benjamin spillner

Benjamin Spillner wurde 1978 in Berlin geboren. Im Alter von sieben Jahren bekam er seinen ersten Geigenunterricht an der Musikschule Tiergarten, mit zehn Jahren erhielt er Unterricht bei Frau Anne-Marie Brunner-Vince. Ab 1997 studierte er in Karlsruhe bei Ulf Hoelscher und belegte Kurse u. a. bei Prof. Munteanu und Peter Eötvös. Seit 2001 ist er Mitglied des Ensemble Resonanz sowie Konzertmeister der Heidelberger Sinfoniker. Daneben spielt er als Gast u. a. beim Ensemble Modern, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, der musikFabrik NRW, dem Ensemble Aventure und ascolta. Er ist sowohl kammermusikalisch als auch solistisch tätig. Seit 2001 ist er Mitglied des Ensemble Resonanz. 

Zufallsprinzip mit Benjamin Spillner

In der Liste deiner Ausbilder kommen sowohl Spezialisten für technische Perfektion wie Ulf Hoelscher als auch Neue-Musik-Legenden wie Peter Eötvös vor. Wer hat dich als Geiger am meisten geprägt?

Wenn ich ganz ehrlich bin, das Ensemble Resonanz. Klar bringt Unterricht bei Ulf Hoelscher viel für den motorischen Apparat, und mit Dozenten wie Peter Eötvös zu arbeiten ist enorm interessant, aber prägender ist für mich tatsächlich, mit wem ich täglich auf Augenhöhe arbeite.

 

Und wie kam es, dass du dich für das Ensemble Resonanz entschieden hast?

Ich muss gestehen, dass ich da genauso reingepurzelt bin wie schon ins Musikstudium. Als Kind war ich zuerst an einer Musikschule mit zwei russischen Lehrern gelandet, die richtig hartes Trainingsprogramm gemacht haben. Auch mit halb acht war ich noch das sechsjährige Wunderkind, obwohl ich mit sieben erst angefangen hatte, und selbst mit einem Gips-Arm habe ich noch üben müssen. Glücklicherweise bin ich bald zu Suzuki gekommen, wo ich echt locker lassen und Geigen mehr von der spielerischen Seite angehen konnte. Und auf einem Suzuki-Vorspiel wiederum war mal eine Privatlehrerin da, die in sich hineinbrummelte, ach welch verschwendetes Talent, und meine Mutter stand genau daneben. Bei ihr hatte ich Unterricht bis sie mir gesagt hat, ich soll zum Studieren nach Karlsruhe gehen, was ich ganz unmündig einfach gemacht habe. Insgesamt ein glücklicher Zufall, hätte auch ganz anders laufen können. Und nach vier Jahren Studium hat mich Tobias angerufen, der mich aus Karlsruhe kannte, und gesagt, komm doch mal vorbei beim Ensemble. Spaß hat’s auf Anhieb gemacht, und das zweite Projekt war schon die Goldberg-Produktion, ein extrem einschneidendes Erlebnis. Ich erinnere mich noch, dass ich nachts um halb drei mit Niki an der Wurstbude bei der Davidwache auf der Reeperbahn stand und er mir steckte, dass die Geigen einen Anschlag auf mich vorhaben. Als dann die offizielle Anfrage kam, ob ich Interesse hätte einzusteigen, war das für mich gar keine Frage, sondern einfach logisch, dass ich das machen muss. Zum gleichen Zeitpunkt haben mich auch die Heidelberger Sinfoniker für eine Konzertmeister-Stelle angefragt, so dass ich die Aussicht hatte, mit zwei freien Orchestern meine Existenz zu bestreiten und spannende Projekte zu machen.

 

Heute hast du darüber hinaus noch dein eigenes Streichquartett. Was geben dir diese anderen Formationen im Gegensatz zum Ensemble Resonanz?

Im Quartett ist jede Stimme auf einen einzelnen Spieler reduziert, man ist Solist mit drei Mit-Solisten, mit denen man möglichst gut funktionieren muss. Ein Stück weit kann mir das Ensemble natürlich auch das geben, aber nicht in derselben Konsequenz. Wir wollen zum Beispiel mit dem Prisma-Quartett Unterricht nehmen und mal an einem Wettbewerb teilnehmen. Als Tutti-Spieler im groß besetzten Ensemble Resonanz wiederum habe ich die schöne Aufgabe meine Antennen überall zu haben, mich einzuhaken, wirklich zu versuchen genau nachzugehen, was mein Stimmführer gerade tut. Bei den Heidelbergern dagegen bin ich Konzertmeister und habe die Aufgabe den Interpretationsprozess selbst zu gestalten. Und spiele zu 80 Prozent Haydn. Das Ensemble Resonanz hat wiederum meine Affinität zu Neuer Musik überhaupt erst geweckt. Die Felder sind so abwechslungsreich, das ist der Reiz.

 

Und was machst du am liebsten, wenn du nicht Geige spielst?

Schlafen. Und ich habe dem Assistenten vom Hoelscher nie glauben wollen, der immer gesagt hat, pass mal auf, üb doch jetzt im Studium, später hast du keine Zeit mehr und wirst um jede Stunde, die du üben kannst, froh sein. Aber tatsächlich ist das so, beim ganzen Spielen geht man ein bisschen verloren als eigene Person, und mal eine Stunde mein Zeug zu üben ist so reinigend, erfrischend für den Kopf. Außerdem koche ich leidenschaftlich gern, wenn Zeit ist, und ich gucke gerne Filme, am liebsten Sci-Fi-Scheiß ohne Anspruch.

 

Genau, dein ausgeprägtes Interesse für Technik – siehst du eine Verbindung zwischen Faszination Musik und Faszination IT bei dir?

Das hat überhaupt keine Berührungspunkte. Diese Affinität kommt vielleicht von meinen Eltern, beides Diplom-Ingenieure, speziell mein Vater war ein echter Technik-Junkie, der nachts die ersten Gehversuche mit Internet und Modem gemacht hat, während alle schliefen. Ich find’s irgendwie spannend, bin auch ab und zu auf Hardware-Foren unterwegs und gucke, was es Neues gibt. Und im Abi habe ich Physik-Chemie-Leistungskurs gehabt, das hatte ich damals schon als Ausgleich zur Musik gedacht.