saerom park

Saerom Park wurde 1981 in einer koreanischen Künstlerfamilie geboren und erhielt ihren ersten Cellounterricht im Alter von zwölf Jahren. 1996 debütierte sie als Solistin mit dem Moskauer Kammerorchester. Von 1999 bis 2008 studierte sie Cello und Kammermusik an der Folkwang-Hochschule in Essen bei Young-Chang Cho und Andreas Reiner. Weitere Impulse erhielt sie von renommierten Tutoren wie Bernhard Greenhouse und Boris Pergamenschikow. Im Jahr 2000 gründete sie das Klaviertrio »Trio Image«, in dem sie bis 2007 aktives Mitglied war. Das Trio gewann den 3. Preis und den Publikumspreis beim 6. Internationalen Wettbewerb »Franz Schubert und die Musik der Moderne« in Graz. Außerdem trat sie im Rahmen verschiedener Festivals auf, u. a. beim »Lockenhaus Kammermusikfest«, »Pablo Casals Festival Prades«, »Schubertiade Akzenbrugg«, »International Cello Fest Beograd«, »International Week Graz«, »Festival de musique de chambre en Normandie«, »International Music Festival Varna Summer«. Konzertmitschnitte von Saerom Park gibt es vom WDR 3, ORF, Mezzo und TV3.

Saerom Park © Jonas Lindstroem
Saerom Park © Jonas Lindstroem

Auf Heimatsuche mit Saerom Park

Du wolltest unbedingt über den Konzerttitel heimatwaise sprechen. Was löst dieses Wort in dir aus?

Ich fühle mich identifiziert. Weil ich mich oft wie eine Heimatwaise fühle, nirgendwo zu Hause. Ich lebe jetzt fast fünfzehn Jahre in Deutschland und Europa, das ist fast die Hälfte meines Lebens, und ich stelle mir im Moment viele Fragen in dieser Richtung, wo komme ich her, wo bin ich, wer bin ich. Manchmal telefoniere ich mit Freunden in Korea, die mir erzählen, was gerade in ist, wie man sich anzieht oder was man isst, wofür man sich interessiert und womit sie sich beschäftigen, und ich habe keine Ahnung von irgendetwas. Ich fühle mich wirklich wie eine Ausländerin. Und hier bin ich das sowieso, so halb auf jeden Fall. Komisch.

 

Trotzdem hat man das Gefühl, dass du dich sehr wohl und durchaus auch zu Hause fühlst hier. Was macht für dich ein Zuhause aus?

Das ist die andere Seite, ich bin überall zu Hause. Ein Zuhause ist da, wo ich mich zurückziehen kann und mich nach 24 Stunden lang gar nichts tun trotzdem wohl fühle. Wo ich mich nicht beschäftigen oder ablenken muss, sondern es genießen kann einfach nur im Bett zu liegen. Das liebe ich.

 

Ist dein Cello eine Art Zuhause?

Nee, Cello ist mein Begleiter. Kommt überall mit, fühlt sich überall zu Hause, ist total easy-going, beschwert sich nicht.

 

Und haben das Ensemble Resonanz und Heimat für dich etwas miteinander zu tun?

Normalerweise hast du Kollegen und manche davon werden deine Freunde, wenn du wirklich Glück hast, fühlst du dich irgendwann ein bisschen zu Hause. In diesem Ensemble gibt es diese Phase halb Kollegen halb Freunde sein irgendwie nicht. Entweder du bist als Gast da, oder du bist einer von ihnen und einfach Family. Sofort verheiratet für immer.

 

Erzähl mal ein bisschen von deiner Höchstleistungsjugend in Korea.

Man sagt ja, dass die Zeit immer schneller geht, je älter man wird. Bei mir war das total andersrum. Als ich ganz klein war und auch in meiner Jugend habe ich jede Minute gedacht, ich verliere Zeit. Ich habe mit drei angefangen Klavier zu spielen und musste sofort vier Stunden am Tag üben. Ich selbst hatte diesen Drang. Meine Mutter hat gedacht, ich hätte Autismus. Ich habe sehr wenig kommuniziert, hatte keine Geschwister, keine Freunde, bin nie zum Kindergarten gegangen. Mit vier hatte ich meinen ersten Wettbewerb, und das ging dann so weiter. Ballett habe ich eine Zeit lang das volle Programm gemacht, und im 100-Meter-Lauf war ich einmal koreanische Juniorenmeisterin in der Kinderkategorie 1A oder so. Mit zwölf wollte ich Cello lernen, und mein Lehrer wollte mich jeden Tag unterrichten. Das haben wir gemacht, und ich habe nie weniger als sechs Stunden am Tag geübt, bis ich siebzehn war und zum studieren nach Deutschland ging. Alles andere habe ich auch gemacht, Party, ein bisschen modeln, alles außer schlafen und essen eigentlich. Ich war sehr ehrgeizig für alles.

 

Essen, schlafen und gesellig sein holst du dafür jetzt nach. Hat sich der Ehrgeiz ein bisschen verkrochen? Was sind heute deine Ziele?

Ehrgeiz war sehr gut und wichtig für einen Abschnitt meines Lebens und hat viel gebracht, ich habe diese unglaublich intensive Zeit gebraucht. Jetzt kann ich mich ein bisschen entspannen, ich habe mehr Zeit, und mein Ziel ist es einfach jeden Tag so zu leben, dass ich glücklich bin.

 

Und dann wollen wir noch wissen, wie es ist mit absolutem Gehör zu leben.

Schrecklich. Total nutzlos. Wenn ich im Zirkus arbeiten würde, könnte man vielleicht irgendwas draus machen. Ich denke um Musiker zu sein, hast du ohne absolutes Gehör mehr Vorteile, kannst dich mehr auf Harmonien und die Farben einer Tonart konzentrieren. Absolut ist auch ein komisches Wort dafür. Was ich zum Beispiel als A höre, ist etwas zwischen den Frequenzen 440 und 445, das kann ich auch tatsächlich unterscheiden. Aber in der Barockzeit hat man auf 430 oder 415 gestimmt, das ist ein total anderes A. Bei D-Dur auf 415 gestimmt höre ich erst einmal Des-Dur, das im Kopf umzustellen geht, ich habe das geübt, aber es ist anstrengend. Und wenn ich im Halbschlaf die Geräusche von der IKEA-Baustelle höre, sitze ich wieder in der Schule im Tondiktat und will Tonhöhen, Rhythmus und alles von diesem Elektrosound aufschreiben. Also, die Welt als Absoluthörerin ist nicht nur schön.