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Von einfach bis extrem
Gewohnt mutig präsentierte sich das Ensemble Resonanz beim ersten Konzert seiner "Resonanzen"-Reihe im Kleinen Saal der Laeiszhalle. Mit Helmut Lachenmann und seinem Schüler Manuel Hidalgo standen der Urvater der "musica negativa" und einer seiner gelehrigsten Schüler auf dem Programm. Abgerundet wurde der Abend durch die Streichorchesterfassung von Beethovens Quartettklassiker op. 59 Nr. 2. Der Titel "Einfache Musik" von Hidalgos erstem Stück versprach zwar mehr, als die Musik hielt. Aber der Zwang zur kompositorischen Abrüstung kam diesem Avantgarde-Werk für Schülerorchester trotzdem hörbar zugute. Auf weiten Strecken hatte man das Gefühl, einem riesigen fremdländischen Saiteninstrument mit exotischen Tremoli und niedlichen kleinen, asiatischen Glissandi zu lauschen. Lachenmanns Streichquartett "Grido" entwickelt sich langsam zu einem Markenzeichen der Resonanzler. Und auch dieses Mal gelangen ihnen die geheimnisvollen Klanggemische dicht und suggestiv. So gut gespielt, pendelt das Werk auf rätselhafte Weise zwischen den Extremen schön und schockierend. Nur krass und weit entfernt von der stimmungsmäßigen Bandbreite und Intensität Lachenmanns war dagegen "Hacia", Hidalgos zweites Stück an diesem Abend. Und nicht ganz so extrem, wie er hätte sein können, um ihn als Ahnherrn aller Neutöner auszuweisen, fiel der Beethoven aus. Dessen kontrapunktische Rabiatheiten stechen beim vollen Streichersound weit weniger ins Ohr als beim puren Quartett-Klang. Mitreißend war er aber allemal.

Ilja Stephan, 10.10.2008, Hamburger Abendblatt


Neue Musik zwischen Geduldsprobe und Faszination
"Wenn das Publikum nicht zur Neuen Musik kommt, kommt die Neue Musik eben zum Publikum!" In seiner Eröffnungsrede brachte Hochschulpräsident Elmar Lampson am Sonntag die Idee des Projekts "KLANG!" auf den Punkt: Das Motto steht für eine bundesweite Netzwerkinitiative zur stärkeren Verbreitung der Neuen Musik.
Für den Hamburger "KLANG!"-Start hatte die hiesige Koordinatorin Tamara van Buiren in Kooperation mit der NDR-Reihe "das neue werk" ein Eröffnungsfestival mit sieben Veranstaltungen auf Kampnagel auf die Beine gestellt. Dabei zeigte sie nicht nur stilistische Vielfalt, sondern auch verschiedene Vermittlungsformen: Musikvermittlerin Irena Müller-Brozovic hat mit zwei Hamburger Klassen eine Choreografie zu Kagels "Die Stücke der Windrose" entwickelt, in der die Schüler ihre eigenen Gedanken pantomimisch und musikalisch umsetzen konnten. Sehr spannend etwa, wie die Neuntklässler des Luruper Goethe-Gymnasiums bei ihren Stichwort-Assoziationen zum Thema "Ferne" die Vokale verloren: So wurde aus "Strand" und "Känguru" allmählich "Strd" und "Kngr"; die Sprache verwandelte sich zunehmend in eine Sammlung von Klangpartikeln. Ein Weg, sich in Begegnung mit Neuer Musik selbst auszudrücken.
Für ihre sehr eigenen Wege sind auch die Mitglieder des Ensemble Intégrales bekannt: In einem moderierten Konzert, das einen interessanten Einblick in die Entstehung einer Komposition gewährte, präsentierten sie drei brandneue Stücke - und stellten mitunter die Geduld des geneigten Hörers mit elektronischen Sound-Spielereien auf die Probe.
Zwei ganz andere Tonfälle der Neuen Musik waren schließlich beim Konzert mit Werken von Kaija Saariaho - composer in residence - und Clara Maïda zu erleben: In ihrem "Mutatis Mutandis" für zwölf verstärkte Streicher ließ die Französin die famosen Musiker des Ensemble Resonanz Klänge von schmerzlicher Schärfe exerzieren: Als würde man mit Kreide auf einer Tafel quietschen, an einer Rasierklinge lecken und auch noch Spaß haben. Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist. Stark. Dagegen schwebt Saariahos "Tag des Jahrs" für Chor und Zuspielband auf nicht minder faszinierenden, irisierend zarten Klängen daher.
Und wie schon am Vorabend sorgte der glänzend aufgelegte NDR-Chor unter dem neuen Chef Philipp Ahmann für die vielleicht schönsten Töne des vielversprechenden Auftakts.

Markus Stäbler, 30.09.2008 Hamburger Abendblatt


Großartige Geräusche, kuriose Klänge
Ein krächzendes Schaben der Bogenhaare, direkt am Steg. Filigran flirrende Flageolett-Fiepser zwischen beißenden Dissonanzen. Und dann wieder zart gehauchte Rausch-Geräusche am Rande der Stille: Helmut Lachenmanns 2002 vollendetes Streichquartett "Grido" entfaltet eine große Palette unterschiedlicher Sounds und Farben. Mit ihrer unglaublich dichten, sorgsam differenzierten, organisch phrasierten Darbietung von Lachenmanns großartiger Geräuschmusik zogen die Mitglieder des Ensemble Resonanz die Hörer im Rolf-Liebermann-Studio in ihren Bann: ein packender Einstieg in das Eröffnungskonzert des Festivals "KLANG!-START" - zugleich auch der Saisonauftakt der NDR-Reihe "das neue werk".
Anschließend demonstrierte die niederländische Gruppe "Asko/Schönberg" ihre Kompetenz für zeitgenössische Musik, hatte jedoch in Griseys Vortex temporum (1992-94) das deutlich schwächere Stück zwischen den Fingern: Trotz einiger wunderbarer Passagen - etwa beim perkussiv-virtuosen Klaviersolo, das kraftvoll dröhnend unter den Unterarmen des Pianisten endet - wirkt die Komposition auf Dauer doch wie eine spröde Versuchsanordnung.
Ganz anders Hans Werner Henzes Chorfantasien "Lieder von einer Insel" nach Texten von Ingeborg Bachmann: Mit ihrem sinnlichen, feingliedrig versponnenen Klanggewebe aus Stimmen und Instrumenten erzeugt die Komposition aus dem Jahr 1964 eine spätromantisch anmutende Atmosphäre. Dabei inspirierte der neue Direktor des NDR Chores, Philipp Ahmann, seine Sänger zu einer hochkonzentrierten, sensibel ausgeleuchteten Interpretation, deren wunderbare weiche Pianissimo-Kultur den Hörern Momente von berückender Schönheit ins Ohr zauberte.

Markus Stäbler, Hamburger Abendblatt, 29.09.2008

Ensemble Resonanz mit ausgeklügelter Konzertstrategie
In der zu Ende gehenden Saison gelang dem Ensemble Resonanz nach Angaben seines Geschäftsführers Tobias Rempe das Kunststück, in weniger Konzerte mehr Publikum als je zuvor zu locken. Für die kommende Spielzeit hat das auf Neue Musik im Gegenklang zu alten Meistern spezialisierte Residenz-Kammerensemble der Laeiszhalle nun wieder fünf seiner "Resonanzen" genannten Konzerte vorbereitet. Gestern stellten Rempe und der dramaturgische Vorstand Thomas Glöckner, selbst Geiger des Ensembles, das neue Programm vor.
In ihren "Resonanzen" von Oktober bis Mai widmen sich die Musiker wie gewohnt einer ausgeklügelten Kontraststrategie. Zunächst spannen sie Beethoven, Helmut Lachenmann und dessen spanischen Schüler Manuel Hidalgo unter dem Hidalgo entlehnten Motto "Einfache Musik" zusammen. Beim "Apollo"-Programm schlagen sie den Bogen von Haydn über Britten und Strawinsky bis Harrison Birtwistle, wobei Sebastian Knauer bei zwei Klavierkonzerten Haydns als Solist auftritt. Der vorzügliche Cellist Jean-Guihen Queyras gastiert mit dem Ensemble bei den "Haydn-Variationen", die zu Ehren von Haydns 200. Todesjahr auch Werke von Edison Denissow und Bernd Alois Zimmermann enthalten.
Eine leise Abweichung vom Prinzip verspricht "Requiem" - ein Konzert mit Werken der beiden noch lebenden estnischen Komponisten Arvo Pärt und Erkki-Sven Tüür in St. Johannis. Hier konzertiert das Ensemble mit dem Rias-Kammerchor Berlin und lässt sich von Tonu Kaljuste dirigieren, der auch die Uraufführungen beider Tüür-Werke besorgte.
Im "Porträt"-Konzert am 18. Mai stellen sich die Musiker selbst in den Mittelpunkt; Zuhörer ihrer Konzerte dürfen sich hierfür die Aufführung eines Werks aus einer Liste mit 30 Stücken wünschen, die das Ensemble in den zurückliegenden Jahren gespielt hat.

TRS, DIE WELT, 13.06.2008


Fünf Jubiläums-Abende
Wenn einmal keinmal ist, zählt die noch laufende Spielzeit eigentlich nicht für das Ensemble Resonanz. Denn nach der spektakulären, buchstäblich über Nacht vollzogenen Trennung von Geschäftsführerin Erica Fox Zabusky hatte das Streicherensemble die Zahl seiner Hamburger Konzerte von fünf auf vier reduziert. Viel weniger ging kaum, um das Resultat noch Spielzeit nennen zu dürfen. Doch in der nächsten Saison wird wieder um einen "Resonanzen"-Termin aufgestockt, man nähert sich vom Ausnahme- wieder dem Normalzustand an. In diesem Fall heißt das nach wie vor: spielen, bis die Saiten glühen, um auch im 15. Jahr des Bestehens mit der ambitionierten Mischung aus Alter und Neuer Musik über die Runden zu kommen. Zur Entspannung in dieser Hinsicht dürften aber mehrere Gastspiele an so prominenten Orten wie der Berliner Philharmonie (Kammermusiksaal) und den Philharmonien von Köln und Essen beitragen.
Die fünf Abo-Konzerte machen dort weiter, wo es seit Jahren großen Bedarf gibt in dieser Stadt: bei Mischungen, die außergewöhnlich sind. "Resonanzen 1" (8.10.) kombiniert Werke von Lachenmann und einem seiner Schüler, dem Spanier Manuel Hidalgo, mit der Bearbeitung von Beethovens Quartett op. 59/2. Das zweite Konzert (14.12.) stellt Haydn-Klavierkonzerte mit Sebastian Knauer als Gast-Solisten Werken von Birtwistle und Strawinsky zum Thema Apoll gegenüber. In dessen 200. Todesjahr darf's auch zweimal Haydn sein - "Resonanzen 3" (14.1.) wird durch den Cellisten Jean-Guihen Queyras bereichert, Kontraststücke sind diesmal Werke von Denissow und B. A. Zimmermann.
Der vierte Abo-Konzert-Termin (7.3.) findet nicht in der Laeiszhalle, sondern in St. Johannis Harvestehude und ganz und gar unter estnischer Flagge statt: Werke von Tüür und Pärt, dirigiert von Tonu Kaljuste. Der RIAS Kammerchor allerdings kommt nach wie vor aus Berlin. Abokonzert-Abschluss und Gratulation fürs Durchhalten und Weitermachen ist "Resonanzen 5" (18.5.): Cage und Mendelssohn, Yun, Rautavaara und Vivaldi, dazu ein Wunsch-Stück, das die Besucher der vorangegangenen Konzerte aus 30 Kandidaten wählen können. Ein bißchen wie Grand Prix also. Nur mit besserer Musik.
Es gibt aber auch außerordentliche Aktivitäten - "Kaispeicher entern! 3" mit dem Fokus auf wegweisende Amerikaner wie Ives oder Cowell sowie zeitgenössische Chinesen. Im Konzert-Namensgeber wird bekanntlich mit Verzug gebaut, deswegen findet dieses Konzert am 19. September in St. Katharinen statt. Am 27./28.9. ist das Ensemble Resonanz Teil der Auftaktveranstaltung des "Klang!"-Festivals, die in Zusammenarbeit mit dem "neuen werk" des NDR auf Kampnagel geplant ist. Öffentlich-rechtliches Neues und Altes findet auch bei dem Abend "Im Sog der Klänge" am 19.4. in St. Johannis statt, mit Mehrchörigem von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Joachim Mischke, Hamburger Abendblatt, 13.06.2008


Loops und Leidenschaft
Was wäre Musik ohne Leidenschaft? Nur eine fade Klangkulisse. Unter dem Motto „Sturm und Drang“ präsentiert das Ensemble Resonanz jetzt beim letzten „Resonanzen“-Konzert der Saison die ganz großen Gefühle. Und wieder haben die jungen Streicher bewiesen, dass sie es verstehen, Kompositionen mehrerer Jahrhunderte sinnhaft nebeneinander zu stellen.
Mit C.P.E. Bachs Streichersinfonie Nr. 2 eröffneten die 19 Musiker ihr Programm. Und wer sich hier schon von akkurat gesetzten Bogenschwüngen mitreißen ließ, dem musste bei Schostakowitsch’ Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester der Atem stocken. Tollkühn warf sich Pianistin Ewa Kupiec in die Wagnisse der burlesken Dramatik. Und wenn sich dem feurigen Piano-Furioso eine volkstümliche Trompeten-Melodie anschließt, sollte man seinen Begriff von „ernster Musik“ noch einmal überdenken.
Ist hier noch eine Steigerung möglich? Allerdings. Denn im Konzert für Klavier und Streicher des polnischen Zeitgenossen Henryk Górecki verbinden sich schwerlastende Streicherlinien und maschinenartige Klavier-Loops zu einem aufwühlenden Grundrhythmus. Der anschließende frenetische Applaus ist da fast eine Befreiung. Und auch wenn zum Schluss Haydns Sinfonie „La Passione“ mit Lust und Verve erklingt – im Vergleich zu Górecki wirkt sie fast zahm.

Sören Ingwersen, Hamburger Morgenpost, 21.05.2008


Höhenflug auf Stahlfedern
Wenn ein Konzert unter dem Motto "Sturm und Drang" steht, dann muss schon bei den Proben mit erhöhtem Energieausstoß gerechnet werden. Als sich das Ensemble Resonanz am Samstagvormittag mit der Pianistin Ewa Kupiec und dem Trompeter Jeroen Berwaerts in der Kleinen Laeiszhalle traf, um vor dem Konzert heute Abend in der Großen Laeiszhalle ein paar Feinheiten ihrer gemeinsamen Interpretation von Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester c-Moll einzustudieren, da schwirrte die Luft förmlich vor elektrischer Energie. Auf der Bühne surrte, brummte und vibrierte ein kleiner, kompakter Generator aus menschengemachtem Klang. Die 18 Streicher des Ensembles Resonanz legten im Finalsatz eine Spannung an, durch die der Strom der sich jagenden, vorwärtsstürmenden Gedanken und musikalischen Ideen aus dem Klavier mit höchster Intensität fließen konnte.
Weil die Musiker wie üblich ohne einen Dirigenten bei der Arbeit waren, wirkte ihre Zusammenkunft fast wie eine Bandprobe; hin und wieder sagte die Konzertmeisterin Barbara Bultmann etwas über den Gestus einer Passage, dass etwa "nach dem Klavier-Rumms die Viertel in den Geigen fast blöd und derb" kommen sollten. Und die Solistin riet den Celli freundlich zu "einer kleinen Luftpause" vor ihrem ungestümen Einsatz. Dann setzte sie sich wieder auf den Klavierhocker, wobei die motorische Kraft der Musik ihr in die Beine zu fahren schien. Fast berührte sie mit ihren Knien den Boden, ehe sie sich unvermittelt kerzengerade aufrichtete und ihre Kadenz mit einer beinahe furchterregenden Brillanz aus den Tasten schlug.
Wer das Ensemble Resonanz mit seinen beiden Gästen beobachtet, der erlebt Zukunftsmusik schon in der Gegenwart. Sie entsteht in einer hierarchiefreien Zone, in der die Autorität jedes einzelnen anerkannt wird und wo das Ziel in der bestmöglichen gemeinsamen Deutung eines Werks besteht.

Tom R. Schulz, DIE WELT, 19.05.2008

Ruhrtriennale - Uraufführung - Unter Eis
"Unter Eis" basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des Autors und Theatermachers Falk Richter. Es ist Bestandteil seines 2004 an der Berliner Schaubühne uraufgeführten Zyklus' "Das System", einer kritischen Analyse der Auswüchse westlicher Leistungsgesellschaften. In ihrer musiktheatralischen Neufassung gewinnt diese Analyse an zusätzlicher Schärfe und Eindringlichkeit. Erst recht, weil Jörg Arnecke das Publikum geradezu ins Geschehen hineinzieht, es förmlich mit Musik umspült.
Die knapp 30 inspiriert und präzise aufspielenden Musiker vom Ensemble Resonanz (souveränes Ferndirigat via Videokamera: Johannes Debus) verteilt der Komponist in kleinen Gruppen rund um den Zuschauerraum, einem riesigen, blick- und schalldurchlässigen Gazezelt. Aus den unterschiedlichsten Richtungen werden den Zuhörern Klänge von fast schmerzhafter Intensität zugetragen, Klänge, die reich sind an Farben, an Texturen, an insistierenden Rhythmen, an perkussiver Härte und manchmal ganz überraschend auch an Süße, an Zärtlichkeit.
Hannoversche Allgemeine Zeitung 01.10.2007

Hinter einem rund 30 mal 20 Meter großen Wasserbecken hat Richter eine Halle in der Halle aus Gaze-Vorhängen gebaut, in der das Publikum sitzt. Dirigent Johannes Debus steht in der Mitte, die Musiker (vom vorzüglichen Ensemble Resonanz) sind in Kammermusik-Ensembles um Zelt und Wasserbecken herum platziert. Für das Publikum entsteht dadurch der Eindruck, mitten im Orchester zu sitzen. Das ist spannender als das Bühnengeschehen im 1. Akt.
Ruhr Nachrichten 01.10.2007

Immer aber, wenn Paul Niemand (äußerst präsent: der Bariton Markus Brück) sich aus dem Betrieb ausklinkt, wenn er in den Videos von Meika Dresenkamp als Kind durch den Wald hetzt, von den Eltern mit eisigen Blicken verfolgt - dann produziert ein Ensemble von 20 Streichern (das großartige Ensemble Resonanz mit dem Dirigenten Johannes Debus) fahle Klänge und eng verwobene Linien wie hörbar gemachte Hirnströme. Der Bühnenbildner Alex Harb hat Publikum und Darsteller in ein Zelt aus Gaze gesetzt, während Streicher, Hörner und Schlagzeug in hölzernen Kojen außerhalb des Zelts platziert sind.
Süddeutsche Zeitung 01.10.2007

Die Inszenierung von Falk Richter trifft mit großem Geschick die Balance zwischen Heiterkeit und Tragik. Dem 34-jährigen Hamburger Komponisten Jörn Arnecke, Schüler von Gérard Grisey und Peter Michael Hamel, gelang es ebenfalls, das in diesem Stück geforderte Wechselspiel zwischen musikalischer Umsetzung der aus dem Hämmern auf dem Laptop entwickelnden Klänge, parodistischen Instrumentaleinwürfen und ariosen Gesängen, zu erfinden. Für die einen sorgte das von Johannes Debus geleitete Ensemble Resonanz, für das andere der auch vom Typ her ideale Markus Brück.
Beide ganz besonders, aber auch alle anderen Beteiligten, kann man nur in höchsten Tönen loben
Wiener Zeitung 05.10.2007


18 Streicher auf den Spuren von Napoleon
Tradition ist für sie kein Ruhekissen, auf das man sich gemütlich bettet. Tradition ist für die Musiker des Ensemble Resonanz stets die Pflicht, in Bewegung zu bleiben. Immer wieder bürsten sie mit exquisiter Spielkultur Musikgeschichte gegen den Strich - ohne allerdings den historischen Kontext aus den Fingern zu verlieren.

Bei ihrem umjubelten Konzert im kleinen Saal der Laeiszhalle kombinierten sie Schönberg und Webern mit Beethoven und Mahler. Ein schönes Programm, dessen thematische Klammer "Napoleon" sich aber eigentlich nur auf Schönberg ("Ode to Napoleon") und Beethoven (wenn auch nicht auf die gespielte "Große Fuge") beziehen ließ.

Den Beginn markierte Weberns"Langsamer Satz", der aufgrund seines frappant spätromantischen Ausdrucksgehalts ganz wunderbar den Bogen zu Mahlers "Adagio" aus der Sinfonie Nr. 10 spannte.

Dazwischen: Erstens Schönbergs rhythmisch verzwickte "Ode", die David Moss imposant und zugleich amüsant rezitierte - kongenial vom Ensemble, dem Pianisten Nicolas Hodges und dem Dirigenten Peter Rundel begleitet. Zweitens Beethovens "Große Fuge" in einer Bearbeitung für Streichorchester, die so gut zu Schönberg passt, weil sie ebenfalls alle Formen sprengt und jeder hingebogenen Scheinstimmigkeit trotzt. Schonungslos interpretierte das Ensemble Resonanz die Partitur. Nicht nur das hatte Klasse.

bbr, Hamburger Abendblatt, 15. Juni 2007


PRESSESTIMMEN (Auswahl)
Hamburger Musiklandschaft: Ensemble Resonanz
»Erfolgreichster Hamburger Newcomer der letzten Jahre ist das Ensemble Resonanz (…) Mit ihrer qualitativ hochwertigen »Resonanzen« - Reihe eroberten sich die Streicher ein eigenes, jüngeres, stetig wachsendes Publikum und brachten eine neue, bislang fehlende Klangfarbe ins chronisch blasse Hamburger Musikleben: Alte Musik und Avantgarde, Gegensätze, die sich anziehen, aber immer noch zu viele abstoßen, gaben den dramaturgisch geschickten Konzerten in der Kleinen Laeiszhalle den Reiz abendlicher Abenteuerurlaube vom Mainstream. Die Programme sind immer wieder überraschend anders, Grenzüberschreitungen führten beispielsweise mit Etta Scollo zur sizilianischen Volksmusik, aber auch mit Bekannten aus dem »Bang On A Can« - Komponistenkollektiv in die New Yorker Freistil-Szene.«
Hamburger Abendblatt 05.09.2006

Sommerliche Musiktage Hitzacker
»Dass das Ensemble Resonanz als Orchester der Sommerlichen Musiktage Hitzacker ein großer Gewinn war, braucht kaum erwähnt zu werden. Hier bewiesen die Hamburger Musiker, dass sie zu den führenden Kammermusikensembles weltweit gehören.«
Nordelbische 27.08.2006

Saisoneröffnungskonzert, Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg
»Ohne Dirigenten waren die Musiker des Ensemble Resonanz auf die Bühne gekommen und hatten mit wunderbar luftiger Spannkraft das Mozart-Divertimento F-Dur KV 138 in den Saal hinaufsteigen lassen wie einen schön bemalten kleinen Fesselballon.«
Die Welt 05.09.2005

Frankfurter Bachkonzerte
»Und hier war er dann in Reinform zu hören: dieser intelligente, nie dickliche, immer dynamisch wache Resonanz-Klang, der sich seine Leichtigkeit bewahrt hat. Dieser fünfminütige Berg-Kanon war dann kein Rätselkanon mehr, er war Antwort, Lösung.«
Frankfurter Rundschau 25.10.2004

Heidelberger Frühling
»Mit einem ebenso brillant zusammengestellten wie musizierten Spezialitätenprogramm sorgte das Hamburger Ensemble Resonanz in der Stadthalle für das krönende Highlight des Heidelberger »Amerika-Frühlings« und entpuppte sich in Sachen Ensemblehomogenität, Klangkultur und Stilflexibilität einmal mehr als Kammerorchester der Extraklasse.«
Rhein-Neckar-Zeitung 26.04.2004

Rheingau Musikfestival
»(...) in streckenweise atemberaubendem Tempo und immer hochvirtuos wurde die Geschichte der Streicherkammermusik abgehandelt. Wie im Zeitraffer zogen die vielfältigen Intonations- und Artikulationsmöglichkeiten vorbei, wobei die Geschlossenheit niemals auf dem Spiel stand.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung 14.08.2004

Goldbergvariationen CD-Release
»Das ist selten: Da bekommt man eine CD auf den Tisch, auf die man überhaupt keine Lust hat, hört dann doch hinein und kann gar nicht mehr abstellen, weil das Hören so viel Spaß macht.«
taz 10.09.2002

Xenakis
„In rasanten Glissandi, Pizzicati, dichten Strukturen und verfremdenden Patterns kann das Ensemble seine virtuose Perfektion und hohe Kompetenz für Neue Musik zeigen."
FonoForum Juni 2006


Maite Beaumont - hinreißend sinnlich
Es gibt Momente, in denen Musik einen unwiderstehlichen Zauber entfaltet. Eine überwätigend magische Anziehungskraft, der man sich nicht entziehen kann und die den Hörer für ein paar kostbare Augenblicke alles um sich herum vergessen lässt.

Bei ihrem jüngsten Auftritt in der Laeiszhalle hat Maite Beaumont das Publikum gleich mehrfach mit solchen Momenten beschenkt. Zum Beispiel zu Beginn der berühmten Händel-Arie "Ombra mai fu". Herrlich, wie die spanische Mezzosopranistin da die unterschiedlichen Vokalfarben und Konsonanten zu einem einzigen, wunderbar austarierten und cremig-weichen Legato-Bogen verband; hinreißend, wie sie ihr betörend sinnliches Timbre zunächst sanft aufscheinen und dann zu voller Pracht erblühen ließ!

Dabei war das eigentlich nur die Pausenzugabe. Schon vorher hatte Beaumont mit zwei Arien aus "Ariodante" eindrucksvoll gezeigt, dass man Händel zwar sicher anders, aber ebenso sicher nicht wirklich schöner singen kann: ein wahrer Glücksfall, ebenso wie die sensible Begleitung durch die Mitglieder des erweiterten Ensemble Resonanz, die sich hier nicht von einem Taktstock, sondern durch die traumhaft musikalisch phrasierte Fagottstimme führen ließen.

Den Rest des Konzerts bestritt das Ensemble unter Leitung des jungen US-Dirigenten Jonathan Stockhammer - ohne jedoch deshalb das Prinzip des aufeinander hörenden und miteinander kommunizierenden Instrumentalspiels preiszugeben. Präzis getimt und punktgenau erklang etwa die Kammermusik-Bearbeitung von Mahlers Zyklus "Lieder eines fahrenden Gesellen", bei dem Maite Beaumont noch einmal anrührend den Saal beseelte.

Doch auch ohne Solistin vermochten Stockhammer und Orchester ihre Hörer zu fesseln. Mit Werken von Henze und Dutilleux, aber auch mit zwei scheinbar vertrauten Evergreens: Selbst Barbers "Adagio" und das "Adagietto" aus Mahlers 5. Sinfonie wirkten hier wie entschlackt. Durch flüssig-schlanke Tempi befreite das Ensemble Resonanz den zarten Schmelz vom dicken Schmalz - und machte so Appetit auf seine neue Saison mit vielen musikalischen Frischzellenkuren.

Stä, Hamburger Abendblatt, 4. September 2006