david-maria gramse

Der in Deutschland geborene Geiger David-Maria Gramse erhielt seinen ersten Unterricht mit fünf Jahren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er zunächst an der Musikhochschule Lübeck bei Prof. Wilfried Laatz und später bei Florian Donderer am Prins Claus Conservatorium in Holland. Weitere wichtige künstlerische Impulse erhielt er im Rahmen von Meisterkursen unter anderem von Barbara Westphal, Nora Chastain und Walter Levin. David-Maria Gramses besonderes Interesse gilt der Arbeit mit kleineren Besetzungen vom Duo bis zum Kammerorchester, sowie der Auseinandersetzung mit der Aufführungspraxis älterer Musik. So spielt er mit verschiedenen Ensembles und Kammerorchestern, sowohl auf modernen Instrumenten mit dem Ensemble Resonanz oder der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, als auch auf historischen Instrumenten mit dem Pariser Orchester Le Cercle de l‘Harmonie, dem Hamburger Barockorchester Elbipolis, dem Balthasar-Neumann-Ensemble oder dem Wiener Ensemble moderntimes_1800. Ein Schwerpunkt seiner kammermusikalischen Arbeit ist das Duo mit der Akkordeonistin Franka Herwig, in dessen weit gefächertem Repertoire, welches Werke von der Renaissance bis in die aktuelle Musik umfasst, sich diese Vielfalt ebenfalls widerspiegelt. David-Maria ist seit 2011 Mitglied des Ensemble Resonanz.

David-Maria Gramse © Jonas Lindstroem
David-Maria Gramse © Jonas Lindstroem

Ein Plausch mit David-Maria Gramse

Hast du als allerletzter Neuzugang schon eine Lieblings-Erinnerung mit dem Ensemble Resonanz?

Ehrlich gesagt nein. Es gibt einfach kein einzelnes herausstechendes Ereignis, sondern ganz viele tolle Situationen, an die ich mich gerne erinnere. Das eigentlich Besondere in meiner Beziehung zum Ensemble ist das unglaubliche Wohlbefinden, das ich hier empfinde. Das liegt zunächst einmal daran, dass ich mich mit jedem, der irgendwie am Ensemble Resonanz Teil hat, also jedem einzelnen von meinen Kollegen und auch den Mitarbeitern im Büro, persönlich wahnsinnig wohl fühle. Das ist sehr, sehr wichtig. Das zweite ist, dass die Struktur, und das ist erst einmal schlicht die Anzahl der Musiker, für mich einen großen Vorteil darstellt, weil ich zum einen sehr gerne Orchester spiele, aber eben auch Kammermusik. Und in dieser Größe kann man Orchester spielen, aber in der Art zu kommunizieren kammermusikalisch sein, und das finde ich sehr reizvoll. Man hat in jedem Moment des Musizierens die Möglichkeit mit jedem anderen Musiker direkt Kontakt aufzunehmen. Das Musizieren, die Kommunikation innerhalb und auch außerhalb der Proben, alles ist sehr direkt und persönlich und ohne Zwischeninstanzen, und das ist mir sehr wichtig. Und dann ist es mir sehr lieb, in all die Prozesse Einblick zu haben, die über das Proben und Spielen des Konzerts hinaus zu einem Konzert führen, also die Programmfindung und die Programmgestaltung zum Beispiel. Diese Prozesse mitzugestalten ist hier in dieser Organisationsform möglich und eine tolle Herausforderung.

 

Was machst du, wenn kein Ensemble-Resonanz-Projekt ansteht?

Ich spiele auch mit einigen anderen Formationen, aber das sind alles Ensembles mit einer ähnlichen Struktur. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist der größte Organismus, mit dem ich zu tun habe, und der kleinste und intimste wäre mein Duo mit einer Akkordeonistin. Diese Ensembles haben aber alle unterschiedliche Schwerpunkte, in einigen spiele ich zum Beispiel auch auf historischen Instrumenten. Das ist für mich sehr bereichernd, weil die Leute dort durch ihre Reduzierung und Fokussierung auf ein bestimmtes Repertoire absolute Spezialisten sind und einfach noch genauer hingucken, als man das tun kann, wenn man sich nicht mit dem gesamten Repertoire beschäftigt. Da kann ich sehr, sehr viel lernen, ganz abgesehen davon, dass mir das Spielen der historischen Instrumente ganz einfach Spaß macht. Außerdem ist es reizvoll mit diesen Ensembles auf dem Weg ein bisschen die Welt kennenzulernen, mit einem Barockorchester war ich letztes Jahr in Bolivien, mit der Kammerphilharmonie in Japan, Kanada und den USA auf Tour, und mit dem Orchester Le Cercle de l’Harmonie verbringe ich mehrere Wochen im Jahr in Paris.

 

Und in deiner Freizeit?

Ich würde in meinem Fall nicht so eine große Trennung zwischen Freizeit und Arbeitszeit vornehmen, weil Entwicklung und an sich Arbeiten, was man vielleicht zuerst einem beruflichen Zusammenhang zuschreiben würde, für mich auch in der Freizeit immer eine Rolle spielt. Genauso findet Spaß und Entspannung auch im Arbeitsalltag statt. Es kommt vor, dass ich beim Arbeiten sitze, mit den anderen probe und mir dann irgendwann der Gedanke kommt, ach ja, Mensch, du wirst ja auch noch dafür bezahlt, wie toll! Aber genauso hört das mich Beobachten, an mir Arbeiten, das Üben, die Beschäftigung mit Kommunikation auch im Alltag selten auf. Ich mache seit einigen Jahren Aikido, eine japanische Kampfkunst, in der es auch um Körperbeherrschung und Kommunikation geht, also im Grunde darum, wie ich mit anderen Menschen umgehe. Das ist auch eine Tätigkeit, bei der man Körper und Geist vereinen muss, ganz ähnlich zum Geigen eigentlich. Ich begegne im Aikido wie beim Geigen all meinen Schwächen und Qualitäten und versuche mich zu entwickeln, das heißt es gibt einen Übungsweg in meinem Privatleben, der meinem beruflichen Übungsweg ganz ähnlich ist. Es geht schlicht darum mich selber und die Welt besser kennenzulernen und alles so intensiv wie möglich wahrzunehmen, überall zu üben und zu suchen.

 

Was willst du mit dem Ensemble Resonanz unbedingt noch erleben?

Etwas Spezielles gibt es da nicht. Ich bin gerne an schönen Orten, ich spiele gerne in schönen Konzertsälen, aber das ist für mich nicht das Eigentliche. Es ist für mich auch nicht wichtig auf bestimmten Festivals zu spielen. Wirklich wichtig ist mir, dass es gelingt, die Probleme in der alltäglichen Arbeit zu lösen, beim Spielen der Musik, beim Kommunizieren und im Miteinander. Alles andere spielt eine untergeordnete Rolle.

 

Ohne Rücksicht auf Zeit, Geld und Verpflichtungen: Was wäre dein Ziel für eine lange Reise?

Ich würde keine Reise machen, sondern ich würde gerne zwei, drei Jahre in New York leben. Ich bin ein großer Freund von großen Städten, ich mag einfach diese Ballung von Leuten, auch wenn es draußen auf der Straße nachts noch laut ist, stört mich das nicht beim Schlafen. Und ich bin ein großer Freund der Popkultur, klassische Musik zum Beispiel spielt in meinem Privatleben, wenn man’s denn trennen will, keine Rolle. Ich höre privat ausschließlich Popmusik und interessiere mich auch allgemein sehr stark für Popkultur und New York ist der Ort dafür. Ich fühle mich grundsätzlich an Orten wohler, an denen man nicht nur Leute von einer Sorte hat, sondern ich suche die Vielfalt, das Bunte, das Andere. Paris zum Beispiel ist eine wunderschöne Stadt, aber eben ganz extrem französisch und sehr von dieser typischen Pariser Kultur geprägt. Das ist interessant und es ist schön, in kleinen Häppchen daran Teil zu haben, aber auf Dauer würde mich das langweilen und wäre es mir zu gleichförmig. Mir sind immer Orte lieber, an denen es bunt ist. In Hamburg wohne ich jetzt seit Mai und was ich da bisher erlebt habe, macht mir großen Spaß und Lust auf mehr. Ich freue mich sehr, hier zu sein.