saskia ogilvie

Saskia Ogilvie, 1966 geboren, erhielt ihren ersten Cellounterricht im Alter von acht Jahren. Sie war Jungstudentin bei Prof. Klaus Storck an der Alanus-Hochschule und studierte danach bei Prof. Martin Ostertag in Karlsruhe sowie bei Iwan Monighetti und Reinhard Latzko in Basel, wo sie 1985 ihr Konzertexamen ablegte. Sie war Mitglied des Anton-Webern-Ensembles Wien unter Leitung von Claudio Abbado und in den Jahren 1992-94 Solocellistin des Gustav-Mahler-Jugendorchesters unter der Leitung von Michael Gielen, Sir Neville Marriner, Riccardo Chailly und Claudio Abbado. 1995 gründete sie das Ensemble Florestan und seit 1997 ist sie Solocellistin des Ensemble Resonanz. Daneben ist sie beteiligt an Rundfunk-, Fernseh- und CD-Aufnahmen, sowohl solistisch als auch in renommierten Kammermusik-Ensembles.

Saskia Ogilvie © Jonas Lindstroem
Saskia Ogilvie © Jonas Lindstroem

Genießen mit Saskia Ogilvie

Du bist immer die erste, die nach Noten verlangt – wie bereitest du dich auf ein Konzertprojekt vor und wie viel Zeit investierst du?

Ich weiß einfach gern, worauf ich mich freuen kann. Außerdem ist seit einiger Zeit Stressfreiheit mein erklärtes Ziel, und dazu gehört relativ weit im Voraus zu wissen, was auf mich zukommt und wie ich mir die Zeit einteilen kann. Wie lange die Vorbereitung dauert, ist extrem unterschiedlich. Das kommt auf Umfang und Größe des Werkes an, wie viele Noten drin sind, wie schnell und wie schwer es rhythmisch ist. Rhythmus beschäftigt mich immer länger, damit ich ein gutes Gefühl habe und später mit Freiheit in der Probe sitze. Und wenn man ein richtig schweres Werk drei Wochen lang auf dem Pult liegen hat, tut es auch gut und bringt einen weiter, wenn man nach einigen Tagen Üben die Zeit hat mal zwei Tage sacken zu lassen. Bei mir wird das Ergebnis stressfrei besser.

 

Und wie ist es dann mit jemandem wie Jean-Guihen Queyras in die Probenarbeit zu gehen?

Jean-Guihen ist ein absoluter Glücksfall für uns, Konzerte mit ihm sind immer wieder ein Höhenflug. Besonders begeistert es mich direkt daneben zu sitzen. Bei unserer kleinen Cello-Besetzung muss man versuchen wie in einen Handschuh hineinzuschlüpfen in die Bewegungen seines Stimmführers, damit man eine homogene Gruppe wird. Bei ihm kann man da eine extreme Lebendigkeit erleben, wie er kein einziges kleines Achtel spielt wie das andere, nicht die kleinste Note ohne Gestaltung und Sprache ist. Das öffnet einem Türen und ist sehr inspirierend. Außerdem ist die Probenarbeit eine extrem freundliche, es ist sehr charmant mit ihm. Was ich noch sehr stark empfinde, ist diese enorme Ruhe und Sicherheit, die er ausstrahlt, obwohl er gerade unter ständiger Anspannung ein Stück vorantreibt.

 

Der andere große Pol in deinem Leben sind dein Mann und deine Töchter – was unternimmst du gern mit ihnen und was bedeutet dir deine Familie? 

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht dankbar für diese Familie bin. Sehr glücklich macht mich auch, dass wir als eine gemeinsame Leidenschaft das Reiten entdeckt haben. Volker und ich sind als Kinder schon geritten, und unsere beiden Mädchen waren dann auch sofort sehr begeistert bei der Sache. So sind in den letzten drei Jahren noch vier Island-Pferde zu unserer Familie gestoßen, die unser Leben sehr bereichern. Für mich geht es beim Reiten vor allem um die Beschäftigung mit diesen Tieren, ihre Würde zu erleben, Nähe zu ihnen zu finden und Harmonie mit ihnen zu entwickeln. Und ich glaube, dass das mit einer Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit einhergeht. Man bekommt immer wieder seinen Spiegel vorgehalten, und es ist auch nicht von ungefähr, welches Pferd zu welchem Menschen gefunden hat.

 

Und deinen Mann wiederum hast du über das Ensemble Resonanz gefunden, obwohl er Fagottist und kein Streicher ist.

Das stimmt nicht ganz, gesehen haben wir uns das erste Mal bei der Deutschen Kammerphilharmonie, wo er damals Mitglied und ich Aushilfe war. Dass es irgendeine unerklärliche Barriere zwischen Streichern und Bläsern gibt, kann ich aber bestätigen. Damals waren wir beide zu schüchtern um uns anzusprechen, aber aufgefallen sind wir einander sehr wohl. Kennengelernt haben wir uns dann erst richtig, als ich gerade festes Mitglied beim Ensemble Resonanz geworden und Volker als Aushilfe da war. Er kam mit seiner kleinen Tochter Lea, schmierte ihr ein Brot, und ich hatte ein einschlagendes Gefühl von Schicksalsbegegnung, wie ich das nie vorher und nie nachher erlebt habe. Uns beide hat da etwas im tiefsten Inneren unseres Lebensweges berührt, wo es kein Zurück mehr gab. Mein damaliges Leben hat das komplett aus den Angeln gehoben, was eine echt schwere Zeit folgen ließ, aber umso glücklicher bin ich jetzt, dass wir zueinander gefunden und diese Familie haben, die ein Gut ist, das ich immer schützen werde.

 

Und was möchtest du mit dem Ensemble noch erleben?

Es gibt zum einen hundert Stücke, die ich alle noch spielen möchte. Vielmehr habe ich aber den Wunsch, dass wir nicht müde werden weiterhin nach größtmöglicher Identifikation zu suchen. Wenn jeder einzelne im Ensemble seine Wurzeln schlagen kann voll Vertrauen, dass es für ihn zur bestmöglichen Entwicklung gelangen wird, und wir durch unseren gemeinsamen Mut zur Steigerung unseres Ganzen finden, dann werden uns Flügel wachsen und die Zukunft gehört uns.