 3 („Papageno – Musik für Kinder“), Ensemble musikFabrik NRW und dem Konzerthaus Dortmund. Gefördert vom Landesmusikrat Nordrhein-Westfalen e.V. und vom Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport NRW.

 

#42 - 28. September 2015

von Patrick Hahn

 

Frédéric Chopin (1810-1849)

Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll op. 11

Bearbeitung für Klavier und Streichorchester von Richard Hofmann

 

Der Wunsch und die Notwendigkeit, sich eine Identität zu erfinden steigt vermutlich mit der Bedrohung, die diesem »Ich« von außen zuteil wird. Als solche muss die polnische Bevölkerung die russische Fremdherrschaft empfunden haben, die seit dem Wiener Kongress über Polen verhängt wurde. Im Herbst des Jahres 1830 erhoben sich polnische Patrioten gegen die Russen – und mussten miterleben, wie der Aufstand ein Jahr später blutig niedergeschlagen wurde. Noch vor Ausbruch dieser Kämpfe hatte Frédéric Chopin seine polnische Heimat für immer verlassen. Nicht nur die politische Situation zwang ihn dazu, auch sein Beruf: weit entfernt von den europäischen Metropolen mangelte es Chopin an dem großstädtischen Publikum, das er mit seinen virtuosen Klavierkünsten begeisterte. Seine beiden Klavierkonzerte hatte er als »Visitenkarten« verfasst, um sich auf seinen Europareisen nach Mailand und Paris zu präsentieren. Es sind leider seine einzigen Werke für Klavier und Orchester geblieben – seine übrigen Kompositionen beschränken sich auf das Klavier, jenes Instrument, durch das er zu sprechen vermochte wie kein zweiter. 

Zieht man in Betracht, dass Chopin zum Zeitpunkt der Niederschrift noch kein einziges Beethoven-Konzert gekannt hat, ist es erstaunlich, welche Kraft er aus dem Verhältnis von Klavier und Orchester zu schöpfen vermag. Neben diesem Potenzial sind es aber auch vor allem die »begnadeten Einfälle«, die unter anderem Maurice Ravel an diesen Konzerten bewunderte. Seine Klavierkonzerte sind einzigartig im Genre der virtuosen Angeberstücke, weil hier eben nicht um eines äußeren Effektes willen komponiert wird, sondern aus einem ganz innerlichen Bedürfnis heraus. Über den Mittelsatz des Konzertes in e-moll op. 11 schrieb Chopin an seinen Freund Tytus Woyciechowski: »Ich habe dabei nicht nach starken Wirkungen gestrebt. Es ist vielmehr eine Art stille, melancholische Romanze. Sie soll den Eindruck einer Bildbetrachtung wecken, bei der sich hundert glückliche Erinnerungen einstellen. Deshalb ist für die Begleitung auch ‚con sordino‘ vorgeschrieben.« So fragt man sich, ob Frédéric Chopin selbst die Wirkung bewusst war, die er durch das Zitat des polnischen Nationaltanzes Krakowiak im Final-Rondo bei manchen seiner Zuhörer auslöste. So schrieb der wie immer hellhörige Robert Schumann über Chopins Klavierkonzerte: »[...] wüsste der gewaltige selbstherrschende Monarch im Norden [Friedrich Wilhelm III.], wie in Chopins Werken, in den einfachen Weisen seiner Mazurkas, ihm ein gefährlicher Feind droht, er würde die Musik verbieten. Chopins Werke sind unter Blumen eingesenkte Kanonen.« Wenn nun das Ensemble Resonanz Salonorchester spielt, dann kann das eigentlich nur ein subversives Unternehmen sein. Robert Schumann hätte das erkannt. 

#41 - 28. September 2015

von Patrick Hahn

 

Mauricio Kagel (1931-2008)

Die Stücke der Windrose – Osten und Nordosten

 

Nach der Schließung des Vereins für musikalische Privataufführungen, die aufgrund der allgemein schlechten wirtschaftlichen Situation trotz des großen Erfolgs der Strauß-Versteigerung nicht lange auf sich warten ließ, blieb das Salon-Orchester hauptsächlich in seinem angestammten Terrain, der Unterhaltung, beheimatet und wurde von Komponisten mit Kunstanspruch kaum mehr beachtet. Alle anderen benötigten es bald ebenfalls nicht mehr, seit Tonband und Grammophon das Salonorchester nach und nach aus den Cafés und von den Tanzböden vertrieben. Ab den 1980er Jahren haben zwar manche Nostalgiker die Salonmusik-Kultur wieder belebt – die wenigsten jedoch mit dem Anspruch, etwas Neues zu schaffen. Bis schließlich Mauricio Kagel das Salonorchester mit seinem großen Zyklus Die Stücke der Windrose zu Beginn der 1990er Jahre nicht nur rehabilitierte, sondern zum Medium einer aufregenden kulturanthropologischen Weltreise machte. Der erste Teil des achtteiligen Zyklus entstand auf Anregung des Salonorchester Cölln und im Auftrag des WDR für das Rheinische Musikfest 1989 – mehrere zeitgenössische Komponisten schrieben damals neue Werke für das Ensemble, das ganz traditionell mit einem Stehgeiger sowie zweiter Geige, Viola, Violoncello und Kontrabass aufwartete und Klarinette, Harmonium, Klavier und Schlagzeug zu seinem Instrumentarium zählte. Nachdem Kagel die Komposition »Osten« abgeschlossen hatte, ließ ihn die Besetzung nicht los und er erweiterte das knapp achtminütige Stück zu einem achtteiligen Zyklus von rund 100 Minuten Dauer.

Streng genommen hat auch Kagel mit seinen Salonorchesterstücken nichts Neues geschaffen, sondern hat eine aus der Zeit gefallene Besetzung dazu benutzt, den Umgang mit dem Fremden und Exotischen in der europäischen Kunst und in der Wahrnehmung des Zuhörers auf die Probe zu stellen. Kagels Zugang unterscheidet sich fundamental von den »Weltreisen«, die zahlreiche Künstler seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert unternommen haben. Die indonesische Gamelan-Musik war für Claude Debussy ein Katalysator bei seinen eigenen harmonischen Neuerungen, Bartók fand in der »transsylvanischen Bauernmusik« einen Master-Code zur eigenen Modernität. Auch die Neutöner der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ließen sich wie beispielsweise John Cage, Giacinto Scelsi und Hans Zender auf ganz unterschiedliche Weise vom Buddhismus beeinflussen, Olivier Messiaen verband mühelos indische Rhythmen mit gregorianischen Chorälen und Vogelgesang und Karlheinz Stockhausen träumte gar davon, eine »Weltmusik« zu komponieren – und die des Universums gleich mit dazu. Gegen solche Allmachts- und Welteroberungsfantasien wendete sich Kagel sicher auch, als er 1972 in seiner Komposition Exotica für 6 singende Instrumentalisten mit je mindestens 10 außereuropäischen Instrumenten die Überlegenheit des abendländischen Musikmachens radikal in Frage stellte. Nie ging es ihm darum, die fremde Musik auszustellen, sondern vielmehr den europäischen Umgang damit. Schon durch seine eigene Biographie – Sohn russisch-jüdischer Eltern in einem spanischsprachigen Land, ausgewandert nach Deutschland – hatte er die Relativität jedes kulturellen Standpunktes erfahren. »Ich bin froh, in Argentinien geboren zu sein«, so Kagel in einem Interview mit Max Nyffeler. »Dadurch war ich nicht mit der Vorstellung der kulturellen Hegemonie konfrontiert, die in Europa dazu benutzt wurde, um fatale Unterdrückungen und Aggressionen zu rechtfertigen. Was das Konzept der kulturellen Identität betrifft: natürlich habe ich eine, meine Identität, jedoch würde ich es vorziehen von ‚brüchigen Identitäten’ zu sprechen. Die aggressive Identifikation mit einer einzigen Kultur hat oft zu Katastrophen geführt.«

Das Aufwachsen in einer anderen Hemisphäre führt jedoch zunächst auch zu ganz praktischen Unterschieden in der Wahrnehmung. »Für mich ist der Süden immer noch gleichbedeutend mit Kälte«, gab Kagel anlässlich der Windrosen-Stücke zu Protokoll, »mit Patagonien, Feuerland und der Antarktis«. Der Norden andererseits ist für Kagel gleichbedeutend mit gnadenloser Sonne, Hitze und Wüstenei.

Solche Perspektivverschiebungen nimmt nun das Salon-Orchester vor, das schon im Wiener Kaffeehaus das Publikum zu fremden Ländern und Menschen entführte. Kagel hat das Drehbuch für sein Stück wie folgt beschrieben: »Wenn ich ein wenig großzügig mit geographischen Daten umgehen darf, dann findet das Szenario dieses kurzen Stückes irgendwo zwischen Transkarpatien und dem Finnischen Meerbusen statt. Ich sitze in der dritten Klasse eines jener sagenhaften Züge, die zwischen Kischinjew und Iwano-Frankowsk, Balassagyarmat und Hodmezövasarhely, Kamenez-Podolski und Piotrkow Trybunalski verkehrten. (Alles auf der Landkarte zu finden.) Eine Gruppe Musiker fährt mit, die so aussieht, als wäre sie soeben aus vergilbten Fotoalben entsprungen. Das rollende Bühnenbild fordert eine zügige Aufführungspraxis; Melodiefetzen und charakteristische Rhythmen wechseln schneller als die stockend vorbeieilenden Dörfer.« Insbesondere die holpernd-treibende Begleitung von Klavier und Harmonium vermittelt den Eindruck einer ruckelnden Fortbewegung in einem Gebiet, in dem der Klezmer zu Hause ist – jene jiddische Musik, die von den »klezmorim« genannten Volksmusikanten im 16. Jahrhundert erfunden worden ist. Das »Schluchzen« – die »krekhts« – und die charakteristischen Triller – »dreydlekh« – sind ebenso unverkennbare Merkmale dieser Musik wie ihre an die liturgische Musik angelehnten Modi, die sich in Verbindung mit unterschiedlichen Tanzrhythmen immer wieder zu einer »Feier des Lebens« verbinden. Heiterkeit und Trauer verbinden sich im Klezmer, Gebet und Tanz. Dass der Komponist die Volksmusik einer Gemeinschaft an den Beginn seiner »Kompassstücke« gesetzt hat, die noch im 20. Jahrhundert eine Geschichte der Vertreibung durchlebt hat, versetzt der typisch Kagel’schen Heiterkeit einen typisch Kagel’schen Ernst.

 

Auch in Nordeste gibt es konkrete, wieder erkennbare musikalische Anknüpfungspunkte. Das Stück beginnt mit dem charakteristischen Rhythmus des Cinquillo, ein ursprünglich afrikanischer Tanz, der den meisten später lateinamerikanischen Tänzen zugrunde liegt. Sein Rhythmus entspricht auch dem des »danzón«, der bis in die 1920er Jahre als der »nationale Tanz« Kubas galt. Der Einsatz von Claves, Cabaza, Maracas und Tubo lässt hier für einen Augenblick einen geradezu authentischen, »karibischen« Eindruck. Natürlich bleibt es nicht lange dabei, denn schon rasch verunklaren die Schlaginstrumente den Rhythmus eher, denn ihn zu verfestigen. Das Cello versumpft, während der Kontrabass auf der Stelle tritt und die Harmonie sich immer phantastischer entwickelt. Eine falsche Fährte hat er dem bildungshungrigen Publikum auch noch gelegt, indem er in seinem Einführungstext geschrieben hat, dass der Norden zwar für die meisten Europäer mit Kälte verbunden sei, dass er jedoch nicht anders könne, als an die Hitze des brasilianischen Nordeste zu denken. Das Partiturblatt führt hier noch mehr auf die richtige Fährte: Gewidmet ist dieser Teil dem kubanischen Schriftsteller Alejo Carpentier, »der mir einmal sagte ‚Identität kann auch erfunden werden.’ / Wie wahr! Und ebenso wenig gefunden werden (besser...!).« 

#40 - 28. September 2015

von Patrick Hahn
 

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
5 Stücke für 2 Violinen und Klavier – Walzer und Polka

 

Wie Johann Strauß war auch Dmitri Schostakowitsch ein Meister darin, gute Erfindungen nicht nur einmal zu »verwerten«. Um die Ausarbeitung kümmerte er sich meist nicht einmal selbst, sondern beauftragte Freunde wie den Komponisten Lev Atovmian, Klavierauszüge oder andere Arrangements von Film- und Bühnenmusiken, Ballettsuiten, aber auch von Sinfonien zu machen. Auch die Fünf Stücke für zwei Violinen und Klavier sind in dieser Richtung einzuordnen – doch es bedarf schon einiges detektivischen Spürsinns, um die Quellen zu eruieren, darunter die Filmmusik Die Bremse (1955) und die Bühnenmusik Die Menschliche Komödie (1934). Die zigeunerische Polka entstammt dem Ballett Der helle Bach (1935), wo sie den pittoresken Titel »Tanz des Milchmädchens und des Traktorfahrers« trägt – der Sprung vom Zweitakt-Motor zum galoppierenden Zweier-Takt scheint dem Traktor-Fahrer trotz der neckischen Verzögerungen des Milchmädchens keine Schwierigkeiten zu bereiten. Allein für den »Valse triste«, der das vierte der Stücke bildet, ist die Herkunft nach wie vor unbestimmt. Zwar hat Atovmian das Thema mehrfach verwendet – doch wo Schostakowitsch es zum ersten Mal verwendete, hat die Forschung bislang noch nicht herausgefunden. Aber so ist das ja mit den Stücken mit verführerischer Ohrwurmqualität: Sie sind irgendwie immer schon da, als hätten sie gar nicht erst erfunden werden müssen. 

#39 - 28. September 2015

von Patrick Hahn

 

Johann Strauß (1825-1899) / Alban Berg (1885-1935)

Wein, Weib und Gesang

 

Johann Strauß / Arnold Schönberg (1874-1951)

Rosen aus dem Süden

 

Der französische Philosoph Jean Baudrillard hat in seinen letzten Lebensjahren viel über das Thema der Verführung nachgedacht. Und kaum zu dem Schluss: »Ich kann nur verführen, wenn ich schon verführt bin, und niemand kann mich verführen, ohne selbst schon verführt zu sein.« Als Arnold Schönberg und seine Meisterschüler Alban Berg und Anton Webern die Bearbeitungen von Stücken des Wiener Walzerkönigs Johann Strauß aufs Programm ihres Wiener Vereins für musikalische Privataufführungen setzten, hatten sie Verführung fest im Sinn. Die eigentliche Bestimmung des Vereins, den Schönberg 1918 mit Schülern und Musikliebhabern begründete hatte, war es, zeitgenössischer Musik zu einem angemessenen Aufführungsrahmen zu verhelfen – und neuen Ideen auch dadurch, dass sie von ihrem »orchestralen Prunk« entkleidet und in eigens angefertigten Kammerarrangements gespielt wurden, besser verständlich zu machen. Programmatisch vorgesehen war »alles, was Namen, oder Physiognomie, oder Charakter hat«, so Schönberg. Und auch wenn die Musik der Walzerdynastie »Strauß« gewiss nicht mehr durchgesetzt werden musste, so kann man doch vieles über deren Musik sagen, doch nicht, dass sie ohne Charakter sei ... An jenem »Außerordentlichen Abend«, zu dem der Wiener Privataufführungsverein in den Festsaal der Schwarzwaldschulen einlud, ging es den Künstlern nicht zuletzt um den Fortbestand ihres Vereins: Durch die Versteigerung ihrer Bearbeitungen hofften die Künstler »Fundraising« betreiben zu können, wie man neudeutsch sagen würde. Mit einigem Erfolg, wie Berg brieflich an den befreundeten Komponisten und »Privatvereingsmitglied« Erwin Stein schrieb. »Die Lizitation (Versteigerung) brachte: für meinen Walzer, als erster ausgerufen mit 500,–Kronen – 5.000.- Kronen; für Schönbergs ‚Lagunenwalzer’ 14.000.- Kronen; Webers ‚Schatzwalzer’ wurde bis 7.000.- Kronen lizitiert. Schönberg, der immer mitlizitierte, um es hinauszutreiben, bot 9.000.- Kronen - und blieb damit hängen, ganz gegen seine Absicht; schließlich Schönbergs ‚Rosen aus dem Süden’ 17.000 Kronen.« Offenkundig waren sie erfolgreiche Verführer, und – gemäß der Hypothese Baudrillards – selbst bereits Verführte.

Der Hang, die Zuneigung zum Dreivierteltakt ist zumindest im Schaffen von Arnold Schönberg von Beginn an nachweisbar. 1874 in Wien geboren, zählte Strauß zum »musikalischen Umfeld« und zu Schönbergs frühesten Kompositionen zählten unter anderem ein »Allianzwalzer« und eine »Sonnenscheinpolka« für zwei Geigen.

Bei Berg lag der Fall ein wenig anders – zwar klingt auch in seinem Oeuvre das Kreisen des Dreivierteltakts immer wieder an, doch selten ohne den Gestus des dröhnenden ‚Immerzu, immerzu’ mit dem Wozzeck das Menetekel abzuwehren sucht. Aus den letzten Lebensmonaten von Alban Berg hat Theodor Adorno die Anekdote überliefert, dass Berg nach einer Bluttransfusion die Sorge äußerte, er könnte durch die »Blutverdünnung« zu einem Operettenkomponisten geworden sein ... Aber immerhin scheint so viel »Wiener Blut« in ihm pulsiert zu haben, dass er das Publikum mit seiner Bearbeitung von »Wein, Weib und Gesang« verführen konnte.

Ausgerechnet Martin Luther wird diese »Hendiatris« – wie der Rhetoriker die Sprachfigur benennt, in der ein und dieselbe Sache mit drei Begriffen umschrieben wird – des Genusses zugeschrieben: »Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang / bleibt ein Narr sein Leben lang.« Dazu passt, dass Johann Strauß 1887 nicht nur die Österreichische Staatsbürgerschaft aufgab, sondern auch zum Protestantismus konvertierte, um seine dritte Frau ehelichen zu können. (Was ihm im katholischen Österreich nicht gestattet war.) »Wein, Weib und Gesang« waren nicht nur der Titel des Werks, die Worte erklangen bei der Uraufführung auch gesungen, denn Strauß komponierte den Walzer ursprünglich für den Faschingsabend des Wiener Männergesangsvereins 1869, der damit an den großen Erfolg des 1867 dort uraufgeführten Chorwalzers »An der schönen blauen Donau« anknüpfen wollte. Strauß hatte sich an jenem Abend angeblich selbst, als Pilger verkleidet, ins Publikum gesetzt und segnete, so oft die Zuhörer die Aufführung durch lebhaften Beifall unterbrachen, das Publikum. Durch die von Adolf Müller arrangierte Operette »Wiener Blut« sind die Motive des Walzers »Wein, Weib und Gesang« gleich noch einmal der Unvergänglichkeit entgegen geführt worden.

»Schönbergs Instrumentation überragte natürlich die meine weit. Ich hätte freilich nicht so viel gewagt«, schrieb der bescheidene Berg im erwähnten Brief an Erwin Stein. Schönberg, der wusste, dass das Leichte das Schwerste ist, hatte den sportlichen Anteil für die Interpreten hoch gehalten. Der Pianist Eduard Steuermann, der, wie Berg berichtet, »auf eine Bemerkung Schönbergs, daß sich jeder seine Stimme zu Hause anschauen müsse, lächelte, erhielt von Schönberg einen wahnwitzig schwer gesetzten Klavierpart, der freilich prachtvoll klang.« Die von Strauß arrangierte Rosenpracht ist eine Blütenlese aus der Operette »Das Spitzentuch der Königin«, in der besonders das »Trüffel-Couplet« und die Romanze »Wo die wilde Rose erblüht« ihren Duft verströmen können. Seine Popularität verdankt dieser Walzer nicht allein dem Wiener Neujahrskonzert, auch Fans der Serie Star Trek und zahlreicher Filme sowie nicht zuletzt den Play Station 2-Gamern der Casting-Show-Adaption von Dancing with the Stars. In der Hinsicht hat es Bergs Walzer besser getroffen: »Wein, Weib und Gesang« werden von Johannes Brahms in seinem Streichquartett op. 51 durch Anklänge geadelt ... 

#38 - 24. September 2015

Die Instrumente für die Stücke einer Windrose von Mauricio Kagel bei uns im resonanzraum. 

#37 - 24. September 2015

Unser Programmheft zum Download und vorab lesen.

 

>>programmheft

#36 - 24. September 2015

In unserer intro-Veranstaltung mit Kit Armstrong am 22.09. erzählte er uns von seiner eigenen Kirche in Frankreich, die er zu einem Kulturzentrum umbauen ließ, den Unterschieden zwischen modernen und früheren Pianos und seiner Liebe zu live gespielter Musik.

Kit Armstrong im Gespräch mit Tobias Rempe und Tim-Erik Winzer
Unser Ankerangebot »intro«
Clemens Flick spielt am Harmonium

#35 - 24. September 2015

»Jeder Komponist glaubt, dass sein letztes Werk das Schönste und das Wichtigste ist, aber in meinem Leben war die Hauptsache die Kontinuität. Die Etappen sind, sagen wir, organisch; im Gegensatz zu Anderen habe ich nie plötzliche "Shocks" gehabt, die mich zu einem neuen Kurswechsel gezwungen haben. Wenn man von Picasso spricht, zum Beispiel, spricht man von der blauen, roten, kubistischen Periode. So eine Sache gibt es für mich nicht, weil mein ganzer Verlauf kontinuierlich, und ich wiederhole, organisch ist. Sicher gibt es wichtige und weniger wichtige Stücke, aber ich bin nicht derjenige, der ihre Qualität beurteilt. Was ich sagen kann ist, dass ich in meinem ganzen Leben, wenn ich eine Partitur vollendete, ihr alle meine Anstrengung, meine ganze Seele und meine ganze Liebe zur Musik eingeflösst habe. Letztendes konnte ich immer sagen: 'so wollte ich es und so musste es gemacht werden'. Die Zukunft wird es zeigen…..«

 

Mauricio Kagel 2008, kurz vor seinem Tod.
Quelle: www.mauricio-kagel.com

#34 - 21. September 2015

Ein Brief von Arnold Schönberg an Helene Berg nach dem Tod ihres Mannes Alban Berg:

 

»Liebe Helene, 

noch immer kann ich es nicht fassen, dass mein lieber Alban nicht mehr da ist. Noch immer rede ich in Gedanken mit ihm, so wie vorher und stelle mir seine Antworten vor und es ist mir noch immer, als ob er nur so weit von mir weg wäre, als eben Europa von Amerika. Und ich kann mir deinen Schmerz vorstellen, wo ich weiss, wie innig ihr beide miteinander gelebt habt. Es ist schrecklich, dass er so früh gehen musste, menschlich vor Allem und auch künstlerisch.«

 

Auszug aus: UE Musikblätter 7, Mai 2014

Arnold Schönberg in der ausgabe UE Musikblätter 7, Mai 2014

#33 - 21. September 2015

Anweisung in der Partitur von Mauricio Kagel »Nordosten« welche Instrumente verwendet werden sollen.

#32 - 20. September 2015

Wein, Weib und Gesang wurde nicht nur von Strauß verwendet, auch im Deutschlandlied (1841) hat Hoffmann von Fallersleben dieses Motto aufgegriffen. In der zweiten Strophe lautet es:

 

Deutsche Frauen, deutsche Treue,

Deutscher Wein und deutscher Sang

Sollen in der Welt behalten

Ihren alten schönen Klang,

Uns zu edler Tat begeistern

Unser ganzes Leben lang.

 

1998 hat die deutsche Mittelalterband Die Streuner ein gleichnamiges Album veröffentlicht. Den Titelsong kann man hier anhören, als komplett andere Einstimmung auf das Thema.

 

video

#31 - 16. September 2015

Mauricio Kagel über den Nordosten:

 

Bereits zu Beginn meines Zyklus "Die Stücke der Windrose für Salonorchester" hatte ich vor, den Standort meiner musikalischen Betrachtungen oft zu wechseln. Es mag sein, daß dies auch mit meiner Geburt in der südlichen Hemisphäre zusammenhängt. Wenn man den ersten und überaus prägenden Lebensabschnitt dort verbracht hat, dann haben sich mit den verschiedenen Himmelsrichtungen bestimmte Erlebnisse, Sehnsüchte und Standardvorstellungen verbunden, die genau entgegengesetzt sind zur entsprechenden Gefühlswelt der Europäer. Auch heute noch ist für mich der Süden kein Inbegriff von Hitze, sondern eher der Kälte: Patagonien, Feuerland, Antarktis. Dagegen ist der Norden alles andere als kalt: unerbittliche Sonne; schmale, scharf umrissene Schatten wie auch schwüle Feuchtigkeit oder Wüstenlandschaften und Dürre.

 

Mit der Übersiedlung nach Deutschland wurde mein Orientierungssinn ein wenig gestört. Besonders am Ufer eines Flusses täusche ich mich oft, weil ich spontan die Neigung des Stromes falsch einschätze. In Südamerika, mit der Andenkette im Westen, fließt das Wasser meistens nach Osten oder Süden (in den Anden-Ländern freilich oft umgekehrt). Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Nordosten. Von Mitteleuropa aus ist eine präzise Definition, um welche Region es sich handeln soll, nicht leicht. Man könnte diese eine typisch unscharfe Richtung nennen. Aber vom südlichen Argentinien aus kann nur vom legendären Nordeste Brasiliens die Rede sein. Ich bin dankbar, die Vielfalt an Rhythmen und melodischen Gestalten dort kennengelernt zu haben. Aber was wäre diese Musik ohne die allgegenwärtige Mischung aus Melancholie und heiterer Mitteilung, aus Beschwingtheit und Trauer?

#30 - 16. September 2015

»Wein, Weib und Gesang« - auch in anderen Sprachen gibt es ähnliche Aussprüche: 

 

englisch: „Wine, women and song“

französisch: „Vin, femme et chanson“

spanisch: „Vino, mujeres y canciones“

bengali/hindi/sanskrit: „Sur, Sura, Sundari“ (Musik, Wein und Frau)

lateinisch: "Venus, vina, musica"

polnisch: „Wino, kobiety i śpiew“

schwedisch: „Vin, kvinnor och sång“

dänisch: „Vin, kvinder og sang“

tschechisch: „Víno, ženy, zpěv“

türkisch: „At, Avrat, Silah“ (Pferd, Frau, Waffe)

urdu: „Kabab, Sharab aur Shabab“ (Fleisch, Wein und Frauen/Schönheit)

#29 - 16. September 2015

»Wenn er Freunde und ihre Sache gefährdet glaubte, hat er, unbekümmert um die Folgen, das Wort ergriffen und, schon in den Widmungen seiner Werke, Zeugnis abgelegt. Wie er äußerlich eine noble, um nicht zu sagen aristokratische Erscheinung ist, so darf er seinem ganzen Wesen nach als Ausnahmemensch in einer Welt der Beziehungen, der Feigheiten und Lügen angesprochen werden Er war und ist vor allem Künstler - aber er hat sich niemals gescheut, auch Bekenner zu sein, auch rechts und links von der schmalen Bahn, die zu wandeln ihm bestimmt war.«

 

Ein Festspruch auf Alban Berg von Paul Stefan, anlässlich seines 50. Geburtstags. Erschienen in Musikblättern des Anbruch Heft 1, 1935, neu abgedruckt in UE Musikblätter 3, Mai 2012. 

 

>>festspruch

#28 - 15. September 2015

»Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang bleibt ein Narr sein Leben lang.«

 

Martin Luther (1483 - 1546), deutscher Theologe und Reformator

#27 - 15. September 2015

#26 - 15. September 2015

Auszug aus der Weltkarte Schönbergs des Arnold Schönberg Centers. Am 19.10.1912 führte er in der heutigen Laeiszhalle seine Oper »Pierrot lunaire« auf.

 

>>weltkarte

#25 - 14. September 2015

Mauricio Kagel in seinem Büro und bei der Arbeit

Fotos von Frank Bauer

#24 - 14. September 2015

Alban Berg über Arnold Schönberg


»Das Genie wirkt von vornherein belehrend. Seine Rede ist Unterricht, sein Tun ist vorbildlich, seine Werke sind Offenbarungen. In ihm steckt der Lehrer, der Prophet, der Messias; und der Geist der Sprache, der besser als der Geist derer, die sie misshandeln, das Wesen des Genies erfasst, gibt dem schaffenden Künstler den Namen »Meister« und sagt von ihm, dass er »Schule macht«. Diese Erkenntnis allein könnte eine Zeit von der Prädestination Arnold Schönbergs zum Lehramt überzeugen, wenn sie eine Ahnung von der Bedeutung dieses Künstlers und Menschen hätte. Dass sie davon keine Ahnung hat, ist natürlich, denn hätte sie überhaupt die Fähigkeit, zu ahnen, Sinn für etwas zu haben, was ihrem Wesen so widerspricht wie alles Unzeitliche: sie wäre nicht das Gegenteil der Ewigkeit. Und doch kann man nur, in Voraussetzung jener Erkenntnis von der Berufung des Künstlers zum Lehramt im allgemeinen, Schönbergs Art zu unterrichten im besonderen richtig beurteilen. Untrennbar von seinem Künstlertum und seiner bedeutenden Menschlich¬keit, wird diese einzig berechtigte Art zu lehren noch durch den ausgesprochenen Willen zu diesem Beruf gefördert, der, wie jeder grosse künstlerische Wille – wende er sich dem eigenen Schaffen, der Reproduktion, der Kritik oder schliesslich dem Lehrfache zu – das Höchste hervorbringen muss. Dieses aus solchen Voraussetzungen und Bedingungen entstandene Wunderwerk erschöpfend zu würdigen, hiesse das Rätsel der Genialität lösen und die Geheimnisse der Gottheit ergründen wollen, was an der Unmöglichkeit, das Masslose zu messen, Grenzenloses zu begrenzen, scheitern muss. Immer nur kann es ein Versuch bleiben, ein Versuch, der dem gleicht, Schönheit, Reichtum und Erhabenheit der Wellen des Meeres schildern zu wollen. Hingegeben seinen unendlichen Strömungen, wird der glückliche Schwimmer auf ihren höchsten Wogen hinausgetragen, der Ewigkeit zu, leicht und stolz jene verlassend, die an den Klippen ihrer geistig-seelischen Unfruchtbarkeit zerschellen oder im sichern Hafen ihrer Zeitlichkeit zurückbleiben.«


Arnold Schönberg. Mit Beiträgen von Alban Berg et al. München 1912, S. 75–90

 

#23 - 10. September 2015

Ein ganzer Abend im Sog der Verführung und die gleichzeitige Beobachtung des eigenen Flirrens im Strudel der Versuchung. Das gibt es am Freitag, 18.09. im Golem mit einer Lesung, einem Konzert, einem Gespräch, Reflexionen und einer Golem-Engtanzparty. Seid dabei!

#22 - 10. September 2015

Aus der taz, 02.09.15

>>Warum Schönberg super ist

 

»Wie ernsthaft hingegen Schönbergs Wunsch war, dass man seine Melodien „kennt und nachpfeift“, darf bezweifelt werden. Schönberg war wohl einfach ein extremer Charakter: So wurde er, der selbst keine Musikhochschule besuchte, zum einflussreichen Kompositionslehrer und Begründer der „Zweiten Wiener Schule“ mit Alban Berg und Anton Webern als wichtigsten Schülern. Auch der US-Amerikaner John Cage sollte später bei ihm in Los Angeles studieren.

Als Jude geboren, konvertierte Schönberg zudem 1899 zum Protestantismus, kehrte jedoch 1933 im Pariser Exil wieder zum Judentum zurück – kurz bevor er mit seiner Familie in die USA emigrierte, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. In jungen Jahren verstand er sich als deutscher Nationalist, bekannte sich mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus dann aber entschieden zum Zionismus.

Jüdische Themen wurden auch in seiner Musik immer prominenter, angefangen mit seinem 1922 entstandenen Oratorium-Fragment „Die Jakobsleiter“, das beim Musikfest vom Deutschen Symphonie-Orchester unter Ingo Metzmacher gegeben wird.«

#21 - 10. September 2015

»Aber so ist das ja mit den Stücken mit verführerischer Ohrwurmqualität: Sie sind irgendwie immer schon da, als hätten sie gar nicht erst erfunden werden müssen.«

 

Patrick Hahn über »5 Stücke für 2 Violinen und Klavier« von Schostakowitsch und die Wiederverwertung seiner Themen in verschiedenen Werken.

#20 - 08. September 2015

#19 - 05. September 2015

Das Arnold Schönberg Center in Wien twittert regelmäßig Fotos aus seinem Arbeitszimmer und informiert über aktuelle Aufführungen seiner Werke. Die Seite ist auch ohne eigenen Twitter-Account zugänglich.

 

>>twitter

#18 - 04. September 2015

Als Einstimmung auf das Konzertthema »verführung« laden wir in den Wochen vor dem Konzert zu unseren Ankerangeboten. Die Saison startet mit dem Offbeat im Golem am 18.09.2015. Mehr über die Ankerangebote Intro, Werkstatt, Offbeat, Hörstunde und den Ausflug erfahrt Ihr im Video, ab Minute 0:42.

#17 - 04. September 2015

Gesichtet: unser Poster am Hauptbahnhof

#16 - 02. September 2015

»...experimentierfreudig, unorthodox, visinär. Und gewiss auch radikal – radikaler als manch anderer seiner Generation. Seine Schöpfungen geben beredt Zeugnis – über den Tag hinaus. Das Enfant terrible ist tot. Es lebe der Klassiker.«

 

Ein Nachruf auf Mauricio Kagel

 

>>artikel

#15 - 01. September 2015

»Die Macht der Verführung: Sie unterläuft die Wahrheit und die Kräfte der Produktion, sie erledigt, parodiert den Sinn und lockt uns ins Spiel. Die Macht der Verführung ist die Macht des Weiblichen. Das Weibliche aber ist unwiderstehlich: der reine Schein - substanzlos, mysteriös, ungeheuer. So beginnt Baudrillard uns die Geschichte der Verführung zu erzählen, eine Geschichte, die immer wieder beginnt, die nie zum Ende kommt.


(...) Die Verführung ist ritueller Tausch: "Ich kann nur verführen, wenn ich schon verführt bin, und niemand kann mich verführen, ohne selbst schon verführt zu sein." Baudrillard, der Verführer, führt uns durch alle Arten der Verführung: Die Verführung Gottes, der Götter, der Toten, der Frau, des Spiels.

 

Selten waren Suchbewegungen des Denkens, war Sprachfindung plastischer, präsenter. Und in den Lücken, dem Abgrund zwischen den Sprachen kommt das Unaussprechliche, Namenlose zum Vorschein. So wird die Stimme Baudrillards selber zum Instrument der Verführung: rhapsodisch, beschwörend, lockend... Das uralte Lied... Die Verführung stirbt nie!«

 

Klappentext der CD »Die Macht der Verführung mit Jean Baudrillar«, supposé 2006

#14 - 27. August 2015

2010 erschien der Film »Set the Piano Stool on Fire« des Regisseurs Mark Kidel über Alfred Brendel und seine Beziehung zu Kit Armstrong. Brendel lernte Armstrong als 13-jährigen kennen und ist seitdem sein Lehrer und Mentor. Julia Nees, Armstrongs deutsche Managerin über die Verbindung der beiden: 

 

»They are kindred spirits«: there is something deep that passes between them and which goes beyond the mere imparting of wisdom, technique and musical interpretation. Both men are fiercely brilliant in their own individual ways but they also share an off-centre quirkiness and sense of the absurd which counter-balances their cerebral intensity.

 

>>bericht des regisseurs

 

>>filmausschnitt

#13 - 26. August 2015

»Ich bin gebürtiger Argentinier, aber beileibe kein typischer Bürger des Landes. Oder vielleicht doch? Einer jener Millionen Nord- und Südamerikaner, die aus europäischen Einwanderer-Familien stammen. Aber die Identifikation der Emigranten und ihrer Nachkommen mit der neuen Heimat kann häufig viel stärker sein als die der "Eingeborenen". Kulturelle Osmosen, die aus Mischungen entstehen, scheinen mir ohnehin stets interessanter.«

 

Mauricio Kagel im Interview 2000.

 

>>artikel

#12 - 24. August 2015

Kit Armstrong spielte bereits im Alter von 10 Jahren in der David Letterman Late Show. Im Video spielt er seine eigene Komposition »Aeolian«.

 

>>zum video

#11 - 20. August 2015

»Aber intuitiv – gefühlt – hat seine Musik für mich den Hauch des Spätgeborenen, des Rückblicks, ja fast des Dekadenten: eine raffiniert-schwelgerische Spätromantik, irgendwo zwischen Salon und Filmmusik.«

 

Ijoma Mangold über Chopin zum 200. Geburtstag 2010

 

>>artikel

#10 - 20. August 2015

»Es soll den Eindruck vermitteln, als schaue man auf einen Ort, der in einem tausend zauberhafte Erinnerungen wachruft. Es ist wie eine Träumerei bei schönem Frühlingswetter, aber bei Mondschein«

 

Frédéric Chopin über den Mittelsatz seines e-Moll Klavierkonzerts 

#9 - 19. August 2015

»...hinab in die Tiefe, ins Supergenaue. Schwindelnd blickt man in die Schächte des Spezialwissens, die er sich gegraben hat.«

 

Ein Bericht über Kit Armstrong in der Zeit (2009), der die vielen Facetten des Künstlers aufblitzen lässt.

 

>>artikel

#8 - 18. August 2015

Frédéric Chopin vollendete das 1. Klavierkonzert op. 11 in e-Moll im Alter von 20 Jahren. Er brachte es an seinem letzten Auftritt in Polen am 11. Oktober 1830 zur Uraufführung - und berichtete von lebhaften Bravorufen.

 

#7 - 17. August 2015

»Ich kenne sie, die Stimme der Verführung! Sie ergriff dein offenes Ohr, sie hat dein Herz vergiftet!«

 

Friedrich von Schiller in Wilhelm Tell, 1804

#6 - 14. August 2015

das Monatsprogramm der Laeiszhalle und Elbphilharmonie stellt unseren Solisten Kit Armstrong vor.

#5 - 14. August 2015

»Herr Chopin, Pianist aus Warschau, dem Vernehmen nach Würfel’s Schüler, führte sich als Meister vom ersten Range ein. Die ausgezeichnete Zartheit seines Anschlags, eine unbeschreibliche mechanische Fertigkeit, sein vollendetes, der tiefsten Empfindung abgelauschtes Nuanciren, Tragen und Schwellen der Töne, des Vortrags so seltene Klarheit und seine durch hohe Genialität gestempelten Erzeugnisse – Bravour – Variationen, Rondeau, freye Phantasie, geben den von der Natur so überaus freygiebig bedachten, selbstkräftigen Virtuosen zu erkennen, der, ohne vorher gegangenes Ausposaunen, als eines der leuchtendsten Meteore am musikalischen Horizonte erscheint.«

 

Allgemeine musikalische Zeitung, 1829

#4 - 10. August 2015

»Diese Stelle ist ganz unscheinbar: eine Geste, ein Wort, ein Objekt, ein Kleidungsstück, irgend etwas Ungewohntes, das in einem Bereich zum Vorschein kommt (sich bemerkbar macht), von dem ich das nie vermutet hätte, und das geliebte Wesen jäh in eine seichte Welt zurückversetzt.« - Roland Barthes

 

>>artikel über fragmente einer sprache

#3 - 6. August 2015

Dicke Teppiche. Weiche Polster. Seidentapeten. Kaum ist es im Bunker auf St. Pauli heimisch geworden, zieht es das Ensemble Resonanz schon wieder zu neuen Ufern. Chopins 1. Klavierkonzert lädt zum romantischen Stelldichein im Widerschein perlender Virtuosität. Im Dreivierteltakt schmeicheln die Melodien des Walzerkönigs Johann Strauß zärtlich dem Trommelfell, selbst Berufsironiker Schostakowitsch gibt sich in seinen Tanzstücken anschmiegsam. Mauricio Kagel verstellt dem Ensemble unterwegs den Kompass und schickt das Salonorchester von der mexikanischen Westküste in die melancholische Beschwingtheit des brasilianischen Nordeste und anschließend auf eine Zugfahrt zwischen Transkarpatien und dem Finnischen Meerbusen: »Eine Gruppe Musiker fährt mit, die so aussieht, als wäre sie soeben aus vergilbten Fotoalben entsprungen.« Ist Verführen aus der Mode gekommen? 

 

Di 29.09.2015, 20 Uhr

Laeiszhalle, Großer Saal

Kit Armstrong, Klavier und Leitung

Ensemble Resonanz

 

>>Tickets

#2 - 03. August 2015

unsere Saison im Überblick

#1 - 01. August 2015

Unser Plakat ist bereits fertig, vielleicht begegnet es Euch bald schon in Hamburg. Um nicht nur dieses Resonanzen-Konzert zu erleben, könnt Ihr noch bis Oktober ein Abo für die komplette Saison »Fragmente einer Sprache« abschließen, 15 % sparen und bei jedem Konzert ein Programmheft sichern. Das Abo könnt Ihr über unsere Website abschließen.

 

>>abo

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