corinna guthmann

1971 in Lahr (Schwarzwald) geboren, erhielt Corinna Guthmann ihren ersten Violinunterricht im Alter von fünf Jahren. Ab 1983 war sie Schülerin der Pflügerstiftung Freiburg unter musikalischer Leitung von Prof. Wolfgang Marschner. Nach dem Abitur studierte sie bei Prof. Nicolas Chumachenco an der Musikhochschule in Freiburg und später bei Ulrich Edelmann an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Dort machte sie 1999 ihr Examen. Seit 1998 ist sie festes Mitglied des Ensemble Resonanz. Daneben ist sie regelmäßig als Gast bei diversen Ensembles tätig wie z. B. beim Balthasar-Neumann-Ensemble, dem Südwestfunkorchester Freiburg/Baden-Baden,der Kammerakademie Potsdam, dem Ensemble Oriol Berlin, dem Rundfunksinfonieorchester Berlin, dem Berlin Revue Orchester oder dem Kammerkunstverein Hamburg. 

Corinna Guthmann © Jonas Lindstroem
Corinna Guthmann © Jonas Lindstroem

Fröhliches Drauflos-Geschabe mit Corinna Guthmann

Du bist in Lahr im Schwarzwald aufgewachsen, wo es eine Musikschule gibt, aus der beachtlich viele gute Musiker hervorgegangen sind, allen voran Tabea Zimmermann. Was wurde dort besonders richtig gemacht?

Eine Gruppe von Lehrern war auf ziemlich fortschrittlichen Pfaden unterwegs. So wurde zum Beispiel von Beginn an auf gemeinsames Musizieren gesetzt. Sobald man seinem Instrument einigermaßen annehmbare Klänge entlocken konnte, durfte man ins sogenannte Liederorchester, wo mit vielen anderen Kindern fröhlich drauflos geschabt wurde. Für uns junge Instrumentalisten war das ein Riesenspaß und zugleich der Anreiz, es auf die nächste Stufe, ins Kinderorchester zu schaffen. Zum krönenden Abschluss folgte dann das Sinfonieorchester, mit dem es auf lustige Orchesterfreizeiten und spannende Konzertreisen ging. Dazu kam noch das Singen im Chor und der Unterricht in unterschiedlichen Kammermusik-Formationen. Ich habe also einen Großteil meiner Freizeit an und mit dieser Musikschule verbracht, es war einfach immer was los, und bis heute habe ich Freundschaften aus dieser intensiven Zeit. Als Kind registriert man das Konzept dahinter natürlich nicht so, aber rückblickend finde ich es logisch, dass ich heute in einer kammermusikalischen Besetzung mein Glück finde. Und meine allererste Mucke war tatsächlich mit Tabea an der Bratsche. Ich war wohl so sieben oder acht Jahre alt, und wir haben in kleiner Besetzung in einem Weihnachtsgottesdienst in der Martinskirche in Lahr-Dinglingen gespielt. Ich glaube es gab zwanzig D-Mark dafür.

 

Was hat bei dir den Ausschlag gegeben, das Geigen zum Beruf zu machen?

Mit etwa vierzehn habe ich angefangen mich bewusster und ernsthafter mit der Geigerei zu befassen und Unterricht in Freiburg bei Hochschul-nahen Lehrern zu nehmen. Trotzdem war ich mir nach der Schule noch nicht ganz sicher. Ich hätte mir auch etwas mit Kunst und Bühnenbildnerei vorstellen können. Mit den Aufnahmeprüfungen und dem Beginn des Musikstudiums nahmen die Dinge dann ihren Lauf. Ich weiß aber noch, dass ich in einer tieferen Geigen-Krise mal bei der Augsburger Puppenkiste angerufen habe um zu fragen, ob sie nicht jemanden brauchen könnten. Vielleicht wäre ich heute woanders, wenn damals jemand ans Telefon gegangen wäre.

 

Stattdessen musizierst du mit dem Ensemble Resonanz und Menschen wie Riccardo Minasi. Was schätzt du besonders an ihm und was kann er dem Ensemble mitgeben?

Riccardo verströmt eine unglaubliche Energie und fährt nie auf Reserve. Seine große Lust am Ausdruck ist einfach mitreißend. Außerdem weiß er viele hintergründige und inspirierende Dinge zu erzählen. Er ist ein Vulkan an Ideen und gerade für den Bereich der Musikgeschichte, den er repräsentiert, ist das sehr bereichernd fürs Ensemble.

 

Wo geigst du außerhalb des Ensembles am liebsten?

Ich komplettiere gerne das Repertoire. Gelegentlich eine Mahler-Sinfonie oder etwas ähnlich Gigantisches im großen Orchester zu spielen ist einfach toll, die volle Dröhung halt. Eine andere große Liebe gehört der Alten Musik und so bin ich zunehmend mit der Barockgeige unterwegs. Ergibt es sich, spiele ich auch mal mit Freunden im Studio Film- oder Hörspielmusik ein.

 

Du engagierst dich seit vielen Jahren im Vorstand des Ensembles. Was ist dir in dieser Funktion besonders wichtig?

Zuerst einmal gucke ich gerne hinter die Kulissen und möchte wissen, wie alles so funktioniert und zusammenläuft. Außerdem empfinde ich es als ein großes Glück, meinen Arbeitsplatz und unsere Träume mit gestalten zu können. Organisation und Kommunikation liegen mir, worum es in meiner Funktion als Verbindung zwischen Musikern und Geschäftsführung ja vor allem geht, und die wirklich gute Teamarbeit hilft über so manche Schwierigkeit hinweg. Nichtsdestotrotz muss der Job wie ein Wanderpokal bald mal wieder in anderen Händen landen, zumal ich diese Aufgabe, dadurch dass ich in Berlin lebe, einfach nicht mit der Präsenz ausfüllen kann, die ich mir wünschen würde.

 

Fast wäre die DB-Lounge am Hauptbahnhof unser Treffpunkt geworden. Hast du das Reisen manchmal satt?

Eigentlich habe ich viel Spaß am Reisen, egal ob auf Tournee oder im Urlaub. Aber dass bei mir berufliches Zentrum und meine Familie nicht an einem Ort vereint sind, ist physisch wie psychisch ziemlich anstrengend. Die Strecke Berlin-Hamburg macht mir überhaupt nichts aus, da kann man toll lesen, arbeiten oder gar nichts tun. Es geht mehr darum, nicht an beiden Orten gleichzeitig sein zu können.