PRESSE » PRESSEMELDUNGEN
5. Jun 2007
Napoleon - Wie politisch kann Musik sein?
Resonanzen 5
Am Mittwoch, den 13. Juni 2007 um 20 Uhr beschließt das Ensemble Resonanz mit dem Resonanzen-5-Konzert unter dem Titel „Napoleon“ im Kleinen Saal der Hamburger Laeiszhalle seine 5. Saison als dortiges Ensemble in Residence.
Das Ensemble Resonanz knüpft im Programm des Abends ein filigranes Netz aus harmonischen Gegenpolen und wunderbaren Zusammenhängen:
Als Arnold Schönberg 1942 seine „Ode to Napoleon" komponierte, stand er nicht gerade im Ruf, ein politisch engagierter Komponist zu sein. Bereits 1928 hatte er kategorisch formuliert: „Ich habe nichts mit Politik zu tun und gestatte es mir, meine irrelevanten Meinungen für mich zu behalten." In den folgenden Jahren musste Schönberg jedoch den Missbrauch von politischer Macht am eigenen Leib erfahren, seine jüdische Herkunft zwang ihn zur Emigration in die USA. Mit der Wortgewalt der Sprache Lord Byrons (Textgrundlage) setzt sich Schönberg in seiner Ode an Napoleon mit der weltpolitischen Situation der 1940er Jahre auseinander. So widerlegte er sich selbst: „Ich wusste, dass es eine moralische Pflicht der Intellektuellen war, gegen die Tyrannei Stellung zu beziehen". Eindrucksvoll wird die ungewöhnliche Ode von Ausnahmestimmkünstler David Moss vorgetragen.
An Schönbergs Seite stellen die Musiker des Ensemble Resonanz dessen Schüler Anton Webern, dem durch seine kompromisslose künstlerische Haltung jegliche öffentliche Anstellung oder Tätigkeit von den Nationalsozialisten verwehrt wurde. Sein frühes, spätromantisch geprägtes Streichquartett „Langsamer Satz“ von 1905 wurde erst 1962 uraufgeführt und wird vom Ensemble Resonanz in einer außergewöhnlichen Bearbeitung für Streichorchester (von Achim Fiedler) präsentiert. Klassischen Kontrast dazu bilden zwei jeweils ebenso kompromisslose wie visionäre Spätwerke von Beethoven und Mahler:
Über Beethovens „Große Fuge op. 133“ sagte Igor Strawinsky: „ Die Große Fuge (…) scheint mir das perfekteste Wunder der Musik (...) Sie ist auch das absolut zeitgenössischste Musikstück, das ich kenne, und zeitgenössisch für immer.“
Mit dem „Adagio“, dem ersten und einzigen vollständig instrumentierten Satz der 10. (unvollendeten) Sinfonie von Mahler, dessen Harmonik an die Grenzen der Tonalität stößt und damit dieses Fragment zu einem Dokument einer neuen musikalischen Zeit macht, wird das Ensemble Modern den Abend beenden.
(Informationen über die Künstler des Konzertes siehe unten).
Vor dem Konzert findet um 19 Uhr im Studio E zur Einstimmung auf das Konzert wieder ein von Dr. Markus Fein moderierter „Lauschangriff“ statt - dieses Mal mit dem Musikhistoriker Prof. Dr. Peter Petersen als kompetenten Gast.
Wie politisch kann Musik sein? Und was haben die so genannten Neutöner Schönberg & Co. mit Beethoven zu tun? Eine ganze Menge, wie die Spitzenmusiker des Ensemble Resonanz im Laufe des ausgefeilten Pro¬gramms beweisen. Die Antworten, welche nicht allein in der Musik liegen, findet man sicher in dieser für Kenner schon zum „Muss“ gewordenen Gesprächsrunde.
Künstler:
Das Ensemble Resonanz gehört zu den profiliertesten und innovativsten Kammerorchestern Deutschlands. Hervorgegangen ist das Ensemble Resonanz aus dem Drang zur kreativen Selbstverwirklichung. Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie hatten 1994 beschlossen, ihre Zusammenarbeit in eigener Verantwortung fortzuführen. Die Organisation der knapp 20 Ensemble-Mitglieder ist basisdemokratisch, das Ziel: Vielseitigkeit und Spaß an musikalischer Pionierarbeit. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Gegenüberstellung von Neuer und Alter Musik. Seit 2002 präsentiert sich das „Ensemble in Residence“ der Hamburger Laeiszhalle mit der Konzertreihe >b>„Resonanzen“, in der Raritäten und Klassiker früherer Jahrhunderte mit Avantgarde, Auftragsarbeiten oder Uraufführungen kombiniert werden. Häufige Tourneen und Gastspiele im In- und Ausland haben den Ruf des Ensemble Resonanz weit über die Grenzen Hamburgs hinaus gefestigt.
Peter Rundel (Dirigent)
Peter Rundel, geboren 1958 in Friedrichshafen, studierte Violine bei Igor Ozim und Ramy Shevelor, Komposition bei Jack Brimberg sowie Dirigieren bei Michael Gielen und Peter Eötvös. Von 1984 bis 1996 war er Geiger beim Ensemble Modern. Seit seinem Debüt als Dirigent 1987 entwickelte er sich zu einem der gefragtesten Dirigenten seiner Generation mit dem Schwerpunkt zeitgenössischer Musik. Ihn verbindet eine langjährige Zusammenarbeit u.a. mit dem Ensemble Modern, dem ensemble recherche und dem Klangforum Wien. Peter Rundel war Gastdirigent vieler Orchester und Ensembles, leitete das Königlich-Philharmonische Orchester von Flandern, das Ensemble Oriol, die Kammerakademie Potsdam sowie die Wiener Taschenoper. Zudem dirigierte er Musiktheaterproduktionen der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper, der Wiener Festwochen, der Bregenzer Festspiele sowie der Wiener Volksoper und arbeitete dabei mit Regisseuren wie Peter Konwitschny, Philippe Arlaud und Joachim Schlömer zusammen.
David Moss (Rezitation)
1949 in New York geboren, zählt weltweit zu den innovativsten Sängern und Schlagzeugern der zeitgenössischen Musik. 1991 erhielt er ein Guggenheimstipendium, 1992 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Er ist künstlerischer Leiter des Institute for Living Voice (ILV), einem Workshop-Center für Sänger aus aller Welt, das er 2001 mit dem Muziektheater Transparant in Antwerpen gegründet hat. Eine ständige Zusammenarbeit verbindet ihn mit wichtigen Künstlern und Musikern wie u.a. Heiner Goebbels, Hans Peter Kuhn, Stefan Kurt, dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien und den Berliner Philharmonikern (unter der Leitung von Sir Simon Rattle).
Nicolas Hodges (Klavier)
Nicolas Hodges hat sich einen Namen als einer der führenden Pianisten seiner Generation gemacht, der als Rezitalist ebenso gefragt ist wie als Konzertsolist. Besonders bekannt ist er für seine Arbeit im Bereich der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts: er führt die „Klassiker“ des zeitgenössischen Konzertrepertoires auf, spielt eine Vielzahl von Uraufführungen und arbeitet eng mit Komponisten zusammen, die immer wieder ihre Werke ausdrücklich für Nicolas Hodges schreiben.
Seine Zusammenarbeit mit Orchestern reicht vom BBC Symphony Orchestra über das Bamberger Sinfonieorchester, der Athelas Sinfonietta (Kopenhagen), dem Endymion Ensemble und dem BBC Scottish Symphony Orchestra. Uraufführungen mit Werken von Bill Hopkins, Salvatore Sciarrino und Harrison Birtwistle zeichnen seinen Werdegang ebenso wie die Einspielung des gesamten Klavierwerks von Luigi Nono oder auch Werken von Mauricio Kagel.
zurück
Napoleon - Wie politisch kann Musik sein?
Resonanzen 5
Am Mittwoch, den 13. Juni 2007 um 20 Uhr beschließt das Ensemble Resonanz mit dem Resonanzen-5-Konzert unter dem Titel „Napoleon“ im Kleinen Saal der Hamburger Laeiszhalle seine 5. Saison als dortiges Ensemble in Residence.
Das Ensemble Resonanz knüpft im Programm des Abends ein filigranes Netz aus harmonischen Gegenpolen und wunderbaren Zusammenhängen:
Als Arnold Schönberg 1942 seine „Ode to Napoleon" komponierte, stand er nicht gerade im Ruf, ein politisch engagierter Komponist zu sein. Bereits 1928 hatte er kategorisch formuliert: „Ich habe nichts mit Politik zu tun und gestatte es mir, meine irrelevanten Meinungen für mich zu behalten." In den folgenden Jahren musste Schönberg jedoch den Missbrauch von politischer Macht am eigenen Leib erfahren, seine jüdische Herkunft zwang ihn zur Emigration in die USA. Mit der Wortgewalt der Sprache Lord Byrons (Textgrundlage) setzt sich Schönberg in seiner Ode an Napoleon mit der weltpolitischen Situation der 1940er Jahre auseinander. So widerlegte er sich selbst: „Ich wusste, dass es eine moralische Pflicht der Intellektuellen war, gegen die Tyrannei Stellung zu beziehen". Eindrucksvoll wird die ungewöhnliche Ode von Ausnahmestimmkünstler David Moss vorgetragen.
An Schönbergs Seite stellen die Musiker des Ensemble Resonanz dessen Schüler Anton Webern, dem durch seine kompromisslose künstlerische Haltung jegliche öffentliche Anstellung oder Tätigkeit von den Nationalsozialisten verwehrt wurde. Sein frühes, spätromantisch geprägtes Streichquartett „Langsamer Satz“ von 1905 wurde erst 1962 uraufgeführt und wird vom Ensemble Resonanz in einer außergewöhnlichen Bearbeitung für Streichorchester (von Achim Fiedler) präsentiert. Klassischen Kontrast dazu bilden zwei jeweils ebenso kompromisslose wie visionäre Spätwerke von Beethoven und Mahler:
Über Beethovens „Große Fuge op. 133“ sagte Igor Strawinsky: „ Die Große Fuge (…) scheint mir das perfekteste Wunder der Musik (...) Sie ist auch das absolut zeitgenössischste Musikstück, das ich kenne, und zeitgenössisch für immer.“
Mit dem „Adagio“, dem ersten und einzigen vollständig instrumentierten Satz der 10. (unvollendeten) Sinfonie von Mahler, dessen Harmonik an die Grenzen der Tonalität stößt und damit dieses Fragment zu einem Dokument einer neuen musikalischen Zeit macht, wird das Ensemble Modern den Abend beenden.
(Informationen über die Künstler des Konzertes siehe unten).
Vor dem Konzert findet um 19 Uhr im Studio E zur Einstimmung auf das Konzert wieder ein von Dr. Markus Fein moderierter „Lauschangriff“ statt - dieses Mal mit dem Musikhistoriker Prof. Dr. Peter Petersen als kompetenten Gast.
Wie politisch kann Musik sein? Und was haben die so genannten Neutöner Schönberg & Co. mit Beethoven zu tun? Eine ganze Menge, wie die Spitzenmusiker des Ensemble Resonanz im Laufe des ausgefeilten Pro¬gramms beweisen. Die Antworten, welche nicht allein in der Musik liegen, findet man sicher in dieser für Kenner schon zum „Muss“ gewordenen Gesprächsrunde.
Künstler:
Das Ensemble Resonanz gehört zu den profiliertesten und innovativsten Kammerorchestern Deutschlands. Hervorgegangen ist das Ensemble Resonanz aus dem Drang zur kreativen Selbstverwirklichung. Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie hatten 1994 beschlossen, ihre Zusammenarbeit in eigener Verantwortung fortzuführen. Die Organisation der knapp 20 Ensemble-Mitglieder ist basisdemokratisch, das Ziel: Vielseitigkeit und Spaß an musikalischer Pionierarbeit. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Gegenüberstellung von Neuer und Alter Musik. Seit 2002 präsentiert sich das „Ensemble in Residence“ der Hamburger Laeiszhalle mit der Konzertreihe >b>„Resonanzen“, in der Raritäten und Klassiker früherer Jahrhunderte mit Avantgarde, Auftragsarbeiten oder Uraufführungen kombiniert werden. Häufige Tourneen und Gastspiele im In- und Ausland haben den Ruf des Ensemble Resonanz weit über die Grenzen Hamburgs hinaus gefestigt.
Peter Rundel (Dirigent)
Peter Rundel, geboren 1958 in Friedrichshafen, studierte Violine bei Igor Ozim und Ramy Shevelor, Komposition bei Jack Brimberg sowie Dirigieren bei Michael Gielen und Peter Eötvös. Von 1984 bis 1996 war er Geiger beim Ensemble Modern. Seit seinem Debüt als Dirigent 1987 entwickelte er sich zu einem der gefragtesten Dirigenten seiner Generation mit dem Schwerpunkt zeitgenössischer Musik. Ihn verbindet eine langjährige Zusammenarbeit u.a. mit dem Ensemble Modern, dem ensemble recherche und dem Klangforum Wien. Peter Rundel war Gastdirigent vieler Orchester und Ensembles, leitete das Königlich-Philharmonische Orchester von Flandern, das Ensemble Oriol, die Kammerakademie Potsdam sowie die Wiener Taschenoper. Zudem dirigierte er Musiktheaterproduktionen der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper, der Wiener Festwochen, der Bregenzer Festspiele sowie der Wiener Volksoper und arbeitete dabei mit Regisseuren wie Peter Konwitschny, Philippe Arlaud und Joachim Schlömer zusammen.
David Moss (Rezitation)
1949 in New York geboren, zählt weltweit zu den innovativsten Sängern und Schlagzeugern der zeitgenössischen Musik. 1991 erhielt er ein Guggenheimstipendium, 1992 war er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Er ist künstlerischer Leiter des Institute for Living Voice (ILV), einem Workshop-Center für Sänger aus aller Welt, das er 2001 mit dem Muziektheater Transparant in Antwerpen gegründet hat. Eine ständige Zusammenarbeit verbindet ihn mit wichtigen Künstlern und Musikern wie u.a. Heiner Goebbels, Hans Peter Kuhn, Stefan Kurt, dem Ensemble Modern, dem Klangforum Wien und den Berliner Philharmonikern (unter der Leitung von Sir Simon Rattle).
Nicolas Hodges (Klavier)
Nicolas Hodges hat sich einen Namen als einer der führenden Pianisten seiner Generation gemacht, der als Rezitalist ebenso gefragt ist wie als Konzertsolist. Besonders bekannt ist er für seine Arbeit im Bereich der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts: er führt die „Klassiker“ des zeitgenössischen Konzertrepertoires auf, spielt eine Vielzahl von Uraufführungen und arbeitet eng mit Komponisten zusammen, die immer wieder ihre Werke ausdrücklich für Nicolas Hodges schreiben.
Seine Zusammenarbeit mit Orchestern reicht vom BBC Symphony Orchestra über das Bamberger Sinfonieorchester, der Athelas Sinfonietta (Kopenhagen), dem Endymion Ensemble und dem BBC Scottish Symphony Orchestra. Uraufführungen mit Werken von Bill Hopkins, Salvatore Sciarrino und Harrison Birtwistle zeichnen seinen Werdegang ebenso wie die Einspielung des gesamten Klavierwerks von Luigi Nono oder auch Werken von Mauricio Kagel.
zurück