gregor dierck

Gregor Dierck, geboren 1976, erhielt seinen ersten Violinunterricht im Alter von knapp vier Jahren bei Prof. Michael Goldstein. Nach Preisen bei Jugend musiziert und Geigenunterricht als Vorstudent bei Prof. Uwe-Martin Martin Haiberg (Berlin) schloss er sein Studium im Jahr 2002 bei Prof. Christiane Edinger (Lübeck) ab. Orchestererfahrung erhielt er u. a. im Bundesjugendorchester und dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter Ingo Metzmacher. Seit 1997 ist er Mitglied des Ensemble Resonanz. Nach Gründung des Berliner Sonar-Streichquartettes machte er in 2006 sein Konzertdiplom mit Auszeichnung bei Prof. Sebastian Hamann (Luzern), wo er auch bei Brian Dean Barockvioline studierte. 2007 baute er zusammen mit dem Pianisten und Dirigenten Michael Balke das Musikfestival TON:arten Sasbachwalden auf. Neben diversen Engagements, u. a. beim Ensemble Modern, dem ensemble musikfabrik Köln, dem Ensemble Integrales, Anima Eterna (BL), Elbipolis Barockorchester, dem Freiburger Barockorchester und dem Balthasar-Neumann-Ensemble ist er 1. Konzertmeister der Hamburger Kammeroper Allee Theater und auch solistisch ein gefragter Musiker. 

Gregor Dierck © Jonas Lindstroem
Gregor Dierck © Jonas Lindstroem

Power-Pause mit Gregor Dierck

Du bist ein Musiker mit vielen Standbeinen – was machst du alles neben dem Ensemble Resonanz?

Zum einen interessiert mich schon immer das Komponieren und Arrangieren. Das hängt mit meiner Ausbildung zusammen, ich hatte schon relativ früh neben Geigen-, Kammermusik- und Klavierunterricht auch Theorie-Stunden. Bei Gelegenheit arrangiere ich auch gern für das Ensemble Resonanz. Das andere Standbein sind verschiedene Geigen-Projekte. Seit meinem Aufbaustudium habe ich auch eine Barockgeige und spiele damit bei verschiedenen Ensembles. Ich genieße diese Art zu spielen, mit weniger Saitenspannung und Druck auf dem Instrument, und dieser gewissen anderen Bogenhandhabung, wovon auch das moderne Geigenspiel sehr viel profitiert hat bei mir. Dann habe ich noch so ein Mittelding, eine klassische Geige, die zwar Darmsaiten hat, aber nicht diese Wölbung einer Barockgeige, und mit einem Klassikbogen gespielt wird. Damit spiele ich regelmäßig bei Anima Eterna mit Jos van Immerseel in Brügge. Gerade diese Projekte in Belgien empfinde ich immer als Bildungsurlaub, weil ich da neben den Proben entweder arrangiere und komponiere oder mich mit diesen Instrumenten beschäftige, wozu ich im Alltag in Hamburg nicht komme. Und das letzte Standbein wäre die künstlerische Leitung des Festivals TON:arten Sasbachwalden, das ich 2007 mit Michael Balke gegründet habe. Das macht unglaublich Spaß und läuft so nebenher, heißt aber auch manchmal nachts um zwölf Flyertexte korrigieren. Wenn ich mein tolles wandelndes iPhone-Büro nicht hätte, sähe manche Probenpause anders aus.

 

Und dann hast du ja auch noch eine Frau und zwei Töchter.

Genau, ich habe drei entzückende Frauen. Die kleinen gehen sehr gerne in die Krippe und den Kindergarten, worüber wir sehr froh sind. Jeder Nachmittag, an dem wir nicht proben, gehört den Kindern, das ist einfach gesetzt. Mit der Konstellation, in der wir leben, haben wir total Glück, weil meine Frau Lehrerin ist und sich unsere Arbeitszeiten so perfekt ergänzen, dass die Kinder immer einen von uns haben. Ruheinseln für uns selbst einzubauen schaffen wir in der Regel auch, und fachlich kommen wir uns nicht ins Gehege.

 

Heute teilst du dir mit deiner Schwester die Stimmführung der zweiten Geigen – lief dein Einstieg beim Ensemble Resonanz eigentlich über sie?

Das Ensemble Resonanz suchte im Herbst 1997 für die Video-Oper-Produktion „Weather“ noch Geigen. Ich war zu dem Zeitpunkt mitten im Hauptstudium in Lübeck, und Swantje hat mich gefragt, ob ich mitspielen möchte. Das waren insgesamt 17 Konzerte, und für mich war es natürlich reizvoll mal sechs Wochen etwas ganz anderes zu machen, und überhaupt diese tolle Gelegenheit zu bekommen. Und so bin ich beim Thema Wetter eingestiegen, was lustig ist, weil ich nämlich eigentlich Wetterfrosch bin. Wenn ich nicht Geigenunterricht gehabt hätte, wäre ich bestimmt Meteorologe geworden, und ich kann mich bis heute nicht von diesen Büchern trennen. Weather war aber auch ein einmaliges Projekt, mit einer Bühne, wo man übereinander sitzt wie im Regal. Ein Stimmführerposten wurde dann frei, als Tobias Geschäftsführer wurde, und mir diese Aufgabe jetzt mit Swantje zu teilen macht Riesenspaß, auch wenn wir deswegen manchmal nicht beide zusammen auf eine Familienfeier gehen können.

 

Was hat die Ansiedelung des Ensemble Resonanz in Hamburg für dich bedeutet?

Man sagt ja einmal Hamburg, immer Hamburg, und ich gestehe, dass dieser Spruch auch auf mich zutrifft. Ich bin in Hamburg geboren, und mit dem Ensemble hierher zurückzukehren war eine große Sache für mich. Aber auch eine total schlüssige, weil damals 50, 60 Prozent unserer Mitglieder Hamburger waren. Klar war, dass es unglaublich schwer werden würde, das war ja fast wie ein Neuanfang.

 

Was wünschst du dir für den weiteren Weg des Ensemble Resonanz? 

Dass uns regelmäßig der Sprung über den Teich gelingt. Wir haben ja schon Mexiko- und Indien-Tourneen mit dem Goethe-Institut gemacht, und immer mal wieder so einen Perspektivwechsel zu haben finde ich wichtig für das Ensemble. Genauso braucht man selbst regelmäßig Auszeiten vom Ensemble, deshalb wünsche ich mir auch, dass es immer klappt eine Balance zu haben zwischen diesem intensiven Arbeiten und einigen Tagen frei für Anderes. Weiterhin neue Impulse von außen zu bekommen wünsche ich mir noch, und natürlich einen eigenen Proberaum, mit Stimmzimmern und einem Ruhezimmer, denn Kopf in den Nacken und zehn Minuten Power-Napping ist für mich ein Traum.