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13. Nov 2007

Im Sog der Klänge

Der Klang und der Körper zwischen Mehrchörigkeit und Spatialisierung


Im Sog der Klänge - KONZEPT
Nicht allein die Tatsache, dass mehrchöriges Musizieren selten und dann eher in Zirkeln Alter Musik zur Aufführung kommt, sondern auch die Absicht, Raumkonzepte unserer Tage neu zu hinterfragen, nimmt IM SOG DER KLÄNGE zum Anlass, erstmalig richtungweisende mehrchörige Werke der älteren Musikgeschichte neben Raum-Klang-Auftragswerken zu präsentieren, die sich an der Tradition der Mehrchörigkeit orientieren.
Im Sog der Klänge beschäftigt sich mit der vierhundert Jahre alten Praxis der Mehrchörigkeit, die durch die Einbeziehung des Kirchenraums in die musikalische Aufführung kennzeichnet ist. Neue Kompositionen sind für Besetzungen entstanden, wie sie die „alten“ Werke notwendig machen: für Posaunen, Sängerinnen und Sänger und Streicher. Im Sog der Klänge befragt die Sinnhaftigkeit von Klang- und Musikbewegungen im Raum neu. Dabei geht es nicht um den rhetorischen Gehalt gemäß der Renaissance oder des Barock, sondern vielmehr um die Suche nach neuartigen Ausdrucksformen von räumlichem Klangfluss sowie räumliche Korrespondenzen von Musik. Die Werkideen kommen ohne Einsatz von Elektronik aus, was Dimensionen in Bezug auf Klangfarbenentwicklung, Integration der horizontalen wie vertikalen Ebene, Kreis- und andere Bewegungen im Raum, Polyphonie, Polyrhythmik, Klangpaare, Schichtungen oder Echoeffekte eröffnet. Mit den Auftragswerken regt IM SOG DER KLÄNGE Komponistinnen und Komponisten an, eine ähnliche Einheit zwischen Klangbewegung und musikalischer Aussage herzustellen, wie es die Altvorderen zu Wege brachten. Der Ausgangspunkt „Mehrchörigkeit“ lässt Rückbesinnung zu und öffnet neuen Klangraum – Klang als Bewegungsspur!

Von allen Seiten
Dass Musik aus bloß einer Richtung käme, meist von vorne, von dort, wo die Musiker oder die Lautsprecher sind, ist ja eine Schimäre, ein kulturell gut eingeübter Irrglaube. Schallwellen kommen immer von allen Seiten. Aber bewusst genau damit Musik zu machen, genau daraus Kunst zu gewinnen, dass die Schallwellen von allen Seiten kommen, das ist ganz und gar nicht selbstverständlich, das ist und war immer etwas Besonderes. Vor Jahrhunderten, im oft beschworenen Halbdunkel von im Kerzenlicht strahlender byzan- tinischer Mosaike, da wurde der Surroundsound nicht als bloßer Klangeffekt, sondern wahrhaftig als kompositorisches Prinzip zum ersten mal von mehreren Chören herunter georgelt, gespielt, gesungen, in San Marco in Venedig. In Salzburg wurde der barocke Dom mit einer 52stimmig von allen Seiten gesungenen Messe eröffnet, ein katholisches Wonne- und Schauerbad zwischen Verdammnis und Erlösung. Hector Berlioz wollte auf den Raum als kompositorische Kategorie genau so wenig verzichten wie Arnold Schönberg oder Gustav Mahler. Und die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts verwandelte das Spiel von allen Seiten überhaupt in eine eigene künstlerische Kategorie, von Rieseninstallationen à la Bill Fontana zu High-End-Raffinesse der feinsten Klänge à la Freiburger Experimentalstudio. Seit 5.1 Surround in jeder Heimanlage und mehrkanaliges Abmischen in jedem Rechner steckt, hat sich die Bandbreite des Komponierens mit dem Raum vergrößert, und nachdem auch die Grenzen zwischen Konzert und Installation sich längst – beispielsweise – in vom Publikum bespielbaren Konzertinstallationen aufgelöst haben, kommen die Klänge gern und oft von allen Seiten, die Kunst und das Publikum kritisch hinterfragend ebenso wie wohlig umwallend oder Erkenntnis provozierend.

PROGRAMM

30. November 2007 20 h - Konzert im Radialsystem
Hans Leo Hassler "Cantate Domino á 12" (1602), 3 Chöre
Hans Leo Hassler "Domine, Dominus noster á 12" (1601/1612), 3 Chöre
Cathy Milliken "Cento", UA *für Countertenor, Lyrischen Sopran und Streicher
Cesario Gussago "Sonata XVII La Terza à 8" (1608) 2 Chöre
Walter Zimmermann "Dialog der zwei Rosen" (2005), BEA
für 3 Männerstimmen, 3 Frauenstimmen und Violoncello
Text aus dem „Buch der Fragen“ von Edmond Jabès

Giovanni Gabrieli "Lieto godea á 8", Madrigal, (1582) 2 Chöre
Rebecca Saunders „soliloquy“ (2007), DEA für sechs Solostimmen
Giovanni Gabrieli "Nunc dimittis servum tuum á 14", (1597), 3 Chöre
Giovanni Gabrieli "Omnes gentes plaudite á 16", (1597), 4 Chöre
Wolfgang Mitterer „Mit einem lachenden Auge“, UA **
für 7 Sänger, 10 Streicher und 4 Posaunen in 5 Gruppen

Eintritt: 18,- €/erm. 14,- €

1. Dezember 2007 20 h - Konzert im Ballhaus Naunyn
Giovanni Gabrieli "Sonata XVIII á 14", (1615), 3 Chöre
Gioseffo Guami "Canzon XXV à 8" (1608), 2 Chöre
Enno Poppe „Abend“ für 4 Männerstimmen und 4 Posaunen, UA *
Giovanni Gabrieli "Nunc dimittis servum tuum á 14", (1597), 3 Chöre
Giovanni Gabrieli "Omnes gentes plaudite á 16", (1597), 4 Chöre
Georg Friedrich Haas „Open Spaces“, UA * ür 12 Streicher und 2 Schlagzeuger

Jacobus Gallus "Quam pulchra es á 8", (1586) 2 Chöre
Vadim Karassikov „prana“ UA für 3 Stimmen, Viola und Violoncello,
Giovanni Gabrieli "Lieto Godea", 2 Chöre
Bernhard Gander "horribile dictu", UA ** für Stimmen, Streicher und Posaunen

Eintritt: 15,- €/erm. 12,- €

* Auftragswerk des Ballhaus Naunyn
** Auftragswerk von Klangspuren Schwaz


Karten: www.radialsystem.de und www.ballhausnaunyn.de

Pressekontakt:
Juliane Rößler
Tel: 040 - 3499 3882
Mobil: 0171 – 70 21 481
E-Mail presse@ensembleresonanz.com





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