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" Ensemble Resonanz - Neue Chefin - Das Ensemble Resonanz, "ensemble in residence" in der Laeiszhalle, hat eine neue Geschäftsführerin: Die Amerikanerin Erica Fox Zabusky (43), die bislang als Direktorin für künstlerische Planung beim Philadelphia Orchestra tätig war. Sie löst damit die drei Ensemblemitglieder ab, die sich diese Aufgabe in den letzten zwei Jahren geteilt hatten. Ermöglicht wurde die Einrichtung der Stelle durch finanzielle Unterstützung der "Zeit"-Stiftung. Zabusky hat Musikwissenschaft in Harvard und Gesang am Salzburger Mozarteum studiert, 1989 kam sie erstmals nach Hamburg - als Darstellerin in "Cats". Später wechselte sie in die Phono-Branche und war in New York u. a. Assistentin von Peter Gelb, dem damaligen Präsidenten von Sony Classical. Seit 1999 entwarf sie Programme für das Philadelphia Orchestra, das von Ex-NDR-Chefdirigent Christoph Eschenbach geleitet wird. Erica Fox Zabusky ist Gast im heutigen KulturKlub vom Hamburger Abendblatt. Diskussionsthema im Stage Club: Auswirkungen auf die Hamburger Musikszene durch die Elbphilharmonie."
Hamburger Abendblatt, Dezember 2005

 
"Starke Töne im archaischen Raum - Der Befehl hieß »Kaispeicher entern!« - Konzert? Happening! Zum musikalischen "Kaispeicher entern!" hatte das Ensemble Resonanz geladen, und Schau und Hör-Lustige strömten zu Hunderten hinein in jene alten Mauern, die Hamburgs künftiges Wahrzeichen tragen sollen: die Elbphilharmonie. Hintersinnig hatten die Haus-Streicher der Musikhalle dem Auftakt ihrer Konzertserie - diese soll während der kommenden Jahre den Bau der neuen Spielstätte begleiten - den Titel "Portale" verpasst, und so wanderte das Publikum denn auch erst einmal neugierig zwischen den Spielstätten in den schummrig beleuchteten einstigen Kakao-Lagerräumen umher. Zeigte sich fasziniert vom archaisch-unbehauenen Ambiente der "Location" oder plauderte angeregt wie Kultursenatorin Karin von Welck mit den Millionen-Spendern Helmut Greve und Michael Otto. Dass da das Ensemble Resonanz schon längst mittelalterliche Werke von Tallis und di Lasso strich, störte die edlen Damen und Herren nicht weiter: Wer das Geld gibt, gibt eben auch den Ton an - daran hat sich seit 500 Jahren nichts geändert. Die erste Geige spielte die Musik hingegen im Nebenraum bei Feldmans "Clarinet and String Quartet": Stehend und sitzend verfolgten hier die Besucher die reduzierte Dynamik und sparsame Textur des amerikanischen Minimalisten. Ganz im Zeichen von Aufbruch und Veränderung die beiden folgenden Teile des Abends: Jan Puschs Performance "Aufmachen!" bot zu kurzen Charakterstücken der zeitgenössischen Komponisten Luciano Berio und Philip Glass Hamburger Schülern ein Podium, bevor sich das Ensemble Resonanz zu Werken Scelsis und Gabrielis sowie der abschließenden Uraufführung "Iterations" von Ali Askin auf mehrere Gruppen im Raum verteilte. Dass sich da einige Besucher längst verabschiedet, andere unüberhörbar an die Bar zurückgezogen hatten, war der Tribut ans Konzept: Enter-Manöver gehorchen nun mal nicht Konzert-Gesetzen. "
Hamburger Morgenpost, Oktober 2005

 
"Kaispeicher A ist geentert! - "Das ist alles so aufregend hier!" Nicht nur Kultursenatorin Karin von Welck hatte an diesem Abend das Gefühl, etwas Einmaliges, etwas Historisches mitzuerleben; dabeizusein, wenn das Rad der (Musik-)Geschichte Hamburgs weitergedreht wird. Erstmals machte das Ensemble Resonanz den Kaispeicher A, der das Fundament der Elbphilharmonie bilden soll, zur Bühne. Eine geistreiche Idee, die fortgesetzt wird. Unter dem Motto "Kaispeicher entern!" begleitet das Ensemble den Speicher in den kommenden Jahren auf seinem Weg zum Konzertsaal der Zukunft. Clever: die Dramaturgie des Abends. Erstaunlich: die gute Akustik. Gewöhnungsbedürftig: der strenge Geruch der Kakaobohnen, die hier einst gelagert wurden. Der erste Teil des Programms war als Wandelkonzert gestaltet, das den Besuchern die Möglichkeit gab, sich mit den Räumen vertraut zu machen. Sowohl klanglich (mit Musik von Morton Feldman und Werken aus dem Mittelalter und der Renaissance) als auch optisch. Im zweiten Teil folgte die äußerst gelungene Performance "Aufmachen", die Jan Pusch mit Schülern des Gymnasiums Osterbek und der Gesamtschule Blankenese einstudiert hat. Zum Schluß schlug das Ensemble nochmals den Bogen von Alter zu Neuer Musik. Spannend, wie Gabrielis "Dreichörige Canzone" dem Beton-Speicher den Raumklang einer erhabenen Kathedrale verlieh. Spannend auch, wie Ali N. Askins uraufgeführte "Iterations" mit der verwinkelten Raumstruktur des Speichers spielte und ihn bis in die letzte Ecke ausleuchtete. Was vom Abend übrigblieb? Die Erkenntnis, daß Kakaobohnen wie Schweißfüße riechen, und das gute Gefühl, gemeinsam den Kaispeicher geentert zu haben. Die Elbphilharmonie kann kommen!"
Hamburger Abendblatt, Oktober 2005

 
"Den Kaispeicher entern! - ... mit neuen Projekten und Sponsoren - Ideen haben sie reichlich, die 18 Musiker des Ensemble Resonanz (ER). Ihr aktuelles Projekt aber stellt alle bisherigen Barock und Moderne kombinierenden Programme in den Schatten: Am 30. September wollen die Streicher den "Kaispeicher entern!" Dort, wo ab 2009 die Elbphilharmonie thronen soll, will das ER vorab schon mal die "Räumlichkeiten" erkunden und den Hamburgern so ihr künftiges Wahrzeichen näher bringen. So werden sich die Ensemble-Mitglieder den riesigen Raum "erspielen". "Wir wollten die Entstehung dieses neuen Konzerthauses musikalisch-inhaltlich begleiten", erklärt ER-Urgestein Tobias Rempe. Das soll natürlich kein einmaliges Projekt bleiben, sondern alljährlich neu aufgelegt werden. Und mag der Aufwand auch gewaltig sein, Förderer von Kulturbehörde bis Körber-Stiftung haben sich schon gefunden. Wie sich überhaupt das innovationsfreudige Ensemble stetig wachsender Unterstützung in Hamburg erfreut: Spielten die Musiker anfangs ums Überleben, gibt es mittlerweile mit dem Investmentmanager Stephan Damaske einen ersten Sponsor. Und erst kürzlich entschied die Zeit-Stiftung, für drei Jahre 150000 Euro bereitzustellen. "Jetzt können wir künstlerisch noch mehr Gas geben", freut sich Rempe - rückt doch mit diesem Geld die Erfüllung des lang gehegten Wunsches in greifbare Nähe, wieder einen Geschäftsführer einzustellen. Der sich dann noch mehr um Gastspiele des Ensembles kümmern könnte: Dort entern die Streicher nämlich schon heute erfolgreich die Konzertsäle, so dass das Ensemble inzwischen häufiger auswärts zu hören ist als in der Heimat. Höchste Zeit also für einen "Gegenangriff" des Hamburger Publikums - am besten gleich heute bei ihrem Konzert mit Piano-Star Fazil Say zur Saisoneröffnung der Laeiszhalle. "
Hamburger Morgenpost, September 2005

 
"Beharrlich variiert - Europäisches Musikfest (1): Ensemble Resonanz im Mozartsaal - Beharrlich pochen die Celli auf einem Ton, gelegentlich unterstützt vom Kontrabass. Nach dem Prinzip der "minimal music" begann "Cruel Sister". Das Hamburger Ensemble Resonanz spielte das hochkomplexe Werk der Amerikanerin Julia Wolfe kombiniert mit einer Orchesterbearbeitung von Bachs Goldberg-Variationen. Über dem rhythmisierten Urgrund erheben sich störende Rhythmen der Mittelstimmen, sirenenartige Glissandoeffekte und lang anhaltende Flageolettpassagen der Violinen. Rhythmische Motive steigern sich zu hektisch übereinander gelagerten Ein-Ton-Melodien. Immer lauter und schneller wird das Geschehen, schraubt sich immer höher, um auf dem Höhepunkt jäh abzubrechen. Eine fahle Melodie der Geigen in höchster Lage erzeugt gespenstische Atmosphäre. Das junge Hamburger Ensemble bot im schwach besetzten Mozartsaal eine hoch konzentrierte Leistung. Die vertrackte Partitur wurde tadellos umgesetzt, die zahlreichen orchestralen Höchstschwierigkeiten in packender Weise musiziert. Die Orchesterversion von Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen BWV 988 erfüllte diesen Anspruch nicht immer. Auch wenn die jungen Musiker sich sehr um das Stück bemühten, wirkte manches eben doch nur gewollt und nicht überzeugend. Auf der Grundlage von Dmitri Sitkovetskys Bearbeitung aus den achtziger Jahren hat das Ensemble die Variationen noch einmal den eigenen Bedingungen angepasst. Im Grunde machte das Streichorchester alles richtig. Rasante Bravournummern wie die fünfte oder vierzehnte Variation wurden mit flinken Fingern und makelloser Technik gespielt. Auch der Wechsel von Tutti und Solo überzeugte. Filigrane Abschnitte wie die Variationen sieben und zwölf mit ihren zahlreichen Verzierungen und Trillern blieben so transparent und durchhörbar. Sinn für Klangfarben bewiesen die knapp zwanzig Musiker durch unterschiedliche Spielweisen."
Stuttgarter Zeitung, August 2005

 
"Etta Scollos charmante Liebeserklärung an Sizilien - Und kein Wort über die Mafia - Wenn im alten Sizilien eine Frau von der Tarantel gebissen wurde, bestellte man nicht den Arzt, sondern zwei Musiker. Dann wurde getanzt, bis das Gift aus dem Körper war. So erklärt Etta Scollo in der Musikhalle/Laeiszhalle den Ursprung des Tarantella-Tanzes. Begleitet von acht Musikern und dem wunderbaren Ensemble Resonanz präsentiert die italienische Sängerin ihre Hommage an die Sizilianerin Rosa Balistreri. Feinste Folklore ist das, fürs Orchester neu arrangiert mit so viel Gespür für den sensiblen Charakter dieser bewegenden Musik, dass sie allem Kitsch elegant entgeht. Charmante Anekdoten knüpfen das Band zwischen Sängerin und Publikum noch enger. Scollo hat einen entspannten Umgang mit traditioneller Musik. Ihre Kopplung folkloristischer Melodien mit dezenter Kammersinfonik und markant gesetzten Jazzelementen, überzeugt auf ganzer Linie. Dabei ist Scollos Stimme mal anschmiegsam und weich, mal rau und gepresst, verströmt Melancholie und Lebenslust zugleich. Und immer wieder wird man überrascht vom Einfallsreichtum und den verspielt-sinnlichen Zwischentönen, die diese Musik so lebendig machen. Etta Scollo möchte nicht, dass man bei Sizilien nur an "das große M" der Mafia denkt. Nach ihrem fulminanten Konzert denken wir nun an das andere große M: Sizilien - das ist Musik!"
Hamburger Morgenpost, Mai 2005

 
"Lieder vom Leben - Etta Scollo und das Enemble Resonanz - Sizilianische Folklore, an sich ungezähmt, liebevoll und kratzbürstig zugleich, durch ein Kammerorchester mit höherkulturellen Weihen versehen? Das kann, im gekünstelten Ethno-Kitsch ersaufend, auch ganz böse ins Auge gehen. Bei Etta Scollo und ihrem Programm "Canta Ro'", einer Hommage an die 1990 verstorbene Volkssängerin Rosa Balistreri, ging die Kombination aber etwas tiefer. Mitten ins Herz. Denn im Großen Saal der Laeiszhalle spielte zusammen, was instinktiv zusammenfand: Die Sizilianerin mit der bitterzarten Stimme, die mittlerweile nicht nur in Hamburg eine treue Fangemeinde hat, und das mit zwei Multiinstrumentalisten und einigen Bläsern aufgestockte Ensemble Resonanz, das ansonsten mit gänzlich anderem Repertoire in Berührung kommt. Gerade deswegen ergab sich daraus eine Summe, die viel mehr war, als ihre Einzelteile für sich versprachen. Das vermeintliche Experiment gelang so gut, fühlte sich offenbar so vertraut an, als hätten alle Beteiligten seit langem nichts anderes getan, als aufeinander zu hören und miteinander zu musizieren. Die dezent orchestrierten Balladen, in denen aus kleinen Alltagsgeschichten riesige Dramen wurden, wirkten wie ungeschliffene Rohdiamanten, die auch in dieser domestizierten Fassung nichts von ihrer rauhen Anmut verloren. Scollo sang sich durch sie die Seele und viel Schmerz aus dem Leib, aber vor allem: immer ehrlich. Und nach mehr als zwei Stunden, einem anrührenden, herzerwärmenden Konzert und Standing ovations, verwandelte sich die zierliche Sängerin in eine Riesenportion Glück."
Hamburger Abendblatt, Mai 2005

 
"Greife niemals zum Orchester, wenn die Gitarre völlig reicht - Es waren keine vertrauten Lieder, es waren keine leichten Lieder, die Etta Scollo am Mittwoch abend in der Musikhalle sang. Es waren Lieder der vor fünfzehn Jahren verstorbenen Sizilianerin Rosa Balistreri. Noch schlichter als im Original, ja unaufdringlich, mit einem Hauch Melancholie und Archaik mischten sich darin die jahrhundertealten Traditionen der Insel mit maurischen Einflüssen und der Moderne. Balistreri, aus bescheidenen Verhältnissen stammend, erzählt Geschichten von der Heimat, von unauffälligen Alltagsgegenständen, Tieren und den Gefühlen eines aufrichtigen Menschen. Als "eine Gestalt, die auf einem Seidenfaden balanciert" stellte ein Rezitator zu Beginn die hierzulande kaum bekannte Liedermacherin vor und griff danach zur Maultrommel. Scollo, selbst Sizilianerin, hatte der Volkssängerin schon lange eine Hommage widmen wollen und beschlossen, die normalerweise von der Gitarre begleiteten Lieder Balistreris zu orchestrieren. Anstelle des Orchestra Sinfonica Siciliana, mit dem sie ihre aktuelle CD ("Canta Ro'" PRE006) veröffentlicht hat, begleitete sie in der Musikhalle das Ensemble Resonanz. Das Konzert war gleichsam Scollos Abschied von der Hansestadt, die sie - dem Herzen folgend - nach Berlin gehend verläßt. Bei aller Liebe zum Detail etwa in der charmanten Hymne an einen nüchternen Apfel fragt man sich dennoch, ob die Chansons eine solche Erweiterung benötigen. Eindimensional ist die Behandlung der Streicher, plakativ der Bläsereinsatz, erst recht, wenn in "L'Anatra" ("Die Ente") erwartungsgemäß eine Oboe einsetzt. Auch harmonisch bleibt das Geschehen im Rahmen, abgesehen von wenigen aparten Wendungen und rauhen Motivschlenkern, die gewissermaßen als Zäsurmarken fungieren. Vielleicht fehlte dem Ensemble Resonanz für diese Art mediterraner Nonchalance zudem das richtige Feeling. Ja, von der Liebe war auch die Rede. "Wer hat gesagt, daß ich dich verlassen will", fragt Scollo alias Balistreri, aber man spürte sofort, daß sich die Damen kaum davon vereinnahmen lassen. Das Bild der in Armut aufgewachsenen Gesinnungsgenossin, die sich ihre Ursprünglichkeit inmitten einer immer komplizierter und brutaler werdenden Gesellschaft bewahrt hat, transportiert Scollo glaubhaft. Den "Gesang aus der verdorrten Erde Siziliens" hat sie für sich adaptiert und leidenschaftlich dargeboten, auch wenn man sich am Ende fragt, welche Wahrheiten die Poesien en miniature eigentlich noch eröffnen wollen."
Die Welt, Mai 2005

 
"Etwas überzuckert - Erst ein paar leicht bekömmliche Portiönchen neuere osteuropäische Klangkost und dann zum Nachtisch Tschaikowsky satt - so sah die Menüfolge des jüngsten Resonanzen-Konzerts aus: Wojcech Kilars "Orawa" (1988) vermengt folkloristische Zutaten zu einem fluffigen Rhythmus-Risotto; auch Erkki-Sven Tüürs "Insula deserta" (1989) kocht seine flageolett-arten Patterns auf niedriger Flamme weich. Einzig das 1981 entstandene "Grave" von Witold Lutoslawski bringt zwischendrin ein wenig Biß und Salz in die sämige Sound-Suppe. Aber dann ist auch schon üppig Dessert angesagt, mit Tschaikowskys "Andante cantabile" und seinem "Pezzo capriccioso": zwei Schmachtfetzen für Cello und Streichorchester. Quasi musika-lische Kosakenzipfel - aber bitte mit Sahne-Legato, vom Solisten Jens Peter Maintz butterweich auf die Saiten gepinselt. Uff. Erste Anzeichen von Übersättigung. Doch nach 15 Minuten Verdauungspause gibt's schließ-lich noch so eine Kalorienbombe von Tschaikowsky auf die Ohren: Seine C-Dur-Serenade in fettem Streichersound. Glücklicherweise verderben die 18 Köche des Ensemble Resonanz den Brei keineswegs: Sie servieren das Stück mit wahrem Schmelz, lassen die emotionale Hitze kurz aufsieden und machen es so zum kulinarischen Hochgenuß. Dennoch: Eine leichte Überzuckerung ist unverkennbar. Beim nächsten Mal gern wieder etwas mehr bitterer Nachgeschmack. "
Hamburger Abendblatt, April 2005

 
"Das Ensemble Resonanz zeigt sich in Hochform - Der Kleine Saal der Laeiszhalle wäre sicher jedes Mal doppelt ausverkauft, wenn Hamburgs Klassikpublikum endlich begreifen würde, was da mit dem Ensemble Resonanz (ER) für eine Superkapelle in der Hansestadt lebt und arbeitet. So aber kamen zum m-Konzert am Donnerstag abend zunächst wieder mehr oder weniger die üblichen Verdächtigen. Die staunten indessen nicht schlecht, als ER, sonst als Neue Musik-närrisch verschrieen, unter der Überschrift "Osterweiterung" mit reichlich Tschaikowsky auch Musik spielte, die lange vor Gründung der EU komponiert wurde. Neue Musik, sagt ein Vorurteil, wird bevorzugt mit dem Kopf gemacht. Die jungen Ausnahmemusiker von ER legten dagegen schon in Wojciech Kilars "Orawa" von 1988 mit enorm viel Elan und Frische los und kamen damit einer Musik entgegen, die irgendwo zwischen Rock, Folklore und der intelligent witzigen Weiterentwicklung amerikanischer minimal music entstand. Lutoslawskis schwermütig beharrendes "Grave", vom in Hamburg geborenen Cellisten Jens Peter Maintz beeindruckend schroff und sensibel dargeboten, vermochte die gute Stimmung danach nur kurz zu bremsen. Erkki-Sven Tüürs (geb. 1959) "Insula deserta" kehrte - rhythmusorientiert, farbenfroh und abwechslungsreich - in die musikalische Gegenwart zurück. Mit gelegentlichem Schmunzeln, dabei hoch engagiert und virtuos widerlegte ER schließlich mit Tschaikowskys wunschkonzertverbeulter Streicherserenade ein weiteres Vorurteil. Daß nämlich der unglückliche russische Komponist ein besserer Operettenschreiber gewesen sei. Entzuckert und entschmalzt erscheint er als das, was er ist - einer der großen, durchaus formbewußten Melodiker der Musikgeschichte."
Die Welt, April 2005

 
"Schlicht sensationell - Nach einer Woche Probenarbeit endete das Dirigentenforum des Deutschen Musikrates in einem spannenden Abschlußkonzert: Alle vier Teilnehmer präsentierten sich mit einem von ihnen selbst einstudierten Werk Neuer Musik. Die Stücke waren so gewählt, daß sie unterschiedliche Anforderungen ans Geschick der Nachwuchs-Maestri stellten: In Anton Weberns Konzert op. 24 etwa besteht die Kunst vor allem darin, die vielen Einzel-Motive zum großen Bogen zusammenzufügen; bei Kumiko Omuras "Synapse" ist der Dirigent eher als Koordinator räumlicher Klangeffekte gefragt. Die vier Meisterschüler hatten ihre Lektionen gut gelernt. Den überzeugendsten Eindruck hinterließ der Amerikaner Evan Christ, dem eine dichte Interpretation von Dallapiccolas "Piccola musica notturna" gelang. Zum Star des Abends wurde jedoch das Ensemble Resonanz - es war schlicht sensationell."
Hamburger Abendblatt, Februar 2005

 
" Ensemble Resonanz: ergreifender Dialog - Mehrere Jahrhunderte liegen zwischen ihnen. Der eine ist gerade mal 17 Jahre tot und wäre am 8. Januar dieses Jahres 100 Jahre alt geworden, der andere starb vor knapp 380 Jahren. Daß zwischen ihrer Musik keine Welten liegen, zeigte das Ensemble Resonanz bei seinem Konzert im kleinen Saal der Laeiszhalle. Unter dem Motto "gedehnte Zeit" ließen sie John Dowland (1563-1626), einen berühmten Renaissance-Lautenisten, und Giacinto Scelsi (1905-1988), den Eigenbrötler der Avantgarde, in einen Dialog treten. Stellten Dowlands Tränenmusiken "Lachrimae or Seven Tears" Scelsis meditativen Klängen "Anagamin" und "Natura Renovatur" gegenüber. Das Klangergebnis faszinierte. So unterschiedlich die Musik beider Komponisten klingt und so sehr sie ihrer Zeit verpflichtet ist, so ähnlich ist doch ihre Wirkung. Beide schrieben Musik, die bis ins Herz des Klanges vorzudringen scheint. Musik, die nicht nur mit Ohr und Verstand, sondern mit dem Körper gehört werden will. Nach der Pause stand Bruckners Streichquintett in einer Fassung für Streichorchester auf dem Programm. Großartig, wie die Musiker den symphonischen Gestus dieser "verkappten Symphonie" herausarbeiteten, ohne aber die kammermusikalischen Feinheiten aus den Augen zu lassen. Mit großmächtiger Ausdruckskraft, ohne oberflächliche Effekthascherei, spielte das Ensemble Resonanz den "gemäßigt" vorzutragenden Kopfsatz (aber was heißt bei Bruckner schon gemä-ßigt?). Zum Niederknien schön geriet das weit ausgesponnene Adagio, das immer wieder im Schweigen zu versinken droht. Zupackend, mit musikantischer Intensität und Stringenz, inter-pretierten die Musiker schließ-lich den Finalsatz. Ein ergreifender Bruckner! "Super" seufzte dann auch jemand genußvoll aus dem Publikum. Das fanden alle anderen auch und bedankten sich mit anerkennendem Applaus. "
Hamburger Abendblatt, 17. Januar 2005

 
"Rückblick auf zehn Jahre - Zehn Jahre Ensemble Resonanz: Trotz namhafter Konkurrenz im CCH und im Großen Saal nebenan war der Kleine Saal der Musikhalle beim Jubiläumskonzert gut gefüllt: Ein weiterer Beleg dafür, daß die Formation längst als unverzichtbarer Bestandteil zum Hamburger Musikleben gehört. Warum das so ist, zeigte der Abend eindrucksvoll, den Roger Willemsen launig (aber mitunter auch ein wenig ab- und weitschweifig) moderierte. Denn einerseits verfügt das Ensemble über ein sehr eigenes dramaturgisches Profil: Sein Geburtstagsprogramm - als Rückschau in die eigene Geschichte angelegt - kombinierte Bekanntes von Bach bis Dvorak mit fünf jüngeren (Auftrags-)Werken, die einen Einblick in die vielfältigen stilistischen Spielarten Neuer und neuester Musik gaben. Und andererseits ist dieses Miteinander von Geschichte und Gegenwart auch im packenden interpretatorischen Zugriff der Musiker präsent: So, wie sie in Mozarts Divertimento die herb-herrlichen Dissonanzen als Vorboten romantischer Expressivität auskosten, so fördern sie in Villanuevas "Lazos" (1997) die fast klassische Schönheit irisierender Tonflächen zu Tage. Dabei wird die Darbietung von einem beseelten und hochgespannten, ebenso individuellen wie homogenen Musiziergestus aller Ensemblemitglieder getragen, der dem Begriff des "Klangkörpers" eine ganz neue Bedeutung gibt. Möge sich also die demonstrative Sympathiebekundung der Kultursenatorin - die dem Ensemble für die nächsten zehn Jahre alles Gute wünschte - möglichst bald in harte Euros ummünzen lassen."
Hamburger Abendblatt, 17. Dezember 2004

 
"Wider den Trend zur Spezialisierung - Ein Wunsch zum Geburtstag? Sich im Ensemble endlich einmal wieder allein auf die musikalische Arbeit konzentrieren zu können. Auf die Schärfung des romantischen Klangprofils. Oder auf jene geistreichen "Resonanzen"- Programme, die Barock und Moderne mischen. Bach und Webern einander gegenüberstellen als Widerhall, Spiegel und Kontrast. Nun, zumindest im von Roger Willemsen moderierten Jubiläumskonzert konnten sich die 18 Musiker des Ensemble Resonanz (ER) allein ihrem Überraschungsprogramm widmen, sich auf eine Reise durch zehn Jahre eigene Geschichte begeben. Hat ihnen doch die Kulturbehörde mit einem Projektzuschuss die finanzielle Last genommen. Bleiben indes noch 364 Tage, an denen es weit weniger rosig aussieht: Nach der drohenden Insolvenz im Herbst hat sich die Lage inzwischen zwar dank des Engagements der "Zeit"-Stiftung und der Aktion "Kaufen Sie einen Musiker" - private Mäzene sichern hier mit 400 Euro das Konzerthonorar für jeweils einen Musiker ab - etwas entspannt. Doch bei rund 50 Konzerten im Jahr mit einem Gesamtumsatz von 400000 Euro reicht auch das längst nicht für die ER-Mitglieder, um sich allein auf die Musik zu konzentrieren. Und so hofft denn ER-Gründer Tobias Rempe für die Zukunft auch auf einen Sponsor. Verdient hätte diesen das Ensemble mit dem breiten Repertoire fraglos, ernten die jungen Musiker doch bundesweit für ihre Auftritte positive Kritiken von MOPO bis "FAZ". "Es war einfach an der Zeit, dem Trend der Spezialisierung etwas entgegenzusetzen", erinnert sich Geiger Rempe an die Gründungsidee. Eine Gedanke, der zunehmend auf Interesse stößt, wie auch die Besucherzahlen zeigen: Seit das ER 2002 vom rheinland-pfälzischen Diez nach Hamburg übersiedelte und hier als "Ensemble in Residence" der Musikhalle seine eigene Reihe "Resonanzen" startete, haben sich diese fast verdoppelt. Was wiederum das Interesse anderer Städte geweckt hat, die Konzerte zu übernehmen - und was vielleicht das schönste Geburtstagsgeschenk wäre. Finanziell und musikalisch. "
Hamburger Morgenpost, 16. Dezember 2004

 
"Bach - mal ganz besonders weltlich - Die Rechnung ging auf. Mit dem "dram(m)atischen Bach" wollte das 79. Bachfest, das nach fast vierzig Jahren wieder in Hamburg gelandet ist, uns den unbekannteren "weltlichen" Bach wieder ins Bewusstsein rufen. Insgesamt 25000 Besucher sind diesem Ruf gefolgt, haben sich in den letzten zehn Tagen in 75 verschiedenen Veranstaltungen von der Vielfältigkeit des Bach'schen Schaffens überzeugen können. In Konzerten, Orgelandachten, Gottesdiensten und zahlreichen begleitenden Veranstaltungen wollte Hamburg sich auch den auswärtigen Gästen als "Bachstadt" präsentieren, sagt Christoph Schoener, Kirchenmusikdirektor an St. Michaelis und künstlerischer Leiter des 79. Bachfests. Mit einer Auslastung von 85 Prozent können die Veranstalter zufrieden sein. Ein wichtiger Programmschwerpunkt: Bachs Einfluss auf spätere Komponistengenerationen, etwa die der so genannte Wiener Schule um Schönberg, Webern und Berg. (...) ... kontrastreich eingebettet, spannend und musikalisch brillant: Bachs Klavierkonzerte mit dem hervorragenden Solisten Evgenij Koroliov. Begleitet vom Ensemble Resonanz, das mit Werken von Berg und Lutoslawski den Ausflug in die spröde Moderne nicht scheute. (...) "
Hamburger Morgenpost, November 2004

 
"Koroliov: Souverän - Stil ist immer auch eine Frage der richtigen Vorbilder, und auch deswegen können die Querverweise, mit denen man Bachs Musik anreichert und deren Wirkung verstärkt, gar nicht groß genug sein. Beim Bachfest-Auftritt des Ensemble Resonanz mit Evgenij Koroliov im Großen Saal der Musikhalle kam die Spannung aus der Kombination zweier Bach-Klavierkonzerte mit der abstraktesten Komposition, die das Werkverzeichnis Bachs zu bieten hat: Teilen aus der "Kunst der Fuge". Koroliov beeindruckte durch souveräne, energische Gelassenheit und strahlend großen Ton. Das Streicher-Ensemble arbeitete sich mit aufgeweckter, konzentrierter Hingabe durch barocke und modernere Kontrapunktik - durch einen Berg-Kanon über eine Schönberg-Reihe, Lutoslawskis Präludien und Fugen. Oder eben Bachs Originale, gekontert mit dem zeitgenössischen Epilog "DANACH" von Michael Reudenbach. Das war nicht immer leichte Kost. Aber schon deswegen hörenswert. "
Hamburger Abendblatt, November 2004

 
"Mathematik der Musik - Das «Ensemble Resonanz» gastierte bei den Bach-Konzerten in der Alten Oper Frankfurt. - Die Mathematiker unter den Musikfreunden waren an diesem Abend im Vorteil. Hinter den erst 1974 aufgefundenen «Rätselkanons» von Bach (nach dem Thema der Goldberg-Variationen) verbergen sich hochkomplizierte mathematische Prozesse, Fugen, Spiegelfugen, «Krebse» et cetera. Man konnte sich beim Konzert mit dem «Ensemble Resonanz» aber auch einfach zurücklehnen und die Mathematik Mathematik sein lassen. Die Musik nämlich, die dieses sowohl auf Barockmusik wie auch auf zeitgenössische Kompositionen spezialisierte Ensemble hervorbrachte, gefiel mit ihrem schönen, weichen Klang. Auch wenn die Geduld des in dieser Hinsicht gewiss nicht unerfahrenen Publikums der Bach-Konzerte bei Caspar Walters Komposition «Angst und Ahnung» etwas strapaziert wurde (immerhin lernte man, was eine Altstimme alles für Töne hervorzubringen in der Lage ist), überwogen bei Bachs Soprankantate «Jauchzet Gott in allen Landen» (mit Julia Rempe) sowie im zweiten Brandenburgischen Konzert (mit dem Trompeter Reinhold Friedrich) wieder die edlen, warmen Töne. "
Frankfurter Neue Presse, Oktober 2004

 
"Im Inversionskrebsgang - Das Ensemble Resonanz spielt mit Bach in der Alten Oper - Dem Thema wurde gründlich begegnet. Das Notenblatt, um das es ging, hatte jeder im Publikum in Kopie zur Hand, der Musikwissenschaftler Reinhard Böß war auf das Podium gekommen, um zu erklären, was es gleich zu hören geben werde. Rätselkanons sind es, von Johann Sebastian Bach nach den Fundamentalnoten seiner Goldberg-Aria auf eben jenes Notenblatt gebracht. Erst 1974 hatte man dieses Papier zusammen mit Bachs eigener gedruckten Ausgabe der Goldberg-Variationen gefunden, eine Sensation für die Bach-Forschung. Das Rätselblatt vor Augen, die komplexen Wissenschaftsworte über den Inversionskrebs, den Proportionskanon und den gespiegelten Rückwärtsgang noch in den Ohren, hörte man dann die Bach-Studien, wie sie Reinhard Böß selbst für Ensemble bearbeitet hatte. Und man hörte etwas, das gar nicht nach vertrautem Bach klang. Eher nach Minimal Music, hypnotisch und körperlos. Und was in eine gewaltige Coda mündete, einen achtstimmigen Satz, den wiederum kein anderer so hinbekommen hätte wie der Thomaskantor. Eine strukturelle Hörverunsicherung. Dass dieser von Frankfurter Bachkonzerte und Alte Oper gemeinsam veranstaltete Abend anders werden würde als ein herkömmliches Bach-Konzert, damit war zu rechnen. Ist doch das 1994 gegründete Ensemble Resonanz, höchst einfallsreiches Spaltprodukt der Jungen Deutschen Philharmonie, immer gut für ausgefallene Programme. Dass sie ausgezeichnet Bach spielen können, haben die jungen Musiker auf ihrer aktuellen CD bewiesen, mit einer Streichereinrichtung der Goldberg-Variationen (erschienen bei Ambitus). In der Alten Oper erschien nun der "normale" Bach eher wie Ballast, wie Zugeständnis: Die Kantate Jauchzet Gott in allen Landen mit einer wenig akzentuierenden Sopranistin Julia Rempe und das zweite Brandenburgische Konzert. Das nun war zwar bestens musiziert (mit Michael Form an der Blockflöte und wie oben mit dem immer souveränen Trompeter Reinhold Friedrich), aber der Zeitrahmen war deutlich gesprengt. Schon besser zu den "Rätselkanons" passte das im Zeitverlauf leicht überstrapazierte Werk Angst und Ahnung des Frankfurter Komponisten Caspar J. Walter für eine girrende, schnarrende, angstschreiende Frauenstimme (Truike van der Poel), gedämpft stöhnende Trompete und zwölf fast tonlos glissandierende Streicher, 2002 für das Ensemble Resonanz komponiert. Und noch besser dann der Kanon an das Frankfurter Opernhaus, den Alban Berg 1930 für das Haus geschrieben hatte, das heute als Alte Oper bekannt ist. Er basiert auf einer Schönberg'schen Zwölftonreihe, ist original für neun Streicher gesetzt und wurde von Alfred Schnittke für das Ensemble Resonanz auf Kammerorchestergröße gebracht. Und hier war er dann in Reinform zu hören. dieser intelligente, nie dickliche, immer dynamisch wache Resonanz-Klang, der sich seine Leichtigkeit bewahrt hat über die zehn Ensemble-Jahre hinweg. Dieser fünfminütige Alban Berg-Kanon war dann kein Rätselkanon mehr, er war Antwort, Lösung. "
Frankfurter Rundschau, Oktober 2004