benedict ziervogel

Benedict Ziervogel stammt aus Wien/Österreich und erhielt seinen ersten Kontrabassunterricht im Alter von 16 Jahren am Kärntner Landeskonservatorium. Nach dem Abitur folgte ebendort ein Vollstudium in den Fächern Kontrabass, Komposition und Dirigieren. Weitere Studien absolvierte er an der Kunstuniversität Graz (Kontrabass bei Johannes Auersperg, Violone/Viola da gamba bei Lorenz Duftschmid) sowie an der Musikhochschule Zürich bei Prof. Duncan McTier (Kontrabass) und schloss diese jeweils mit Auszeichnung ab. Es folgten Engagements an der Wiener Volksoper, dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich und als Solobassist im Orchestra Ensemble Kanazawa/Japan, sowie im Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. 

 

Er war Professor an der Gustav Mahler-Akademie Bolzano/Bozen und der Internationalen Sommerakademie Feldkirchen. Seit 2012 ist er Leiter einer Kontrabassklasse am Prayner Konservatorium für Musik und dramatische Kunst Wien. Zahlreiche Engagements führen ihn immer wieder u. a. an die Oper Zürich, zum Stuttgarter Kammerorchester, dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim und dem Ensemble musikFabrikSeit 2013 ist er Solobassist im Ensemble Resonanz.

 

Benedict Ziervogel ist nicht nur als leidenschaftlicher Kammermusiker im In- und Ausland bekannt - er beschäftigt sich sehr intensiv mit der historischen Aufführungspraxis mit besonderem Schwerpunkt „Wiener Klassik“-, sondern auch als Experte für zeitgenössische Musik. Dafür sprechen zahlreiche Uraufführungen und Kompositionsaufträge.

 

Benedict Ziervogel © Jonas Lindstroem
Benedict Ziervogel © Jonas Lindstroem

Angekommen mit Benedict Ziervogel

Seit einer Woche bist du neuestes Mitglied des Ensemble Resonanz. Wie fühlt sich das an, und worauf freust du dich jetzt besonders?

Ich bin sehr glücklich und hoffe ganz einfach, dass es genauso weitergeht wie bis jetzt. Die Musizierfreude, der Zusammenhalt im Ensemble und die Herangehensweise an die Stücke lassen mich mit großer Freude zur Probe gehen. Jeder kommt so gut vorbereitet, dass man im Zusammenspiel über manche Sachen gar keine Worte mehr verlieren muss. Besonders freue ich mich in nächster Zeit darauf in der Zusammenarbeit mit Tabea Zimmermann das Bratschenrepertoire zu durchleuchten. Da gibt es ja schon eine gewisse Gemeinsamkeit zum Kontrabass, dass man so ein bisschen zu den Randgruppen zählt und das Repertoire nicht so vielfältig ist, was aber auch bedeutet, dass man unbekanntere Stücke hervorholen kann, die manchmal richtige Entdeckungen sind.

 

Wie hast du den langen Weg zum Mitglied mit Probespiel, Probeprojekten und Probejahr empfunden?

Am ungemütlichsten ist die Zeit im Trial, wenn man seine Probeprojekte schon gespielt hat und warten muss, bis die anderen Kandidaten auch fertig sind. Da fiebert man dem Tag entgegen, an dem irgendeine Antwort kommt. Das Probejahr fand ich wesentlich entspannter, weil dann alle Faktoren bei einem selbst liegen und keine Einflüsse mehr von außen kommen. Dass es dann so schnell ging, war eine schöne Überraschung, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.

 

Bleibt deine Heimat trotzdem in Wien?

Ja klar! Heimat bleibt Heimat! Und Wien bleibt Wien! Wir haben allerdings schon ins Auge gefasst uns in Hamburg umzuschauen. Ich habe gehört, dass irgendeine Wohnung zu finden eine langwierige Angelegenheit ist, deshalb fangen wir am besten bald einmal damit an.

 

Du hast das sperrigste Instrument und bist von den Ensemble-Mitgliedern trotzdem am meisten unterwegs, oft auch per Flugzeug. Wie geht das, und was sind deine schönsten Reise-Anekdoten mit Kontrabass?

Das ist hauptsächlich eine Frage der Logistik und langfristiger Planung, wann welches Instrument wo steht, wie man das mit dem Hin und Her macht und so weiter. Da gehen Stunden am Schreibtisch drauf um zu schauen, wie sich alles ausgeht. Die Sprüche unterwegs wiederholen sich immer wieder. Im Zug die Nummer eins: „Wär’ nicht die Flöte leichter gewesen?“ Herrlich war es immer, als man den Bass noch in der Flugzeugkabine mitnehmen durfte. Man musste einen Sitz kaufen und bekam dann einen Spezialservice, zum Großgepäck röntgen und einen direkten Transfer zum Flugzeug. Die Leute mussten dann draußen warten, bis der Bass mit einem großen Seil auf seinem Sitz angeschnallt war und der Kapitän das Okay gab, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Die kantigen Gesichter dieser Menschen, die sich fragten, was hier vor sich geht, haben etwas Komisches gehabt. Aber das machen die Fluggesellschaften seit einigen Jahren nicht mehr, fliegen geht jetzt nur noch mit Koffer im Gepäckraum, und seitdem fliege ich nur mit Bass, wenn es wirklich nicht anders geht, oder Orchesterwarte dabei sind.

 

Dein liebstes Langstrecken-Ziel ist Japan. Was verbindet dich mit diesem Land?

Ich hatte immer schon Interesse an dem Anderen, und Asien fasziniert mich irgendwie. Seit ich meine Frau kennengelernt habe, in Österreich allerdings, habe ich noch mehr Grund regelmäßig nach Japan zu reisen. Ich liebe das Essen dort, alles außer Natto, vergorene Sojabohnen, die ich trotz mehrerer Anläufe nach wie vor nicht runterbekomme. Außerdem finde ich es spannend im Laufe der Jahre immer mehr Feinheiten in der Mentalität zu verstehen. In Japan darf man viele Antworten nicht wörtlich auffassen, sondern die Bedeutung kann etwas ganz anderes sein als das, was sie sagen. Ansonsten sind Tritte ins Fettnäpfchen vorprogrammiert. Dass ich inzwischen gut Japanisch sprechen kann, erleichtert natürlich die Verständigung.

 

So, und wenn du dann mal deine Destination erreicht hast, was ist dir das wichtigste kurz vor der Probe?

Ein guter Kaffee. Und ein paar Minuten Ruhe um anzukommen, sich mental einzustellen und den Körper einmal durchzuknacksen.