barbara bultmann

Barbara Bultmann studierte an den Musikhochschulen in Köln bei Prof. Saschko Gawriloff und in Basel bei Thomas Füri. Während dieser Zeit spielte sie sechs Jahre in der Jungen Deutschen Philharmonie, im European Union Youth Orchestra und im Improvisationsensemble Baader 66. Neben kammermusikalischen und solistischen Tätigkeiten spielt Barbara Bultmann u. a. bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, der Musikfabrik NRW sowie im Konzerthausorchester Berlin und als Gast-Konzertmeisterin bei der Kammerakademie Potsdam und dem Münchener Kammerorchester. Sie ist Gründungsmitglied und Konzertmeisterin des Ensemble Resonanz.

Barbara Bultmann © Jonas Lindstroem
Barbara Bultmann © Jonas Lindstroem

Unter den Hamburger Linden mit Barbara Bultmann

 

Du bist Gründungsmitglied des Ensemble Resonanz – was hat dich so lange dabei bleiben und nie ein anderes berufliches Zentrum suchen lassen, trotz all der Schwierigkeiten, die immer wieder auftreten?

Die Möglichkeit so zu arbeiten, wie ich es als Ideal empfinde, in einem Kollektiv, das einen unbedingten Willen zum Mitplanen, zum Mitdenken und zum gemeinsamen Gestalten hat. Egal, wo ich sonst spiele und wie viel Spaß es auch anderswo macht, bin ich immer wahnsinnig froh, dass ich das Ensemble Resonanz habe.

 

Und du hast nie über eine Alternative nachgedacht?

Nicht wirklich. Außer ganz am Anfang. Da habe ich nicht hundertprozentig daran geglaubt, dass wir so etwas schaffen können, und war dann fast erstaunt über die Kraft in der Gruppe. Natürlich gab es auch immer wieder Einbrüche. Als wir verstanden hatten, dass wir es wirklich alle ernst meinen, gab es einen enormen Schub, in den folgenden Jahren haben wir sehr viel investiert. Und gemerkt, dass es in der Konstellation, die wir damals hatten, nicht funktionieren würde, weil es zu viele Richtungen gab, in die wir uns entwickeln wollten. Es gab dann einen Bruch, wo ganz viele ausgestiegen sind und man dachte, jetzt ist es vorbei. Aber als sich der Rauch etwas gelichtet hatte, stellte sich heraus, dass es sieben Leute gab, die unbedingt weitermachen wollten, und man hatte das Gefühl, dass es genau die richtigen sind. Wir haben es also noch einmal versucht und sind allmählich wieder zu einem 18-köpfigen Ensemble gewachsen.

 

Was bleiben für dich die zentralen Herausforderungen beim Projekt Ensemble Resonanz?

Wach zu bleiben. Sich nicht auf dem auszuruhen, was man erreicht hat. Kritisch zu bleiben. Manche Sachen, an die man sich gewöhnt hat, sind vielleicht gar nicht so ideal, und die immer wieder zu hinterfragen ist schwer. Eine zwar schöne aber wirklich schwierige Herausforderung ist die Gratwanderung, die es bedeutet, dass alle Ensemble-Mitglieder tatsächlich Freunde von mir sind. Das macht es nicht leichter auf eine gute Art aneinander Kritik zu üben.

 

Als Konzertmeisterin trägst du eine besondere künstlerische Verantwortung für das Ensemble. Wie fühlt sich das an?

Zum Glück nicht allein gelassen. Führungspositionen im Musikbetrieb können sehr einsam sein. Bei uns empfinde ich es als sehr angenehm, dass wir das Tutti als Kollektiv und die Stimmführer haben, die auch gemeinsam Verantwortung übernehmen. Klar bin ich oftmals diejenige, die sagt, wo es lang geht, aber meistens führe ich eher als eine Art Moderatorin durch die Proben, wenn von anderen Leuten noch wichtige und richtige Anmerkungen kommen.

 

Apropos Führungsposition – was macht für dich einen guten Dirigenten aus?

So vieles, dass es meines Erachtens erstaunlich wenige gibt. Ein guter Dirigent hat von jedem Stück eine ganz klare Vorstellung, die er sowohl durch seine Gestik als auch durch seine Probenkommunikation auf das Orchester übertragen kann. Er ist in der Lage, das Ensemble sowohl als Kollektiv wahrzunehmen als auch einen Blick für einzelne zu behalten, eine freundliche Atmosphäre zu schaffen, mitzureißen, seine Zeit einzuteilen und mit dem Orchester einen ganz klaren Weg durch das Stück zu gehen. Er braucht pädagogische Fähigkeiten, psychologische, körperliche, und ein gewisses Charisma. Ein krasser Job.

 

Und deswegen macht ihr’s auch lieber ohne.

Ich finde es absolut großartig, mit einem tollen Dirigenten zu spielen. Aber natürlich ist das Arbeiten ohne Dirigent ein ganz anderes. Es ist mehr wie ein Quartett, eine Kammermusik in etwas größerer Form. Ich mag daran, dass wir zusammen eine Interpretation suchen, zum Beispiel indem meine Mitspieler Einwände anbringen, die zu einer Diskussion führen. Jeder muss die Partitur sehr gut kennen, wissen, wo er hinhört und wann er die Führung übernimmt, denn es geht ja nicht alles nur vom Konzertmeister aus.

 

Was ist dir über die Musik hinaus noch besonders wichtig in deinem Leben?

Natürlich meine Familie, mit der ich in Berlin lebe. Ich habe zwei Arten von Alltag. Der eine findet in Hamburg statt, dort bin ich vor allem zum Arbeiten und begleite das Familienleben nur aus der Ferne. In Berlin übe ich, während die Kinder in der Schule sind, Nachmittag und Abend werden von der Familie bestimmt. Ich finde es eine schwere Aufgabe, beides gut miteinander zu verbinden, manchmal ist es tatsächlich eine Zumutung für meine Kinder und meinen Mann, wenn ich viele Tage eines Monats nicht zu Hause bin. Und ich bin sehr dankbar für das Verständnis, das sie meistens aufbringen.