maresi stumpf

Maresi Stumpf, Viola, wurde 1970 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur studierte sie in Lübeck zunächst Geige, später dann Bratsche bei Prof. Barbara Westphal. Kammermusikalisch geprägt wurde sie in erster Linie von der Quartettarbeit mit Prof. Walter Levin in Basel und durch Unterricht bei den Bratschern des Wiener Streichsextetts. Die Arbeit in der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und dem Mahler Chamber Orchestra weckte bei ihr die Liebe zum Kammerorchesterspiel. Seit 1999 ist sie Mitglied des Ensemble Resonanz an der Laeiszhalle Hamburg. Neben der Arbeit im Ensemble spielt sie in verschiedenen Festivalbesetzungen.

Maresi Stumpf © Jonas Lindstroem
Maresi Stumpf © Jonas Lindstroem

Im Kulturcafé mit Maresi Stumpf

Du kommst auch ursprünglich aus Hamburg – wie wurden hier deine musikalischen Grundlagen gelegt?

Ich habe erst mit neuneinhalb angefangen mit Geige. Eigentlich wollte ich Cello lernen, aber auf der Waldorfschule in Bergstedt fand man es besser mit Geige anzufangen. Jedenfalls hat mich sofort der Ehrgeiz gepackt, weil ich unbedingt in einem Orchester mitspielen wollte. Die erste Station war das Vororchester des Ahrensburger Jugendorchesters. Als ich gemerkt habe, dass ich hauptsächlich geigen möchte, war das der Waldorfschule aber zu ehrgeizig und mir wurde klar, dass ich die Schule wechseln muss. Mit dem Albert-Schweitzer-Jugendorchester habe ich dann ein paar Jahre lang zusammen mit Barbara viele schöne Reisen erlebt. Dann haben wir aber festgestellt, dass das Hamburger Jugendorchester eigentlich cooler ist und sind dorthin gewechselt. Diese Jugendorchesterzeit hat mich sehr geprägt, das ist einfach ein guter Weg für einen Jugendlichen, um einigermaßen kommod durch die Pubertät zu schlittern.

 

Aber am Ende wurde es doch noch die Bratsche.

Im vierten Semester Geigenstudium an der Hochschule in Lübeck hatte ich ziemliche Rückenprobleme und dann noch einen Hörsturz, so dass ich eine Pause einlegen musste. In dieser Pause kam ein Studienfreund mit seiner Bratsche zu mir und fragte, „Maresi, willst du nicht Bratsche spielen? Ich glaube das passt zu dir. Probier mal aus.“ Ich hatte also diese Bratsche in der Hand, und es war wie nach Hause kommen. Es war tiefer, es war entspannter, sie entspricht einfach viel mehr meinem Naturell und meiner Stimmlage. Ich hatte plötzlich Lust, selber Sachen auszuprobieren, Klänge und Spielarten zu finden. Dazu kam, dass genau zur gleichen Zeit die Bratschistin aus meinem Quartett zum Studieren nach Wien gegangen ist. Ein weiteres Zeichen? Ich wurde jedenfalls mit einer Bratsche versorgt, und als ich dann noch die Gelegenheit bekam, eine Probestunde bei Barbara Westphal zu machen, die so großartig war, so ein Quantensprung zu dem Unterricht, den ich vorher hatte, habe ich tatsächlich noch einmal Aufnahmeprüfung gemacht, bin umgestiegen und habe mich mit dem neuen Notenschlüssel angefreundet. Aber wenn nicht alles so zusammengespielt hätte, wäre das mit der Bratsche wahrscheinlich nicht passiert.

 

Bist du heute glücklich mit deiner musikalischen Heimat?

Von Beginn des Studiums an habe ich ganz viel Kammermusik gemacht und gern mit den Kompositionsstudenten an der Hochschule zusammen gearbeitet. Auch der Quartett-Unterricht bei Walter Levin in der Schweiz, den wir das ganze Studium über parallel genommen haben, hat mich sehr geprägt. Die ausgewogene Kombination von Kammermusik und Neuer Musik ist für mich auch die Parallele zum Ensemble Resonanz und der Grund, warum ich mich hier gut fühle. Auch wenn es wahrscheinlich bis zum Lebensende eine Herausforderung bleiben wird es auszuhalten, dass manchmal brutal viel zu tun ist und dann wieder zwei Wochen lang gar nichts. Inzwischen betrachte ich es als Lebensaufgabe damit umgehen zu lernen. Und je älter ich werde, desto besser verstehe ich, was die Leute damals meinten, die mir sagten, überleg dir das gut, wenn du fünfzig bist, ist das nicht unbedingt lustig freiberuflich zu arbeiten, absicherungsmäßig, im Krankheitsfall und so weiter. Ich war aber immer schon der Überzeugung, dass auch die steinigen Wegstrecken zu etwas gut sind. Natürlich gibt es Situationen, in denen ich gerne einen Nine-to-five-job und dreitausend Euro im Monat sicher hätte, und es kann sein, dass mir meine Kinder in zehn Jahren vorwerfen, dass es immer nur chaotisch war bei uns, aber ich glaube das eigentlich nicht. Und am Ende belohnt einen jedes großartige Konzerterlebnis für all den Stress.

 

Trotzdem hast du dir schon allerlei alternative Lebensentwürfe ausgemalt.

Ein Teil von mir schreit regelmäßig nach Landluft, Ruhe und einem völlig anderen Gang als hier in der Stadt. Und mein Vater war ein Freigeist, der in seinen späten Jahren noch das Malen angefangen hat. Wir alle fanden, dass er Ausstellungen machen müsste, aber das hat er nie getan. Vielleicht auch deshalb habe ich ein konkretes Haus vor Augen, das ich gern besitzen würde, um eine Konzertscheune mit angegliedertem Kulturcafé zu betreiben, einen Ort für die Verknüpfung der verschiedenen Kunstrichtungen. Ich selbst würde mich gern bei der Einrichtung austoben, und eine Freundin, die in diesem Dorf lebt, könnte jeden Tag wie eine Göttin für das Café backen. Aber das ist ein Traum für später, erst einmal möchte ich nach wie vor eigentlich nur Bratsche spielen.