tim-erik winzer

Tim-Erik Winzer wurde 1978 geboren und ist in Potsdam aufgewachsen. Er begann im Alter von 6 Jahren mit der Geige und wechselte mit 16 zur Bratsche. Seine Ausbildung erhielt er an den Hochschulen Weimar und Berlin (Hanns-Eisler) bei Frau Prof. Ditte Leser und Prof. Erich Krüger. Mit dem »Abraxas-Quartett« studierte er von 2001 bis 2005 bei Prof. Eberhard Feltz und arbeitete unter anderem mit Hariolf Schlichtig und Thomas Kakuska zusammen. Seit 2009 ist er Solobratscher beim Ensemble Resonanz und widmet sich darüber hinaus auf modernen und historischen Instrumenten der Kammermusik und dem Projekt Spira mirabilis.

Tim-Erik Winzer © Jonas Lindstroem
Tim-Erik Winzerl © Jonas Lindstroem

In der Marktstraße mit Tim-Erik Winzer

Du gehörst zur neueren Generation der Ensemble-Mitglieder und bist jetzt seit ungefähr fünf Jahren dabei – vielleicht Zeit für eine kleine Bilanz des Einstiegs?

Ich habe einen sehr guten Zeitpunkt gefunden um einzusteigen, nämlich genau in dem Jahr, als die Honorarsätze deutlich erhöht wurden. Das Elend vorher habe ich mir erspart. Aber ernsthaft, als ich das erste Mal eingeladen wurde, kannte ich das Ensemble nur vom Namen und war dann total überrascht, was da im hohen Norden stattfindet. Das Profil des Ensembles war sofort im Programm spürbar, CPE Bach, Schostakowitsch und noch etwas Zeitgenössisches, das hat mir sehr gefallen. Meine Sicht hat sich natürlich im Detail verändert, aber unverändert finde ich Ensemble Resonanz zu spielen das Beste, was man machen kann. Ich finde es toll, was für eine Entwicklung wir in dieser Zeit genommen haben, auf allen Ebenen, und gleichzeitig merke ich, wie dankbar ich für alles bin, was das Ensemble in den fast fünfzehn Jahren vorher an Aufwand, Willen und Begeisterung in das Projekt gesteckt hat. Es macht total Spaß da reinzuwachsen und auch ein bisschen zu übernehmen, denn das kann nicht jeder sein ganzes Leben lang so machen, und ich bin jetzt in einer Phase, wo ich sehr viel Zeit und Kraft einbringen kann. Es ist wichtig, dass es mit immer neuen Impulsen immer weitergeht. Wenn man sich zum Beispiel Bayern München anschaut, die haben das große Triple gewonnen, und was machen sie, tauschen den Trainer aus, kaufen neue Spieler und spielen ein völlig anderes System. Ich glaube, wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir uns immer wieder verändern.

 

Du verbringst auch viel Zeit mit dem Projekt Spira Mirabilis, bei dem sich Musiker aus Top-Orchestern aus ganz Europa regelmäßig treffen um selbstbestimmt Musik zu machen. Welche Parallelen und welche Unterschiede siehst du zum Ensemble Resonanz?

Beide Ensembles gehören zweifellos zu den interessantesten Erscheinungen im Musikmarkt, beide arbeiten in erster Linie ohne Dirigent. Im Gegensatz zum Ensemble Resonanz hat Spira mirabilis ein eher schmales Repertoire, von Haydn bis Ravel, und es war von Anfang an als Studienprojekt und nicht auf Wachstum zum Vollzeit-Ensemble angelegt. Zuviel Wachstum würde die Arbeitsweise verändern und das Projekt eher gefährden, aber da es zu den Ideen von Spira gehört nur ein Werk pro Konzert zu spielen, besteht diese Gefahr auch nicht wirklich. Künstlerisch liegt das Gewicht bei Spira sehr viel stärker auf Homogenität, auf einer gemeinsamen Vision. Das Ensemble Resonanz dagegen zieht seine große Kraft aus der Heterogenität der einzelnen Spieler, dass sich hier ganz verschiedene Charaktere aneinander reiben, die alle viel Wert darauf legen ihre eigene Meinung zu haben.

 

Obwohl du eigentlich recht ungebunden bist, lebst du noch immer in Berlin und nicht in Hamburg. Warum?

Jetzt brauche ich irgendeinen griffigen Satz. Meine CD-Sammlung ist zu schwer. Von den Umzugskosten kann ich drei Jahre lang die Fahrtkosten bezahlen. Ich bin in Residence in Hamburg und zu Hause in Berlin. Also, beide Wohnungsvarianten, die ich in Berlin und in Hamburg habe, sind gerade so optimal, dass ich daran nichts ändern werde. Aber ich bin überall nur Untermieter, wenn sich also an einer der beiden Lösungen etwas auflöst, wird sich gezwungenermaßen etwas ändern, und dann bin ich auch gerne bereit über einen Umzug nachzudenken.

 

Ja, deine immense CD-Sammlung. Hast du eigentlich eine Lieblingsaufnahme?

Ich habe zwei Lieblingslabels, Alpha und Glossa. Fast keine CD, die man nicht gerne hören kann.

 

Und hättest du vielleicht einen Hör-Tipp als Ergänzung zum Konzertprogramm himmelerde?

Ein Bratschenkonzert natürlich, On Opened Ground von Mark-Anthony Turnage.

 

Die neue Artist in Residence spielt dein Instrument. Wie fühlt es sich an auf zwei Jahre enge Zusammenarbeit mit Tabea Zimmermann vorauszuschauen?

Das ist pure Freude bei mir. Ich bin unglaublich glücklich, dass wir sie gewonnen haben, auch genau für diese Konstellation als Mitspielende und Solistin. Sie ist die perfekte Musikerin dafür. Man kann bei ihr gut erleben, wie es ist in erster Linie Musiker zu sein und nicht Spezialist für irgendetwas. Und sie wird uns Gelassenheit vermitteln, im Umgang mit extremen Herausforderungen, aber auch im Umgang mit Erfolg. Naja und dann gehst du zur Probe und Tabea Zimmermann sitzt neben dir und spielt dir ins Ohr, das ist der Wahnsinn!