anne hofmann

Anne Hofmann, Kontrabass, wurde 1973 in Berlin geboren. Zunächst erhielt sie mit acht Jahren Violinunterricht, bevor sie im Alter von 14 Jahren zum Kontrabass wechselte. Begeistert durch ihren ersten Lehrer Wolfgang Zell, begann sie 1992 das Kontrabassstudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin bei Prof. Barbara Sanderling. Nach ihrem Diplom setzte sie ihre Studien bei Prof. Wolfgang Güttler in Karlsruhe fort. Ihr Hauptinteresse gilt seit jeher dem kammermusikalischen Musizieren. Seit 1997 ist sie Solobassistin im Ensemble Resonanz. Daneben spielt sie als Gast bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Ensemble Modern, der musikFabrik NRW, dem Münchener Kammerorchester u. a. Im Jahr 2003 wurde sie Solobassistin der Kammerakademie Potsdam und des Ensemble Oriol Berlin. Anne Hofmann lebt mit ihrem Sohn in Potsdam.

Anne Hofmann © Jonas Lindstroem
Anne Hofmann © Jonas Lindstroem

Schöne Aussicht bei Anne Hofmann

Du arbeitest fest bei zwei Ensembles in zwei Städten – wie sieht dein Leben aus? 

Ich bin ja eigentlich Berlinerin und habe 30 Jahre sehr gern dort gelebt. Jetzt wohne ich in der traumhaft schönen Stadt Potsdam, die besser zu meinem jetzigen Lebensgefühl passt. Sie ist klein, die Wege sind kurz, alles ist nicht so hektisch, ich habe irrsinnig viel Grün und aus meiner Wohnung einen direkten Blick auf Schloss Sanssoucis. Mit meinem Kind einfach raus in den Park zu gehen ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, die Schönheit zu genießen und mich so zu entschleunigen. Oder mit dem Fahrrad einfach nur los zum nächsten See. Und das Tolle ist ja, dass ich mindestens einmal im Monat in Hamburg bin und das Großstadtflair mitnehmen kann, so dass die Balance stimmt. Auch was die Ensembles angeht ist es schön, immer wieder zwei verschiedenen Einflüssen ausgesetzt zu sein, man wird nicht so schnell müde oder betriebsblind. Schwierig ist das Umschalten und in der jeweiligen Problematik anzukommen, denn jedes Ensemble erfordert und erwartet einen hohen Einsatz. Ein Geschenk des Himmels sind dabei meine Hamburger Gasteltern, die vor ungefähr fünf Jahren ohne mich zu kennen gesagt haben, dass bei ihnen gern ein Musiker wohnen kann. Inzwischen sind sie eine Zweitfamilie für mich, mit so viel Vertrauen und Nähe, dass ich auch deshalb immer wieder gerne nach Hamburg komme.

 

Wünschst du es dir manchmal anders, oder durch eine lange Reise mal auszubrechen?

Ich bin kein vom Fernweh geprägter Mensch und lebe gern in dem Leben, das ich habe. Ich bin sehr glücklich darüber, mein Hobby und meine Leidenschaft mit meinem Beruf verbinden zu können. Was gibt es Schöneres als das? Und im Kammerorchester fühle ich mich absolut zu Hause. Manchmal denke ich, ich wäre auch eine gute Ärztin geworden, aber es war so selbstverständlich, dass ich Musik studieren würde, dass ich damals über gar nichts anderes nachgedacht habe.

 

Wie kamst du zum Bass und wie ist euer Verhältnis

Ich habe mit acht Jahren mit Geige angefangen, aber mein Vater, der Bratscher ist, fand Kontrabass so toll und hat hinter meinem Rücken mit meiner Geigenlehrerin überlegt, dass man die Anne doch mal zu einer Bass-Stunde schicken könnte. Dort habe ich einen großartigen Lehrer getroffen, der meine Liebe zum Instrument geweckt hat. So richtig meins wurde der Bass aber erst, als ich Kammerorchester gespielt habe, da habe ich auf einmal eine ganz andere Rolle gespielt als jemals zuvor. Im Unterschied zum Sinfonieorchester ist man allein und nicht zu acht oder zehnt, das ist eine tolle Verantwortung, man ist so wahnsinnig wichtig als Fundament für alles, was dann darauf gebaut werden kann. Während des Studiums lernt man viele solistische Bass-Stücke, wobei es aber für Kontrabass gar nicht viele interessante Kompositionen gibt. In der Barockmusik basso continuo zu spielen finde ich zum Beispiel eine viel reizvollere große Spielwiese, die mir das Kammerorchester-Repertoire bietet.

 

Wann steigt eigentlich die nächste Ensemble-Party?

Ja, das ist ein kleines Armutszeugnis, dass wir das seit Jahren nicht mehr geschafft haben. Aber es zeigt auch irgendwie, wie eingebunden wir alle damit sind, unser Leben zu organisieren. Als wir zu Studentenzeiten in Diez große Motto-Partys wie die berühmte „Tropical“ mit dem Hula-Hoop-Wettbewerb gefeiert haben, waren wir noch viel freier als jetzt. Aber das war unser Grundstein, wir haben in diesem großen Haus immer gut zehn Tage alle gemeinsam gewohnt, in Zwei- und Dreibettzimmern, und 24 Stunden miteinander geteilt, gekocht, gefeiert und manchmal wirklich von morgens um zehn bis abends um zehn geprobt. Dass wir diese Erinnerungen zusammen teilen, macht vielleicht das besondere Flair in unserem Ensemble und diesen Zusammenhalt aus.

 

Was wünschst du dir für deine Zukunft mit dem Ensemble Resonanz?

Ich wünsche mir, dass wir als Ensemble ein richtiges Zuhause in Hamburg bekommen. Ich merke immer mehr, wie sehr es an uns zehrt, dass wir das nicht haben. Ein eigener Ort, mit Raum für Stimmproben, wo man immer hingehen kann, wir Leute zu uns einladen können, nicht immer Kompromisse machen müssen oder auf good will von anderen angewiesen sind. Auch generell wäre es wichtig etwas abgesicherter zu sein mit unseren Finanzen. Dass man sich jeden Monat so viel Stress machen muss, wie man überlebt, kostet einfach sehr viel Kraft, und die würde ich viel lieber ins Musizieren stecken.