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2. Jan 2008

ECLAT Festival für Neue Musik

Im Sog der Klänge

Ziel von ECLAT ist es, alle innovativen Strömungen der musikalischen Gegenwart aufzugreifen, darzustellen und sie in Verbindung zu setzen mit den großartigen Kompositionen dieses Jahrhunderts. Außermusikalische, musiktheatralische und gattungsübergreifende Projekte sind zentrales Anliegen des Festivals. Schließlich will ECLAT ein Forum sein für die ganz junge Generation. Ihr sollen Aufführungsmöglichkeiten und Förderung zuteil werden.

Im Sog der Klänge
KONZEPT
Nicht allein die Tatsache, dass mehrchöriges Musizieren selten und dann eher in Zirkeln Alter Musik zur Aufführung kommt, sondern auch die Absicht, Raumkonzepte unserer Tage neu zu hinterfragen, nimmt IM SOG DER KLÄNGE zum Anlass, erstmalig richtungweisende mehrchörige Werke der älteren Musikgeschichte neben Raum-Klang-Auftragswerken zu präsentieren, die sich an der Tradition der Mehrchörigkeit orientieren.
Im Sog der Klänge beschäftigt sich mit der vierhundert Jahre alten Praxis der Mehrchörigkeit, die durch die Einbeziehung des Kirchenraums in die musikalische Aufführung kennzeichnet ist. Neue Kompositionen sind für Besetzungen entstanden, wie sie die „alten“ Werke notwendig machen: für Posaunen, Sängerinnen und Sänger und Streicher. Im Sog der Klänge befragt die Sinnhaftigkeit von Klang- und Musikbewegungen im Raum neu. Dabei geht es nicht um den rhetorischen Gehalt gemäß der Renaissance oder des Barock, sondern vielmehr um die Suche nach neuartigen Ausdrucksformen von räumlichem Klangfluss sowie räumliche Korrespondenzen von Musik. Die Werkideen kommen ohne Einsatz von Elektronik aus, was Dimensionen in Bezug auf Klangfarbenentwicklung, Integration der horizontalen wie vertikalen Ebene, Kreis- und andere Bewegungen im Raum, Polyphonie, Polyrhythmik, Klangpaare, Schichtungen oder Echoeffekte eröffnet. Mit den Auftragswerken regt IM SOG DER KLÄNGE Komponistinnen und Komponisten an, eine ähnliche Einheit zwischen Klangbewegung und musikalischer Aussage herzustellen, wie es die Altvorderen zu Wege brachten. Der Ausgangspunkt „Mehrchörigkeit“ lässt Rückbesinnung zu und öffnet neuen Klangraum – Klang als Bewegungsspur!

Von allen Seiten
Dass Musik aus bloß einer Richtung käme, meist von vorne, von dort, wo die Musiker oder die Lautsprecher sind, ist ja eine Schimäre, ein kulturell gut eingeübter Irrglaube. Schallwellen kommen immer von allen Seiten. Aber bewusst genau damit Musik zu machen, genau daraus Kunst zu gewinnen, dass die Schallwellen von allen Seiten kommen, das ist ganz und gar nicht selbstverständlich, das ist und war immer etwas Besonderes. Vor Jahrhunderten, im oft beschworenen Halbdunkel von im Kerzenlicht strahlender byzan- tinischer Mosaike, da wurde der Surroundsound nicht als bloßer Klangeffekt, sondern wahrhaftig als kompositorisches Prinzip zum ersten mal von mehreren Chören herunter georgelt, gespielt, gesungen, in San Marco in Venedig. In Salzburg wurde der barocke Dom mit einer 52stimmig von allen Seiten gesungenen Messe eröffnet, ein katholisches Wonne- und Schauerbad zwischen Verdammnis und Erlösung. Hector Berlioz wollte auf den Raum als kompositorische Kategorie genau so wenig verzichten wie Arnold Schönberg oder Gustav Mahler. Und die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verwandelte das Spiel von allen Seiten überhaupt in eine eigene künstlerische Kategorie, von Rieseninstallationen à la Bill Fontana zu High-End-Raffinesse der feinsten Klänge à la Freiburger Experimentalstudio. Seit 5.1 Surround in jeder Heimanlage und mehrkanaliges Abmischen in jedem Rechner steckt, hat sich die Bandbreite des Komponierens mit dem Raum vergrößert, und nachdem auch die Grenzen zwischen Konzert und Installation sich längst – beispielsweise – in vom Publikum bespielbaren Konzertinstallationen aufgelöst haben, kommen die Klänge gern und oft von allen Seiten, die Kunst und das Publikum kritisch hinterfragend ebenso wie wohlig umwallend oder Erkenntnis provozierend.

PROGRAMM
16. Februar 2008 19 h – Theaterhaus Stuttgart


Giovanni Gabrieli
Omnes Gentes _ für Ensemble

Giovanni Gabrieli
Nunc Dimitis _ für Ensemble

Enno Poppe
Abend _ für Männerstimmen und vier Posaunen

Wolfgang Mitterer
Mit einem lachenden Auge _ für Stimmen, Streicher und Posaunen

Martin Smolka
Neues Werk _ für drei Stimmen und drei Posaunen Uraufführung

Günter Steinke
Neues Werk _ für vier Posaunen Uraufführung

Rebecca Saunders
soliloquy _ für sechs Stimmen

Carlo Gesualdo
Madrigal _ Bearbeitung für Streichquartett

Bernhard Gander
horribile dictu _ für Stimmen, Streicher und Posaunen

Ensemble Resonanz
Neue Vocalsolisten
Composers Slide Quartet
Leitung: Titus Engel

Karten:
Telefon 0711 . 40 20 720
oder unter www.theaterhaus.com
Theaterhaus Stuttgart | Siemensstraße 11 | 70469 Stuttgart
Kassenöffnung täglich von 10 Uhr bis 21.30 Uhr

Pressekontakt:
Juliane Rößler
Tel: 040 - 3499 3882
Mobil: 0171 – 70 21 481
E-Mail presse@ensembleresonanz.com


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